Atomkraft versus Menschenverstand
Während sich die Jecken letzte Woche auf den Höhepunkt der Saison einstimmten, mussten die Zukunftsaussichten der Menschheit einen weiteren Tiefschlag einstecken: Aus Polen kam er diesmal, der Schlag. Wobei der Schlag unterhalb der Gürtellinie nicht einmal der feste Glaube des polnischen Regierungschefs Donald Tusk an die Atomkraft an sich ist. Auch andere Länder wie beispielsweise die Türkei und Frankreich halten auch ein knappes Jahr nach der Katastrophe in Fukushima und Tatsachenberichten über die verheerenden Auswirkungen an den „alternativlosen“ Aufbauplänen fest. In Litauen denkt man sogar über eine erneute Inbetriebnahme des maroden AKW Ignalina nach, nachdem die Rückbaukosten zu explodieren drohen. Dabei war die Abschaltung eben dieses Meilers und weiterer in Bulgarien und der Slowakei, u.a. Voraussetzung für den EU-Beitritt dieser Länder, zur Unterstützung flossen bereits knapp 3 Milliarden Euro.
Solche Meldungen, wenn sie überhaupt eine Schlagzeile wert sind, erreichen noch viel zu selten unser Bewusstsein. Der eigentliche Tiefschlag traf diesmal Bürger der Ortschaft Gaski, die sich des Irrsinns bewusst wurden, auf Mitsprache pochten und sich in einem Referendum mehrheitlich gegen den geplanten AKW-Neubau in ihrer Gemeinde aussprachen:
Bei der Volksabstimmung über den AKW-Neubau an der Ostseeküste sprach sich eine große Mehrheit gegen den geplanten Kernkraftwerksbau in ihrer Region aus. 4.100 wahlberechtigte Bürger waren zur Stimmabgabe aufgerufen worden, 2366 nahmen am Referendum teil. Auf die Frage "Soll in Mielno ein Atomkraftwerk gebaut werden?" stimmten 2.237 Bürger mit nein und 125 mit ja, vier Stimmen waren ungültig. (Quelle: heise.de)
Dieses Referendum wird regierungsseitig lediglich als „eine Art Empfehlung“ gesehen und ist rechtlich nicht bindend. Die Standortfrage wird wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen der Regierung und der Betreibergesellschaft geklärt. Für die Bedenken der wachsamen Kritiker sei laut Betreiberfirma PGE lediglich "Desinformation" der Bürger verantwortlich.
Was muss noch alles geschehen, um die Augen wenigstens auf kritische Spaltbreite zu öffnen? Die Mär von der sicheren Stromversorgung wurde bereits als solche entlarvt. Immerhin belieferte Deutschland zu Zeiten, in denen der Stromkollaps auf Grund von widrigen Witterungsverhältnissen (vergeblich) angedroht wurde, ausgerechnet Frankreich, das Mekka der Lobbyisten schlechthin, mit Strom.
Vielleicht trägt ja der Blogeintrag auf FUKUSHIMA DIARY dazu bei: Demnach ist Tokio so stark kontaminiert wie die „off-limits-zone“ in Tschernobyl. Und im Fachmagazin 'Solid Earth'. (doi:10.5194/sed-3-1021-2011) ist nachzulesen, dass auf Grund aktiver Verwerfungen unter Fukushima in nächster Zeit mit weiteren starken Beben zu rechnen ist.





