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Bilderberg-Treffen: Die Fakten

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barbed wireWenn immer sich einflussreiche Menschen hinter verschlossenen Türen zusammenfinden, führt dies zu Misstrauen. Sind demokratisch gewählte Politiker darüber hinaus noch als „Privatpersonen“ anwesend, ist die Presse geladen, ohne jemals darüber zu berichten, intensiviert dies gewiss den Anlass zum Hinterfragen. Zwar wurden auch dieses Jahr die Namen der Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz Interessierten zugänglich gemacht und die Themenpunkte grob umrissen, doch was genau im Westfields Marriott Hotel in Chantilly, nahe Washington, besprochen wurde, bleibt für Außenstehende ein Geheimnis. Die internationale Presse hüllt sich in Schweigen. Allein schon diese Geheimhaltung sollte eine Welle der Empörung nach sich ziehen.

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Ich glaube, es braucht nicht wiederholt zu werden, dass das Bilderberg-Treffen, benannt nach dem ersten Austragungsort, dem „Hotel de Bilderberg“ in den Niederlanden, seit dem Jahr 1954 regelmäßig stattfindet. Zwar finden sich im Internet unzählige Erwähnungen dieser bereits legendären Geheimtreffen, doch können wir davon ausgehen, dass die überwiegende Mehrheit der Bürger demokratischer Länder diesen Begriff bis heute noch nicht wahrgenommen hat.

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Der Mangel an verlässlicher Information bezüglich des Anlasses der jährlich stattfindenden Geheimkonferenzen lädt natürlich zu allen möglichen Spekulationen ein. So sehr viele davon mit Vorsicht zu genießen sind, widersprechen derartige Zusammenkünfte nicht den Grundprinzipien einer demokratischen Gesellschaft? Trotzdem werden alle Berichte und Analysen bezüglich der Bilderberger-Treffen nur all zu gerne als „Verschwörungstheorien“ betitelt.

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Zum Begriff „Verschwörung“ findet sich bei Wikipedia folgende Erläuterung:

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Eine Verschwörung (Lehnübersetzung von lat. coniuratio; auch: Konspiration) ist eine heimliche Verbündung mit dem Zweck, einen Plan auszuführen, der ein selbstsüchtiges, verwerfliches Ziel verfolgt und dessen Umsetzung zum Schaden anderer geschieht oder der die Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände anstrebt. Eine Verschwörung beruht also nicht immer auf niederen Motiven, sie basiert jedoch stets auf Täuschung.

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Nun, wenn die offizielle Rechtfertigung für die strenge Geheimhaltung lautet, dass die Anwesenden „frank und frei“ ihre persönliche Meinung kundtun können, dann liegt der Verdacht auf „Täuschung“ nahe. Zu welchem Zweck? Um „tatsächliche oder vermeintliche Missstände“ zu beseitigen? In welchen Bereichen haben Bilderberg-Konferenzen jemals dem Gemeinwohl gedient? Seit 58 Jahren finden sich Persönlichkeiten höchster Ränge, aus Politik und Adel, Wirtschaft, Geldwesen und auch aus dem Bereich der Medien ein, und kein einziges Mal wurde – auch nicht im Nachhinein – eine öffentliche Stellungnahme darüber abgegeben, was genau diskutiert oder gar beschlossen wurde. Ist die Vermutung, dass es um die „Ausführung eines Planes“ geht, um „selbstsüchtige“ oder gar „verwerfliche“ Ziele, wirklich so abwegig?

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Ich fürchte, der Schluss liegt nahe, dass es sich hier tatsächlich um eine Verschwörung handelt. Und wie weit reicht diese?

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In unseren demokratischen Ländern sind wir stolz auf die Pressefreiheit. Hunderte von Zeitungen und Rundfunkstationen bieten tagtäglich ein breites Spektrum an Informationen. Dass sich dabei eine sonderbare Einheitlichkeit abzeichnet, ließe sich noch dadurch erklären, dass sich alle zusammen uniform an verfügbare Fakten halten. Doch wie lässt sich erklären, dass Ereignisse, die durchaus auf öffentliches Interesse stoßen müssten, mit derselben Einigkeit ohne Erwähnung bleiben? Dass absolut kein Journalist, der für die Massenmedien tätig ist, weder durch Hinweise noch durch eigene Recherchen oder durch Zufall auf das Thema der Bilderberg-Konferenz stößt, lässt sich mit Gewissheit ausschließen. Läuft nun ein Reporter voller Begeisterung zum Chefredakteur und unterrichtet ihn von der Top-Story, die er gerade geschrieben hat, aus welchem Grunde würde dieser die Veröffentlichung unterbinden? Würde ein Exklusivbericht über die Bilderberger als „unlauterer Konkurrenzvorteil“ zu bewerten sein? Wohl kaum.

