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Olympisches Ringen um traditionelle Werte

olympisches-ringen.pngSponsoring kann für alle Vertragspartner gleichermaßen lukrativ sein, sofern das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verloren wird. Will sagen, solange das gemeinsame Ziel einseitig nicht nur vorgeschoben wird, um eigene Interessen zu bedienen. Der „Olympische Gedanke“ im klassischen Sinne kann ein Lied davon singen: Citius, altius, fortius wird heutzutage weniger mit Fairness und mit „Dabeisein ist alles“ übersetzt, vielmehr zunehmend wortwötlich übernommen: „Schneller, höher stärker“. Womit wiederum weniger die Leistung der Sportler gemeint ist, die gnadenlos vom Sponsorig abhängt, um entsprechend technisch ausgerüstet überhaupt in dieser Liga erbracht werden zu können. Wer zahlt, schafft aus. Wer am Meisten zahlt, sichert sich Übetragungs- und Vermarktungsrechte und schneidet nun sogar tabulos ins offene cor, um beim Lateinischen zu bleiben: Die seit der Antike fest mit Olympia verbundenen Sportart Ringen soll, da nicht mehr zeitgemäß, ab 2020 aus dem Programm gestrichen werden. Der Protest seitens des Ringer-Weltverbandes Fila ist gewaltig. Neben versprochenen „modernisierenden“ Regeländerungen wird mit einer weltweiten Werbekampagne um den Erhalt dieser Disziplin gerungen. Nur wird all diese Solidarität nichts nützen,solange bei den Verantwortlichen die Kasse nicht wie erwartet klingelt. Daran ist wohl der viel zitierte „Zeitgeist“ schuld. Warum dann bis 2020 warten? In Politik und Wirtschaft ( ja, diese synonyme Doppelung wurde bewusst gesetzt: Offiziell sind diese Bereiche schließlich nicht miteinander verwoben) wütet er doch heute schon gewaltig:

Während jede Privatperson zurecht mit einer Anzeige und kostenintensiven Folgekosten rechnen muss,wenn auch nur wenige Tropfen Heiz-Motor- o.ä. Öle durch unsachgemäße Lagerung oder Umgang in den Boden gelangen, sprechen sich (längst nicht nur) Unionspolitilker wiederholt für einen offenen Umgang mit der Frackingtechnologie aus. Volker Bouffier und Horst Seehofer finden es falsch, diese Technologie komplett zu verbieten, Eu- Kommissar Oettinger warnt sogar „vor einer zu hohen Furcht vor den Risiken. Deutschland dürfe sich die Möglichkeiten nicht entgehen lassen, die Gasvorkommen unter dem eigenen Boden bedeuteten.“ (nachzulesen auf spiegel.de) .

Da sind sie wieder, die wirtschaftlichen Interessen! Da ist es egal, dass allein bei einem einzigen Test, begonnen 2010 in Ostwestfalen, 2600 Liter Dieselöl im Boden versickerten und verblieben. Wie erwartet, wohl gemerkt. Wen stört es denn tatsächlich noch, wenn Grundwasser kontaminiert wird? Die Trinkwasserversorgung liegt ja auch bald in den „richtigen“ privaten Händen, dank Saatgutverordnungen die Nahrung sowieso. Eines Tages ist man nicht mehr von Wahlen abhängig: Wer ums Überleben kämpft, geht gern zu denjenigen, die es in der Hand halten.

Noch sind wir nicht so weit. Kein Wunder, dass Entscheidungen über Fracking, nur als Beispiel, erst nach der Bundestagswahl getroffen werden sollen, wenn es nach den Herren Bouffier und Seehofer gehen soll. Vor der Wahl ist schmeicheln angesagt. Da werden Begriffe hervorgezogen, die genauso wenig zeitgemäß sind wie Ringen: So lobte Merkel vergangene Woche in Trudering das tiefe, auf traditionelle Werte basierende Heimatgefühl der Bayern. Die Augsburger Allgemeine zitiert sie wörtlich:“„Wer nicht weiß, wo er herkommt, der weiß auch nicht, wo er hin will“. Bezogen auf die CSU, die in der Kanzlerin Augen allein dafür verantwortlich ist, dass Bayern so „spitze“ dasteht, könnte man dies wie folgt interpretieren:

Wenn ich den Stammbaum eines Georg Schmid oder zahlreicher anderer Parteifreunde mitgestalten kann, weiß ich, dass ich an einen sehr wohl überdotierten Arbeitsplatz im Dunstkreis meines Verwandten möchte. Hatte ich mich bisher dummerweise nicht genügend über diese Möglichkeit informiert, muss ich noch ganz schnell auf den abfahrenden Zug aufspringen, bevor er endgültig aufs Abstellgleis geschoben wird.

Respekt, diese weit, auch über Parteigrenzen hinaus verbreitete Wertigkeit hat in der Tat etwas traditionelles. Was natürlich nichts damit zu tun hat, dass beim CSU seitig verwendeten Begriff „Ehrencodex“ die Filmmusik des Paten den Tinnitus ablöst.

Ebenso traditionell vor den Wahlen ist das Verkünden froh gefärbter Botschaften über die Medien: Die Inflationsrate in Deutschland sank im April auf den niedrigsten Stand seit 2010! 1,2 % ! Da wird sie, wenn es mit den üblichen Dingen zugeht, auch bis September bleiben… bis zum 22., um genau zu sein. Die Bombe platz dann Ende dieses Jahres: 5 % dürften unter dem Lack hervorkommen. Übrigens nicht allein meine Einschätzung, sondern die Vorhersage eines höheren Beamten einer Landeszentralbank, welcher aus verständlichen Gründen nicht genannt werden möchte. Die Chancen, seine Anonymität zu wahren, stehen noch recht gut: Seine Kontaktdaten sind weder in Handy noch auf PC gespeichert. Als wir uns trafen, hatte ich das Handy nicht einmal dabei, Bewegungsprofil kann also nicht erstellt werden. Soweit ich es umreißen kann, wurde der Treffpunkt nicht videoüberwacht, auch Euro Hawk muss noch am Boden bleiben.

Aber vielleicht liege ich ja komplett falsch und es wendet sich alles zum Guten. Zu wünchen wäre es uns allen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Anders als der Olympische Gedanke. Der liegt schon längst begraben, achtlos verscharrt und vergessen.

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