Sonntag , 11 Dezember 2016
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Hedgefond-Moloch BlackRock liebt US-Finanzminister Geithner

timothy geithnerHedgefond-Gigant BlackRock (3,6 Billionen Dollar) scheint hinter vielen Manövern der Finanzbranche zu stecken, aber nicht nur dort. Auch die US-Regierung hat regelmäßige Kontakte zur Finanz-Krake im Hintergrund. Im Tagebuch des US-Finanzministers Timothy Geithner zeigen sich zahlreiche Treffen mit dem BlackRock-Chef Larry Fink. BlackRocks Macht ist enorm, auch auf führende DAX-Firmen, und wird von unseren Mainstream-Medien weitgehend verschleiert. Auch beim Bankensturm auf die Euro-Zone mischt BlackRock vermutlich kräftig mit: Die Investment-Spezialisten „beraten“ angeblich die unter Druck gesetzten Regierungen in Athen, Madrid und Lissabon.

Die britische Financial Times fand anhand von Geithners Tagebuch heraus, dass er und Fink in den letzten 18 Monaten ca. 49 mal Kontakt hatten. Demnach sprachen sie etwa alle elf Tage miteinander, entweder auf Veranstaltungen oder sie telefonierten, meldet Geolitico. BlackRocks finanzielle Macht (mehr als 5% der Welt-Finanzgeschäfte gehen auf deren Konto) erlaubt CEO Larry Fink einen guten Zugang zum US-Finanzminister, wie es scheint. Aber Geithner war auch von 2003 bis 2009 Präsident der Federal Reserve Bank of New York (der wichtigsten Filiale der US-Fed). 2008 krachte Goldman Sachs-Konkurrent Lehmann zusammen, löste die Finanzkrise aus und Geithner stand vor der Aufgabe AIG zu retten. Bei AIG handelt es sich um einen Versicherer von Banken-Geldgeschäften, der leider nicht im Mindesten genügen Rücklagen angesammelt hatte, um die Risiken auch tragen zu können, für deren formale Bemäntelung er zuständig war. BlackRock war der New Yorker Fed in dieser Krisensituation nützlich, massenhaft toxische Subprime-Papiere verschwinden zu lassen, die bei der Rettungsaktion des AIG-Versicherungsriesen angefallen waren.

Auch bei der Rettung der pleitebedrohten Citigroup, so zitiert Geolitico die FinancialTimes weiter, konnte BlackRock im Dienste der New Yorker Fed tätig werden – und vermutlich kräftig absahnen. Die US-Finanzbehörden beauftragten BlackRock auch, die 2008 schon zu Beginn der Finanzkrise verstaatlichten Immobilien-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac zu kontrollieren – etwas seltsam, damit ausgerechnet einen Hedgefond zu befassen, wo Hedgefonds doch von der Finanzbranche gerade gegründet werden, um staatliche Kontrollen noch weiter auszuhebeln, als diese es im Deregulierungswahn schon ermöglicht hatten. Hedgefonds unterliegen bekanntlich nicht der Bankenaufsicht, sie für diese Zwecke einzuspannen ist abenteuerlich.

Doch BlackRocks (Motto: „So what do I do with my money?“) Umtriebe sind nicht auf die USA beschränkt, auch in Europa ist der Hedgefond-Moloch aktiv. Zum Jahreswechsel 2011/2012 kam Chef der Schweizer Notenbank, Philipp Hildebrand, wegen Insiderhandelsvorwürfen unter Druck. Es ging um einen Devisenkauf von 504.000 US-Dollar gegen Schweizer Franken, getätigt von seiner Frau Kashya Hildebrand im August 2011 über sein Konto im Vorfeld der Einführung eines Euro-Mindestkurses von 1.20 Schweizer Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank im September 2011. Hildebrand hatte von den schlauen Devisenspekulationen seiner Gattin natürlich nichts gewusst. Merkwürdig ist, dass nicht Frau Hildebrand, sondern ihr Gatte, der nunmehr geschasste Chef der Schweizer Notenbank einen neuen Job von BlackRock angeboten bekam. Am 14. 06.2012 gab BlackRock bekannt, Herrn Hildebrand einzustellen und wie der Zufall es will, fand die FinancialTimes bei ihren Tagebuch-Recherchen just an diesem Tag ein Telefonat von US-Finanzminister Geithner und Hildebrand. „Sie plauderten zehn Minuten“, schreibt die FT laut Geolitico, und schließt ihren Beitrag mit dem Satz: „Herr Geithner will sich nach der Wahl aus dem US-Finanzministerium zurückziehen.“ Ob dann wohl zufällig gerade wieder ein Sessel bei BlackRock frei wird? Aber die Finanzfäden des Billionen-Konzersn reichen überallhin – Geithner könnte auch bei Daimler landen.

BlackRock: Man sieht nur die Haifischflosse des Eisbergs

Der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock ist eine Firma, deren Finanzmacht von deutschen Mainstream-Medien herunter gespielt wird. ZEIT und Handelsblatt hatten 2011 ausführliche Artikel veröffentlicht, wonach BlackRock an den 30 DAX-Konzernen nur im einstelligen Bereich, meist zwischen vier und sieben Prozent, beteiligt sei.

Dies stimmt aber nur dann, so fand der Kollege Sebastian Kunze heraus, wenn man ausschließlich die Firma “BlackRock Inc.” betrachtet. Bei Einbeziehung größerer Teile des BlackRock-Netzwerks, wie etwa BlackRock Holdco 2 Inc., BlackRock Financial Management Inc., BlackRock Advisors Holdings Inc., BlackRock International Holdings Inc., BlackRock Jersey International Holdings L.P., BlackRock Group Limited, wird das wahre Ausmaß der Kontrolle deutlich.