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Die Mitglieder der Bilderberg-Gruppe – oder deren Hintermänner – verfolgen also nicht nur ein Ziel, das sie unter allen Umständen vor der Öffentlichkeit zu verbergen versuchen, sie verfügen gleichzeitig auch über genügend Einfluss auf die internationalen Medien, um eine nennenswerte Berichterstattung zu unterbinden. Bei dieser Annahme handelt es sich um keine „Verschwörungstheorie“, sondern um eine gegebene Tatsache.

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Darüber hinaus finden sich in der elitären Runde aber auch noch Politiker demokratischer Staaten ein. Aus Deutschland dieses Jahr Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Aus Österreich reiste der Bundeskanzler Werner Faymann persönlich an. Im Vorjahr fand sich Peer Steinbrück (SPD) auf der Liste und im Jahr davor Olaf Scholz (SPD). Zuzüglich einer ganzen Menge Politiker aus anderen Ländern. Reicht die Behauptung, dass es sich um „private Besuche“ handelt, wirklich als Erklärung für die Öffentlichkeit aus?

Dazu kommt die Frage, warum ein Herr Trittin oder ein Herr Faymann als Privatpersonen von solchem Interesse für die internationale Finanzlobby sein sollten. Der nächsten Überlegung, wie weit das Recht eines Politikers auf seine Privatsphäre reicht, würde ich zwar nicht all zu viel Bedeutung zumessen, doch – um ein etwas erheiterndes Beispiel herzunehmen – was Billy Clinton mit der jungen Monika seinerzeit ganz privat angestellt hat, hätte das öffentliche Interesse eigentlich wesentlich weniger bewegen sollen. Doch hierbei – und in so vielen anderen Fällen – ließen die Medien nicht locker. Warum wird das Thema der Bilderberg-Konferenzen seit 58 Jahren von denselben Medien so überaus diskret behandelt?

Wir wissen nicht, was die vergangenen drei Tage im Westfiels Marriott Hotel besprochen wurde. Wir werden es vermutlich auch niemals erfahren. Doch die Teilnahme von Politikern und Medienrepräsentanten wie Matthias Nass (Die Zeit) und Oscar Bronner (Der Standard) bei gleichzeitigem Stillschweigen in praktisch der gesamten Presse, erachte ich als Anlass zu größter Besorgnis. Sorge darum, ob in demokratischen Ländern wirklich das Wohlergehen der Völker im Vordergrund steht. Sorge darüber, wie Wähler sich ein Urteil bilden sollen, wenn ihnen wesentliche Ereignisse und Entwicklungen verschwiegen werden. Und ganz besonders erfüllt es mich mit Sorge, dass so viele Menschen diesen verlogenen Massenmedien mittlerweile derart hörig sind, dass selbst das Aufdecken solcher geheimen Zusammenkünfte keine nennenswerten Reaktionen nach sich zieht. „Wenn’s weder bei Bild noch bei Spiegel steht, dann kann’s ja wohl nicht so wichtig sein!“

Sollte sich der letztgenannte Umstand nicht wirklich sehr rasch ändern, so wird das, was wir heute noch als Demokratie bezeichnen, in naher Zukunft gänzlich verschwinden. Die desinteressierte Masse mag es vielleicht auch nicht besser verdienen. Die engagierte Minderheit zählt zu den wirklich Leidtragenden. Doch, wie schon in der früheren Geschichte, im Nachhinein kann man sich ja immer noch empört geben und erklären, dass man von all den Vorgängen ja eigentlich gar nichts gewusst hätte.

Es heißt, wir leben im Informationszeitalter. Doch was nützen all die verfügbaren Informationen, wenn sie nicht genützt werden? Es kann nicht oft genug wiederholt werden, dass Demokratie nur dann funktionieren kann, wenn die Öffentlichkeit auch Interesse an politischen Vorgängen zeigt. Und wirtschaftliche Entwicklungen fallen ebenso in den Bereich Politik wie das Geldwesen. Wenn es nämlich nicht die Politik ist, von der die Wirtschaft gesteuert wird, dann ist es genau umgekehrt. Und was soll dieser Begriff „Demokratie“ dann überhaupt noch bedeuten, wenn alle wesentlichen Entscheidungen auf einer Ebene getroffen werden, die sich jenseits jeglicher Einflussnahme durch die Bürger befindet?

Über Konrad Hausener