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„Alles im Griff in Fukushima“ – Die Volksverdummung geht weiter

geisterstadt_japanGäbe es ein Ranking für die momentan offensichtlichste Volksverdummung, stünde Japans Regierung mit ihrer Erklärung „Das havarierte Kernkraftwerk Daiichi ist sicher“ zumindest heute auf Platz eins. Erst zwei Tage zuvor mahnte Japans Ex-Premier Yukio Hatoyama an, TEPCO doch endlich unter staatliche Kontrolle zu stellen. Er begründete seine Forderung mit der Tatsache, dass Untersuchungen massiv behindert wurden.

Seit dem 24. März 2011 leitet Hatoyama das „B-Team“, eine unabhängige Kommission, die den GAU in der Atomanlage untersuchen soll. „Die bisherige Arbeit der B-Team-Untersuchungskommission hätte gezeigt, dass "zentrales Beweismaterial unvollständig geblieben ist". Der Politiker und sein Teamkollege Tomoyuki Taira machen dafür auch TEPCO verantwortlich. Der AKW-Betreiber hätte nicht nur verwirrende Angaben gemacht, sondern auch Untersuchungen behindert. Als Beispiel nennen die Beiden ihren Versuch, die Dienstanweisungen und Handbücher der Anlage zu bekommen. Erst nach einem Monat hätte TEPCO diese im September vorgelegt, allerdings mit geschwärzten Passagen über Temperaturangaben und Notfallmaßnahmen. TEPCO habe diese Textteile als geistiges Eigentum bezeichnet und Sicherheitsbedenken geäußert. Erst nach weiterem Drängen habe der Konzern die Handbücher unbearbeitet übergeben – sechs Monate nach dem Erdbeben.

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Dies ist nur ein Auszug aus einem Bericht, der Zeit online zufolge im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht wurde.

"Selbst die beunruhigendsten Fakten sollten an die Öffentlichkeit", fordern Hatoyama und Taira nun. Dies könne nur geschehen, wenn die Regierung die Aufsicht von Fukushima-Daiichi übernehme. Dies sei unausweichlich, schließlich sei der Staat verpflichtet, die Katastrophe zu untersuchen und Entschädigungen zu zahlen.“

Neben ihrer Forderung nach Transparenz und einer besseren Notfallplanung mahnen sie die Verantwortlichen, stets vom Worst-Case-Szenario auszugehen. Dieser Appell ist direkt an die weltweite Wissenschaftlergemeinde gerichtet. Wie dringend und richtig dieser Appell ist, zeigt nicht nur ihre Einschätzung: Mehr als neun Monate nach dem 11. März sind die Verantwortlichen von TEPCO noch weit davon entfernt, einen stabilen Kühlkreislauf für die Kernschmelzen und die übrigen Brennelemente zu installieren. Auch das Problem der Zigtausend Tonnen an radioaktiv belastetem Wasser ist noch ungelöst. Oder besser gesagt: Es wird buchstäblich gelöst: Verdünnt in den Weiten des Ozeans, DASS diese Meldung kam, war nicht überraschend, lediglich der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser nicht gänzlich zu vertuschenden Tatsache dürfte den ein oder anderen Wetter reich beschenkt haben.

Die neueste Mitteilung der japanischen Regierung wirft allerdings gewaltige Zweifel an ihrem Willen auf, überhaupt im Sinne ihrer Bevölkerung, ja der gesamten Weltbevölkerung handeln zu wollen. Und sie untermauert meine Einschätzung, wie bei zukünftigen Zwischenfällen bzw. Havarien in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten gehandelt oder eben nicht gehandelt wird. TEPCO ist überall, die Moral der AKW- Lobbyisten ähnlich vom Gewinnstreben überrollt. Und sie sitzen global fest im Sattel. Wie sonst lässt sich erklären, dass solcher Irrsinn nicht mal einen Brennpunkt wert sind? Dabei ist es keineswegs meine Absicht, auf den Medien an sich oder auf Kollegen der schreibenden Zunft rumzuhacken. Im Gegenteil. Ich habe Respekt vor den zahllosen Namenlosen, deren Artikel auf dem Weg vom engagierten Lokalredakteur über den überregionalen Schreibtisch hin zur Veröffentlichung durch einen der wenigen noch vorhandenen Verlage der Angst um den Arbeitsplatz bzw. den zwingenden Vorgaben der sich am längeren Hebel befindlichen Geldgeber zum Opfer fielen.

Wer an dieser Stelle die Schulter zuckt und meint „hätte der Schreiberling halt mehr Eier in der Hose“, sollte dies nur tun, wen er selbst aktiv raus geht und lautstark, aber immer friedlich, gegen diesen und anderen Irrsinn andemonstriert. Auch unser Konsumverhalten – von der Wahl der Sendeformate bis hin zum Einkauf am Zeitungskiosk, kann aktiv zu mehr Transparenz beitragen. Vielleicht ziert dann irgendwann ein solches Ranking die Titelseiten. Dazu bedarf es nur eines klitzekleinen Griffs an die eigene Nase.


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