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Wenn Hoffnung in Trümmern liegt – Das Entsorgungsproblem nach dem Tsunami

fukushima_truemmerBeim Stichwort Tsunami erstrahlen zunächst einmal Bilder von zerstörten Reaktoren vor dem geistigen Auge. Dabei vergisst man leicht, dass sich noch andere giftige Rückstände zu einem Tonnen großen Problemberg aufstauen. Am Beispiel des Küstenstädtchens Watari zeigt ZDF Umwelt auf, wie aussichtslos der Kampf der Japaner gegen Zeit und Kontaminierung zu sein scheint. Innerhalb weniger Minuten wurde über die Hälfte des einst 35.000 Einwohner zählenden Ortes Watari weggeschwemmt. Den Trümmerhaufen, den der Tsunami zurückließ, schätzt ein Sprecher der Stadtverwaltung auf 1,2 Millionen Tonnen. Soviel Müll könne Watari in hundert Jahren nicht produzieren.

Seither schaufeln Bagger Tag für Tag haushohe Halden an Schutt, Metall, Plastik und Holz zusammen, die Kosten zur Müllbeseitigung werden allein für Watari auf 350 Millionen € geschätzt. Abfallbeseitigungsunternehmen gehen wohl als Gewinner aus der Katastrophe hervor, auf der Verliererseite findet man die Arbeiter vor Ort. Sie sind sich der Gefahr für ihre Gesundheit nicht bewusst, der sie ausgesetzt sind, da wird auf Grund der Hitze der vorgeschriebene Mundschutz eben weggelassen. Sie stehen mit ihrem Schicksal nicht alleine auf dieser Seite.

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Laut dem Japan Research Institute wurden durch die Wucht der zerstörerischen Kräfte nicht nur Umweltgifte wie PCB, Dioxin und Asbest freigesetzt, sondern dazu noch gefährliche medizinische Abfälle aus zerstörten Krankenhäusern und durch Verwesung entstehende Schadstoffe. Überlebende, die so schnell als möglich nach Watari zurückkehrten, um zu retten, was nicht mehr zu retten war, atmeten in großen Mengen entsprechend vergiftete Staubpartikel ein bzw. kamen damit in Berührung. Schon jetzt zeigen sich die Folgen in den Auffanglagern: Lungenerkrankungen häufen sich, Blutvergiftungen sind an der Tagesordnung. An die Langzeitfolgen mag jetzt noch keiner so recht denken.

Ein weiteres gravierendes Problem ist die sichere Lagerung radioaktiv verseuchten und anderen Sondermülls. Diese soll an ausgewiesenen Stellen erfolgen, zuständig hierfür seien erst einmal die lokalen Behörden, so ein Sprecher des japanischen Umweltministeriums. Was langfristig mit den Halden geschehe, sei jedoch noch nicht entschieden.

Am Beispiel Wataris wird ersichtlich, was auch anderswo unter sicherer Lagerung verstanden wird. Die Trümmer sind unter freiem Himmel der Witterung ausgesetzt, kontaminierte Staubpartikel, Erde sowie Wasser verteilen sich sehr schnell über große Flächen. Das Problem sollte in spätestens zwei Jahren unter Kontrolle gebracht werden, sorgen sich Kritiker. Die Reaktionen aus dem Umweltministerium zeigt jedoch wieder einmal die Plan- und Hilflosigkeit der verantwortlichen Politiker. Für die Beseitigung der auf insgesamt 200 Millionen Tonnen geschätzten Trümmer – das Erdbeben von Kobe 1995 hinterließ 15 Millionen Tonnen – wurden zwar 3,2 Milliarden € zur Verfügung gestellt. Es soll auch ein Dreijahresfahrplan aufgestellt worden sein. Die Stadtverwaltungen vor Ort warten jedoch bis heute auf konkrete Unterstützung. Und die Beseitigung des radioaktiven Mülls ist in diesen Regierungsberechnungen noch gar nicht berücksichtigt.


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