Beispielsweise gab das Handelsblatt den Anteil von BlackRock an der Daimler AG zum 11.08.2011 mit 5,72% an. Das ist nur dann korrekt, wenn man ausschließlich die BlackRock Inc. einbezieht. In der Stimmrechtsmitteilung vom 18.08.2011 werden jedoch weitere BlackRock-Firmengenannt: Neben BlackRock Inc. mit 5,72% ist BlackRock Holdco 2 Inc. mit 5,55%, BlackRock Financial Management Inc. ebenfalls mit 5,55%, BlackRock Advisors Holdings Inc. mit 3,64%, BlackRock International Holdings Inc. mit 3,48% und BlackRock Jersey International Holdings L.P. mit ebenfalls 3,48% an der Daimler AG beteiligt. Summe: 27,42 Prozent. Somit erreicht die BlackRock-Gruppe die Sperrminorität mit aktienrechtlich weitreichenden Folgen: Bei wesentlichen Entscheidungen geht bei Daimler ohne BlackRock nichts mehr.

Ingesamt hat der TheIntelligence-Autor neun DAX-Schwergewichte auf BlackRock-Beteiligungen hin untersucht. Bei acht von neun liegt BlackRock im zweistelligen Bereich; nur bei der Telekom begnügte man sich mit 9,94%. Der BlackRock-Anteil liegt bei sechs der neun geprüften Konzerne oberhalb von 25%, bei zwei DAX-Unternehmen sogar über 30% (in Klammern das Datum der betreffenden Stimmrechtsmitteilung):

Allianz – 32,76 % (06.05.2010)
E.ON – 32,06 % (17.05.2010)
Bayer – 29,94 % (12.05.2010)
Deutsche Bank – 27,45 % (18.05.2010)
Daimler – 27,42 % (18.08.2011)
BASF – 25,30 % (09.12.2009)
Siemens – 15,65 % (25.08.2011)
SAP – 11,94 % (09.08.2011)
Telekom – 9,94 % (01.12.2009)

Es handelt sich nur um eine Momentaufnahme, die Sebastian Kunze hier präsentierte. Um nachzurecherchieren kann man auf der Webseite www.dgap.de den Namen einer Firma eingeben, um unter „Aktuelle Mitteilungen“ die „DGAP-Stimmrechtsanteile“ zu erfahren.

BlackRock und das Gold von Athen

Da BlackRock auch beim Bankensturm auf die Euro-Zone vermutlich kräftig mitmischt, ist schon zu vermuten, zu wessen Gunsten das aktuelle Euro-Schuldenkrisen-Management schließlich ausgehen wird: BlackRocks Investment-Spezialisten „beraten“ angeblich die unter Druck gesetzten Regierungen in Athen, Madrid und Lissabon, deren Finanzprobleme im Rahmen einer Spekulation gegen den Euro entstanden sein dürften.

Für Athen kam jüngst ein weiterer möglicher Grund ans Licht: Gold. Konzerne hatten Milliarden Dollars in die Aubeutung von Bodenschätzen investiert, waren aber an griechischen Behörden gescheitert, die Genehmigungen annullierten und sich wohl – entgegen der deutschen Medienhetze gegen angeblich korrupte Griechen- auch nicht bestechen ließen. Ökologie geht vor Ökonomie? Wo gibt’s denn heute noch so etwas? Zumal wenn es um GOLD geht?

Athens Schutz für Natur- und Kulturschätze war den Finanzmogulen sicherlich ein Dorn im Auge. Allein die griechische Lebensphilosophie muss angelsächische und andere Geld-Elitäre zur Weißglut getrieben haben. Eine Lebenseinstellung, die in der Tugend eines „guten Lebens“ ihr Ziel sieht und sich nicht von der Aussicht auf Gold und Milliardengewinne in närrische Raserei der Habgier stürzen lässt. So schmiedeten vielleicht, von Neid und rachelüsterner Besitzgier getrieben, Finanzbonzen den Euro-Vernichtungsplan zuallererst zulasten Athens. Und nun kommt BlackRock und bietet scheinheilig seine Hilfe an?

Ob derartige „Hilfeleistungen“, die weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, den betroffenen Staaten, geschweige denn den Völkern, helfen werden, ist höchst zweifelhaft. Eher dürften die Machtstrukturen der Netzwerke der Superreichen damit noch dichter und enger um uns geschnürt werden. Wer sich um Aufklärung über ihre Machenschaften bemüht, wie Wikileaks z.B. im Schweizer Banken-Skandal um J. Bär, wird von korrupten Medien wie Staatsgewalt gnadenlos gejagt. Die Dunkelmänner installieren mit Hilfe ihrer Ideologen und Technokraten eine angeblich subjektlose Herrschaftsmaschine, um sich vor der Verantwortung für ihre Verbrechen zu drücken.

Solange korrupte Politik unter der medialen Deckung korrupter Journalisten mit korrupten Firmen im Dunkeln ihre Geschäfte macht, sind wir von wirklichen Lösungsansätzen zur Finanzkrise noch weit entfernt. Solange leben wir weiter in der Postdemokratie, der Mediendiktatur von Finanzmafia, Lobby und TV-Theater. Freie Wahlen sind nutzlos ohne freie Berichterstattung über solche Zusammenhänge, Demokratie würde zuerst einmal neue Medien erfordern, die über BlackRock und Goldman berichten und nicht über Girls und Gauck, über Merkel und Madonna.

Gerd R. Rueger blogt auf http://jasminrevolution.wordpress.com

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