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Hilfe! Wenn gute Scheine im Haushalt versumpfen

v d leyenKennen Sie diese Albträume, in denen man, in die Schulzeit zurückversetzt, panisch erkennt, dass man für die in fünf Minuten anstehende Prüfung noch mindestens zwei dicke Ordner durchwälzen sollte? Ein Gutes haben sie ja, diese nächtlichen Schweißtreiber, tragen sie doch in der Erwachsenen- und Berufswelt dazu bei, seine Hausaufgaben rechtzeitig zu machen. Also, wenigstens ab und zu, wenn man Willens ist, aus seinen Fehlern zu lernen.

Wem dies zu anstrengend und langweilig erscheint, wählt die Glücksrittervariante: Fünf vor zwölf noch alles an Information zusammenkratzen, um die letzten, sprich zählenden Referate doch noch so interessant für alle Zuhörer, zu gestalten, und damit das Klassenziel, wenn auch eher mangelhaft denn ausreichend, zu erreichen. Und mit ein bisschen Retusche und Schönschreiberei wird aus der Kladde des Versagens doch noch ein passabler Erfolgsnachweis. Hat dies einmal geklappt, und ist man mit gutem Gewissen nicht gerade üppig ausgestattet, wird dies Modell verfeinert und ausgefeilt, gerne auch im Kreise gleichgesinnter Partner. Bandenmäßig sozusagen. Oder als Regierungskoalition. Ist auch erfolgreicher.

Ein Einzelgänger allein hätte den Armutsbericht nicht dermaßen perfekt umschreiben können, nicht einmal Rösler, die Triebfeder, obwohl doch gerade bei ihm das Verhältnis subjektiv geschmierte Wahrheit zu Realitätssinn so überaus deutlich auseinanderdriftet. Wirtschaftlich für bestimmte Interessengruppen, katastrophal für Vereinigungen, die sich gerne „Volkspartei“ nennen möchten. Dafür gibt es bestimmte Definitionen, an deren Klarheit und Eindeutigkeit einfach nicht zu rütteln ist:

„Typ einer politischen Partei, die mit ihrem Programm nicht nur begrenzte Interessengruppen anspricht und deshalb Anhänger und Wähler in allen Bevölkerungsschichten hat“

Nachdem mit dem Betreuungszuckerl bereits an der, sagen wir mal, eher traditionellen Familienschicht gekratzt wurde, gilt es nun diejenigen einzusacken, die unter anderen, glücklicheren Umständen vielleicht sogar zu Hause bei den Kindern bleiben würden, es sich aber aus rein finanziellen Erwägungen gar nicht leisten können. Ihnen soll der Berufseinstieg erleichtert werden: Förderung von 15 Stunden haushaltsnaher Dienstleistungen à 6 Euro! „So schaffen wir Zeit für Familien und schaffen gleichzeitig Arbeitsplätze”, wird Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zitiert.

Die Tatsache, dass sie die Veröffentlichung ihrer entlarvenden Aussage nicht telefonisch unterband bzw. zensierte, unterstreicht noch ihre Weltfremdheit. Oder vielmehr ihre Einschätzung, für wie dumm sie die Wählerschaft verkaufen möchte: 3,5 Stunden pro Woche reichen gerade mal aus, um auf Minijobbasis Regale aufzufüllen oder Werbung auszutragen. Toller Wiedereinstieg in den Beruf! Und finanziell so überaus lukrativ! Damit sollten alle Existenzprobleme gelöst sein! Hilfsweise verdingt man sich selbst als Haushaltshilfe, für sechs Euro die Stunde, deutlich unter der schon lange geforderten und regierungsseitig immer wieder abgelehnten Mindestlohngrenze. Macht 21 Euro. Die kann man nun der eigenen Raumkosmetikerin zuschießen, bestenfalls kommt sie weitere 3 ½ Stunden pro Woche, schlimmstenfalls kündigt sie empört und nimmt einen gut bezahlten Vollzeitjob in einem Doppelverdienerhaushalt an, der diesen Gutschein gar nicht braucht, sich aber auch in diesem Falle gerne und regelmäßig von Schwarz-Gelb bedienen lässt. Geben und Nehmen in der Lobby. Da schließt sich der Kreis.

Das für Kinder so wichtige Familienleben auf der ungepolsterten Seite der Schere bleibt auch weiterhin dort auf der Strecke, wo annähernd fair bezahlte Jobs fehlen. Mit ihm das bisschen Haushalt sowieso. Während dessen holen sich hinter dem undurchdringlichen Staubvorhang, der zur rechten Zeit aufgewirbelt wurde, weitere 44 Milliarden Euro aus wenigen europäischen Ländern Brandblasen und wandern aus. Nein, nicht nach Griechenland, damit bringe ich immer noch herzliche Menschen in Verbindung und werde dies immer tun. Es geht vielmehr wieder einmal in den elitären Club betreuter Banken: Geschlossene Gesellschaft, Bevölkerung ausgeschlossen.

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