Mittwoch , 24 August 2016
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Der Westen verpulvert sein Geld in Kriegen, China wirtschaftet sich reich

china geldSozialismus und Kommunismus sind tot. Das westliche System von Freiheit und Demokratie ist politisch wie auch wirtschaftlich überlegen. So die einfache Weisheit, die wir aus den Erfahrungen mit dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks vor reichlich 20 Jahren ableiten sollten.

Wer die Guten und Erfolgreichen bzw. die Bösen und Loser sind, ist seitdem geklärt. Und natürlich hat man als Guter und als Held das Recht oder sogar die Verpflichtung, den Menschen in anderen Staaten die Vorzüge unseres Systems nahezubringen und sie von Unterdrückung zu befreien – ob sie nun wollen oder nicht.

In den 1980er Jahren musste Afghanistan von der Besatzung durch die bösen Sowjets befreit werden. Dazu hat man dann auch Leute wie Osama Bin Laden und andere Islamisten massiv mit Waffen und Geld unterstützt. Blöderweise sind es heute genau diese Islamisten, die von Afghanistan über Afrika bis weit hinein in ihre versteckten Aufenthaltsorte im Westen der heutige Gegner sind.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Einmal abgesehen davon, dass die Entwicklung z.B. beim Thema staatlicher Überwachung den einen oder anderen mit DDR-Sozialisation ins Grübeln über die Unterschiede zwischen früher und heute bringen könnte, so waren und sind die sozialistischen und kommunistischen Staaten keineswegs eine politisch, sozial und wirtschaftlich homogene Gruppe.

Es gibt dabei mindestens ein Land kommunistischer Prägung, dessen System sich als erstaunlich wandlungsfähig erwiesen hat: die Volksrepublik China. Vielleicht weniger, was die Entwicklung von Bürgerrechten und Menschenrechten anbelangt, aber selbst dort lohnt sich ein differenzierter Blick. So dürfen chinesische Bürgerinnen und Bürger zumindest ins westliche Ausland reisen und auch dort studieren.

Die Partei- und Staatsführung sieht sich selbst immer noch auf dem Weg zum Kommunismus, wenngleich das aktuelle Wirtschaftssystem von westlichen Beobachtern als „Kader-Kapitalismus“ eingestuft wird. Hohe Parteifunktionäre nutzen die Möglichkeiten mehr oder weniger freien Wirtschaftens für ihre persönliche Bereicherung, was allerdings auch zu erheblichem Wachstum insgesamt führt. Kein Vergleich mit dem System sozialistischen Wirtschaftens in der DDR und anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks.

China ist seit 2009 Exportweltmeister und ausgehend vom Bruttoinlandsprodukt heute Wirtschaftsmacht Nr. 2. Nach Prognosen der OECD wird China im Jahr 2016 darin auch noch die USA überholen.

Während die USA und andere westliche Staaten ihr Geld in Kriegen verpulvern, verfügt China über die weltgrößten Devisenreserven. Im Jahr 2009 waren dies über 2.000.000.000.000 (2 Billionen) US-Dollar. Auf den weiteren Plätzen fanden sich Japan, Russland und Taiwan. Dabei fällt auf, dass das militärische Engagement genau dieser Staaten in internationalen Konflikten ziemlich gering ausfällt.

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Joseph Stiglitz schätzte im Jahr 2009 die Kosten für den 2003 von den USA begonnenen Irakkrieg auf etwa 3 Billionen US-Dollar – ohne die Kosten für den Irak selbst!

Der Krieg kostete damit pro Monat das Doppelte dessen, was die USA jährlich an Entwicklungshilfe für Afrika bereitstellten. Offizielle Angaben zu diesen Kriegskosten liegen allerdings leider nicht vor. Man scheint in der US-Regierung weder in der Lage, noch bereit zu sein, diese Kosten zu beziffern.

Die Kosten für den Krieg und Einsatz in Afghanistan liegen bei jährlich 143 Milliarden US-Dollar, davon 100 Milliarden allein für die USA. (Quelle: Wikipedia)

Von Toten, Verwundeten und menschlichem Leid durch Verwüstung und Zerstörung von Wohnhäusern, Kulturgut usw. ganz zu schweigen. Gewinner dieser Kriege sind allein die Unternehmen, die Rüstungsgüter, private Söldner sowie weitere Technik und Material liefern – kurz gesagt, diejenigen, die immer wieder am Kaputtmachen und Wiederaufbauen verdienen und sich dabei auch den Zugriff auf vor Ort verfügbare Rohstoffe sichern.

Nun möchte es auch Frankreich mal wieder wissen, das sich ebenso wie Deutschland noch im Irak sehr zurückgehalten hat. Das Abenteuer Mali: einige Tausend Soldaten aus Frankreich. Dazu noch einige Tausend Soldaten aus Staaten in Westafrika. Man meint, dass das ausreicht, um die Probleme in einem Land mit 14.5 Millionen Einwohnern und 1.24 Millionen Quadratkilometer Fläche (3.5 mal so groß wie Deutschland) zu lösen. Frankreich – la Grand Nation – mit offensichtlich kleinem oder kaputtem Taschenrechner.

Natürlich geht es in Mali auch wieder um einen Kampf der Guten gegen die Bösen. Die Wahrheit sieht aber auch hier ganz anders aus. So gibt es jetzt nach ersten Erfolgen der vom Westen unterstützten Regierungstruppen erste Anzeichen für Kriegsverbrechen, die von eben diesen Truppen begangen werden.

China investiert derweil in gewinnbringende Projekte und Unternehmen. In Afrika, in den USA und auch in Europa. Womöglich ist es für den Erhalt der eigenen Ressourcen nicht so günstig, Kriege zu führen. Freilich engagiert sich auch China in Kriegen. Durch Export von Rüstungsmaterial. Ebenso wie die Länder des Westens. Das ist noch ein anderer Punkt.

Ein Beitrag von Dr. Falk Richter – http://www.falkrichter.de

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