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Über 80 Prozent der Deutschen fürchten um den Euro

7_tage_1_meinung_logoDie Euro-Krise kommt langsam in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger an. Laut einer aktuellen Umfrage des ZDF-Politbarometers fürchten 86 Prozent der Deutschen um die Stabilität des Euro. Es ist derzeit das wichtigste Thema für die Bürger. 53 Prozent sind unzufrieden mit dem Krisenmanagement der EU. 58 Prozent sind gegen weitere Griechenlandhilfen. 68 Prozent sehen die Finanzprobleme Italiens als große Gefahr für den Euro. Verwunderlich ist allerdings, dass anscheinend dann 47 Prozent mit dem Krisenmanagement der EU mehr oder weniger zufrieden sind. Eine merkwürdige Bewusstseinsspaltung, wenn man die sonstigen Umfrageergebnisse auf sich wirken lässt. Zumindest steht nun die Euro-Krise klar im Zentrum des öffentlichen Interesses. Die hohe Politik hat sich beim ganzen Euro-Thema so sehr in die Sackgasse manövriert, dass nur noch der Druck von unten Bewegung in die Sache bringen kann.

Aber woher soll dieser Druck kommen? Die kritische Mitte der Gesellschaft ist unorganisiert, die etablierten Parteien negieren immer noch den Problemdruck und flüchten sich in Beschwichtigungsformeln. Hier und da keimt die Hoffnung, dass vielleicht irgendwie aus dem Internet das Heil entsprießen könnte. Revolution per Mausklick, am besten vom heimischen Sofa aus, das käme der deutschen Mentalität wohl am nächsten. Doch daraus wird nichts. Das Internet eignet sich gut zum Verbreiten von Nachrichten, kann aber persönliche Netzwerke nicht ersetzen. Wer seinen Glauben auf die radikalen Kräfte setzt, der wird enttäuscht. Die Linke verschläft die Euro-Krise und die selbsternannten Retter des Vaterlandes auf der Rechten sind ein überalterter Haufen ewiggestriger Schwadroneure, die nichts zuwege bringen als ein paar Saufrunden. Die gerade bekannt gewordenen internen Papiere der Deutschen Burschenschaft sprechen für sich.

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Nein, es gibt keine andere Möglichkeit, als dass der Widerstand Stück für Stück von unten organisiert wird. Es braucht Leute, die klar die Verantwortung übernehmen und in ihren Heimatorten, mögen sie auch noch so klein sein, die Menschen sammeln und persönliche Netzwerke bilden. Die Mitte der Gesellschaft muss aktiv werden, um die Demokratie und den finanziellen Bestand der Republik zu retten. Dabei gibt es keine schnellen und einfachen Lösungen und auch keine raschen Erfolge, notwendig ist eine grundlegende Aufbauarbeit mit langem Atem. Wer das schnelle Heil predigt, der lügt. Im Grunde geht es um die demokratische Selbstermächtigung der Bürger. Im Idealfall könnte die Euro-Krise sogar die Demokratie und die Volksrechte in unserem Land stärken. Wider die Schwarzmaler, die nur alles kaputt reden und damit zu Lähmung der Menschen beitragen.

Die Schuldenkrise der USA dominiert ebenfalls die Schlagzeilen. Bei den ganzen dramatischen Verhandlungen in Washington dreht es sich allerdings gar nicht darum, zu sparen, sondern nur die Schuldengrenze zu erhöhen. Niemand in den USA will sparen. Die Europäer hingegen werden von Präsident Obama an den Pranger gestellt, weil sie zu viele Schulden hätten und dringend sparen müssten. „Haltet den Dieb“ kann man da nur noch sagen. Die USA sind inzwischen weitgehend deindustrialisiert, die Wirtschaft liegt am Boden und bei der schwarzen Bevölkerung gibt es, trotz Obama, mit 21 Prozent eine Arbeitslosenrate wie seit der großen Depression in den 30er Jahren nicht mehr. Besonders kurios: Wenn es den US-Politikern gelingt, die Schuldenobergrenze wieder zu erhöhen, dann bekommen die USA wieder Bestnoten von den Ratingagenturen. Bestnoten für mehr Schulden. Ein Widersinn sondergleichen, aber heute ist ja nichts mehr unmöglich.

Ein Kommentar von Christian Weilmeier


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