Wenn der Bauer am Saatgut spart, kann es teuer werden…
Es ist absolut unstrittig, Deutschland hat über seine Verhältnisse gelebt, und bei den Romanzen, Affären und vielfältigen Konkubinaten sowieso. Auch wenn manche Liebesgabe im Rückblick pure Verschwendung war – keine Reue bitte, insgesamt war die Vergangenheit genüsslich, bitte den Blick nach vorn. Sollten die Perspektiven fehlen, kann man die eigene Eleganz im Spiegel bewundern, auch wenn manches sichtbare Hüftgold nun unangemessen scheint.
Da ist nun die große Vernunft angesagt und auf hohem Niveau soll auf weitere Ausgabenexzesse vorerst verzichtet werden. Ein altes neues Schloss wird auch vertagt. Es müssen eben alle ihre Opfer bringen. Dem Vorschlagsdienst ist kein Tabu verordnet und so manche Umsetzung wird noch am Genehmigungsverfahren scheitern. Was soll`s, der Wille ist da.
Und weil eben die ganze Ausgabenkürzungspflicht so unvermutet kommt und außerdem auch gleich umgesetzt werden soll, wird vorerst am unumgänglichen Zahlenmaterial gearbeitet. Der nackte Zwang ersetzt die Visionen. Die allerälteste Kommission im deutschen Länderbund, jene für die Steuervereinfachung, muss sich erneut gedulden. Die Notlage ist zu groß, um jetzt Experimente zu wagen. Klar, bei stetig steigenden Einnahmen bisher, wäre es eine gute Idee gewesen, vielleicht mit weniger auszukommen, etwas zurückzugeben, eine Party nach dem Volksgusto. Geht aber nicht. Die Ausgaben sind noch schneller gestiegen. Die Einnahmen einfach weiter zu erhöhen, geht auch nicht, denn bei Überbeanspruchung versiegen die Quellen gänzlich.
Dass die Hälfte des Etats für soziale Umverteilung aufgewendet werden muss, ist ein Januskopf. Da bleibt einfach zuwenig Rest für anderes, für die Zukunftsgestaltung zum Beispiel. Und es gibt nach Außen hin kein gutes Bild. Schon zahlentechnisch nicht. Wie sieht das aus?
Die Zukunft ist uns schnuppe? - Wir leben eben jetzt! Kann man nicht machen… was sollen die Nachbarn denken? Man kann die Frage aber auch anders stellen: Wie kam es eigentlich dazu, dass heute 50 % des Etats für soziale Zwecke aufgewendet werden MÜSSEN?
Eigentlich gibt es darauf nur eine Antwort: In diesem reichen, nein, superreichen Land ist die Bedürftigkeit breiter Kreise der Bevölkerung so stark und schnell gewachsen, dass trotz immer höherer Einnahmen von diesen insgesamt ein höherer Anteil für soziale Zwecke gebunden werden musste. Frage: Besteht da ein Zusammenhang? Sind die gestiegenen Einnahmen vielleicht die Ursache für eine ruinöse Entwicklung, welche viele Menschen an den Almosentisch des Staates getrieben haben?
Nun ja, wir sind ja nicht arm, jedenfalls nicht, wenn wir uns mit dem Opiumbauern in Afghanistan vergleichen, oder? Unsere Ansprüche sind etwas gewachsen. Wir wollen etwas länger und zudem gesünder leben. Das hat schon seinen Preis! Und 8-lagiges Toilettenpapier ist auch nicht ohne! Wir gehen nicht mehr zu Fuß und Putzen nicht mehr selber, zugegeben! Wir müssen nicht mehr selber denken und merken, dafür gibt es vollelektronische Hilfsmittel, es gibt Fitness- und Wellness-Center mit septischen Sprays. Es gibt portionierte Fertignahrung und drei Dutzend Kochsendungen im TV, zuzüglich Promidinner. Es gibt Selbstverwirklichungszirkel und Dominastudios. Und viele digitale Freunde. Wir sind und verkörpern Kultur – als leuchtendes Beispiel und Alternative zum Bösen.
Und wir sind selbstlos und spendenfreudig, wir teilen gern, achten aber auf Effizienz. Wir sind gut. Wir sind sogar besser! Wir achten auf Wirtschaftlichkeit! Damit es so bleibt. Wir sparen jetzt. Vor allem jetzt auch am wenig zukunftsfähigen Hüftgold. Weniger Essen und mehr Bewegung. Arbeit ist genug da. Sinnvolle, notwendige und unumgängliche Arbeit, sogar wertvolle.
Also werden wir die Mittel zur Verwaltung des Nichtstuns kürzen. Das ist effizient. Arbeit, die wir normalerweise nicht bezahlen können, wird jetzt erledigt, weil es kein Geld für das Nichtstun mehr gibt. Und für die Arbeit auch nicht! Ist dann doppelt gespart.
Wir sind das Volk der Philosophen und Denker und schon das Bewusstsein, gebraucht und integriert zu sein, ist uns Lohn genug. Davon werden die Urenkel noch reden… Alte und Sieche und Kranke wurden aufopfernd und selbstlos gepflegt, von solchen, die selber nichts hatten….
Ein Gastbeitrag von Franz Wanner - http://blog.corporatebookstore.de




