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Afghanistan – Mehr Fragen als Antworten

obama salutiertErgeben die von Obama angeführten Begründungen zur Verlängerung des Afghanistan Krieges einen Sinn? Präsident Obama hat seit dem Beginn seiner Präsidentschaft zwei Meinungen bezüglich der Marschrichtung in Afghanistan an den Tag gelegt. Im Dezember 2009, auf dem Weg die US-Militärpräsenz zu verdreifachen erklärte er, dass US-Streitkräfte in den nächsten 18 Monaten damit beginnen würden, sich aus dem Land zurückzuziehen. Jetzt, zweieinhalb Jahre später erklärte er, dass die US-Truppen sich zwar weiterhin aus Afghanistan zurückziehen jedoch auch, dass US-Soldaten bis mindestens 2024 in dem Land bleiben werden.

Die Ankündigung des US-afghanischen “Abkommens über strategische Partnerschaft” wirft mindestens so viele Fragen auf, wie sie beantwortet. Wie viele US-Truppen werden im Land nach 2014 bleiben und was genau wird ihre Aufgabe sein? Welche Rolle spielen dabei die afghanische Armee und Polizei? Wie viel wird das alles kosten, und wie hoch wird der US-Anteil sein? Wo ist die Grenze des US-Engagement in Afghanistan wenn, wie es durchaus möglich ist, die US-afghanischen Bemühungen nicht ausreichen die Gewalt der Taliban, die Bereitstellung von Taliban-Rückzugsgebieten auf pakistanischer Seite sowie die Korruption in Afghanistan selbst, einzudämmen?

Die wichtigere Frage nach der Rede des Präsidenten ist nicht die, ob einige US-Truppen in Afghanistan bleiben – die US-Streitkräfte sind weltweit an allen strategisch wichtigen Punkten für Jahrzehnte geblieben und haben eine nutzbringende Rolle gespielt – sondern sie konzentriert sich auf den Zweck und Umfang des gesamten Engagements an sich.

Warum sind sie also immer noch da?

Herr Obama brachte zwei Begründungen. Die erste ist, dass ohne diesen Aufwand, ” sich al-Qaeda innerhalb des Landes noch einmal etablieren könnte”. Das ist natürlich wahr. Aber sie könnten sich in Afghanistan auch mit diesem Aufwand neu formieren. Wichtiger ist, und dies ist nicht deutlich erkennbar, wie dieses Engagement Afghanistan von sagen wir dem Jemen, Somalia oder Nigeria unterscheidet. Die weltweiten Bemühungen gegen den Terror sind einfach nur global und es gibt absolut keinen Grund, warum dies in Afghanistan bevorzugt geschehen soll. Es ist nicht das zentrale Schlachtfeld im Kampf gegen einen Feind, der in Dutzenden von Ländern beheimatet ist.

All das führt uns zur zweiten politischen Ankündigung: “Die Arbeit, die wir in Afghanistan angefangen haben abzuschließen und diesen Krieg verantwortungsvoll zu beenden.”

Aber die Opfer der Vergangenheit sind eine armselige Rechtfertigung für weitere Opfer. Die Wahrheit ist, dass die USA eigene Interessen in Afghanistan verfolgen und keine von diesen, außer die gegnerische al-Qaeda, von essentieller Bedeutung sind. Und dieses Interesse kann mit einem bescheidenen Einsatz von Militär und Dollars aufrecht erhalten werden.

Quelle: ALJAZEERA

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