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Kurden sollen „in ihrem Blut ertrinken”

kurdinnenIn alten Geschichten, bis hin zu Hollywood-Verfilmungen, zeigt sich der Unterschied zwischen „gut“ und „böse“ meist ohne jeglichen Zweifel. Rebellen sind eindeutig Rebellen und Freiheitskämpfer werden als Helden gefeiert. Und wie sieht dies in der modernen Politik aus? Die Palästinenser leiden unter Not und Unterdrückung. Gut. Eine türkische Hilfsflotte wird von den Unterdrückern angegriffen und zumindest neun Menschen kommen ums Leben. Wir wissen es. Der türkische Ministerpräsident fordert Sanktionen. Nun starben einige türkische Soldaten in Gefechten mit Kurden – und diese, so erklärte Erdoğan öffentlich, sollen „in ihrem Blut ertrinken“. 

Natürlich lassen sich die beiden Konflikte nur schwerlich in einen direkten Vergleich stellen. Und doch zeigen sich einige Parallelen. Palästinenser verlangen ein freies Palästina. Kurden träumen von einem unabhängigen Kurdistan. In beiden Fällen wird Gewalt eingesetzt. Jetzt zu hinterfragen, ob die Gewaltanwendung angemessen, übertrieben, verständlich oder zu verurteilen wäre, würde nicht nur ausgedehnte Recherchen verlangen, sondern direkte Kontaktaufnahme mit den Betroffenen. Ob die Gewalt in einem Fall Provokation ist und die Gewaltanwender somit als Rebellen oder Terroristen einzustufen sind, ob sie gleichzeitig im anderen Fall auf Selbstverteidigung und Heldentum beruht, lässt sich genauso schwer beurteilen.

Nach dem unglücklichen Vorgehen der israelischen Kriegsstreitkräfte beim Kapern der, aus sechs Schiffen bestehenden, Flotte mit Hilfsgütern und Friedensaktivisten, das nach offiziellen Angaben neun Menschenleben gefordert hatte, alle von ihnen Türken, erwachte internationales Mitgefühl. Wenige Tage später forderte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan in einer emotionsgeladenen Rede vor dem türkischen Parlament Aufklärung und Sanktionen gegen Israel.

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Gestern nahm der gleiche Recep Tayyip Erdoğan an Trauerfeierlichkeiten teil. Bei einem Gefecht zwischen der türkischen Armee und sogenannten kurdischen Rebellen kamen 11 Soldaten und 12 Kurden ums Leben. In seiner Ansprache gab er wörtlich von sich: „Sie werden in ihrer eigenen Dunkelheit dahinschmelzen ... Sie werden in ihrem eigenen Blut ertrinken!“

Seit 1984, seit die Untergrundbewegung namens Arbeiterpartei Kurdistans zu den Waffen gegriffen hatte, kamen Schätzungen zufolge 40.000 Menschen ums Leben. Ziel der Kämpfe ist ein unabhängiger Staat – ein Ziel, das auch von Palästinensern verfolgt wird.

 

Ergänzung: Einem, auch wenn etwas eigenwillig formuliertem, Leserkommentar folgend, möchte ich hinzufügen, dass von offizieller türkischer Seite nicht das kurdische Volk bekämpft wird, sondern die Unabhängigkeit fordernde Arbeiterpartei Kurdistans, PKK. Israel bekämpft gleichzeitig nicht das Volk der Palästinenser, sondern die als Terroristenorganisation eingestufte Hamas-Partei. - kh 

 

 


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