Zwischen den Polen
Nachdem nun hinreichend des Staates Präsidentschaft geklärt ist und damit auch wieder Vertrauen in die Macht und Stärke des Parteiengeklüngels vorliegt - obwohl die Präsidentschaftswahl nach Gewissen und überparteilich erfolgt, oder? - besteht die Gefahr, dass wieder nur die drängenden Tagesprobleme, je nach Kassenlage, im Grabenkampf angegangen werden und eine visionäre Vergewisserung, was eigentlich bezweckt wird, schlicht unterbleibt.
Grundsätzlich bleibt, für alles braucht man Geld. Über die Vorstellungen, wie man es auftreibt, wird gestritten. Was eine gute Sache ist. Allein, bei diesem Dauergezetere wird oft völlig aus den Augen verloren, wofür man es eigentlich braucht. Geld braucht man schließlich immer.
Mit dem „Sparpaket“ hat die amtierende Regierung ein Konzept vorgelegt, welches sie eigentlich nicht zu diskutieren wünscht. Aber Wünsche gehen eben nicht immer in Erfüllung.
Ein Hauptvorwurf, der auch aus den eigenen Reihen kommt, ist die Ungleichbelastung von armen, reichen und auch allerreichsten Bevölkerungsgruppen. Zur Erinnerung: in Deutschland verfügen die reichsten 10 Prozent der Gesellschaft über 60% Prozent des Gesamtvermögens. Unter dem Verdacht bisheriger Schonung sollen diese nun ihren angemessenen Beitrag leisten und allerorten wird auch die Bereitschaft dazu signalisiert. Zweifellos wünschenswert, was immer auch angemessen ist, es darf gern auch mehr sein.
Nur geistern so Schlagworte von „Vermögenssteuer“ und „Reichensteuer“ herum. Das ist der falsche Weg! Mich selber würde dies sicher niemals treffen, aber prinzipiell bin ich strikt dagegen.
Jedwede Steuer auf Vermögen und Besitz ist legalisierter Diebstahl!
Wie auch immer Besitz und Reichtum zusammengerafft wurden, ob legal oder durch Verbrechen, kann nicht geläutert werden, durch einen steuerlichen Substanzverzehr! Dann müsste die Rechtmäßigkeit des Vermögens, dessen Erwerb, geprüft werden. Meinethalben kann der Ertrag dieser Vermögen bis zur Unerträglichkeit besteuert werden, aber eine Abgabe auf den bloßen Besitz zu erheben, ist Diebstahl. Und stellt zudem ein Grundmotiv menschlichen Handelns in die Schmuddelecke der Unwürdigkeit.
Als weiland Jäger und Sammler sich abendlich ans Feuer setzten, wurde der Lohn für schrunde Finger und müde Knochen verspeist. Erst der Verzicht auf Konsum schaffte die Rücklage für Ackerbau und Viehzucht. Konsumverzicht zu bestrafen und zu besteuern ist ziemlich irre. Verschwenden wir lieber alles gleich.
Und machen wir uns nichts vor, alles was wir Luxus, Erbe, Tradition und Kultur nennen, alles Bewahrenswerte aus der Vergangenheit hat seine Entstehungswurzeln im Extra eines angesammelten Vermögens, Artefakte von gebrauchten Holzlöffeln mal ausgenommen.
Wie viele arme Reiche oder reiche Arme gibt es denn? Da wird über Generationen der Familienschmuck bewahrt und lieber gehungert, als diesen zu verkaufen.
Da ist mein Nachbar mit jenem handsignierten Blatt, welches sein Urgroßvater von van Gogh geschenkt bekam. Hätte er immer verkaufen können, hat er aber nicht. Hat lieber gedarbt. Jetzt spart er ganz verbissen jeden Cent und hungert immer weiter, trotz seines auskömmlichen Einkommens.
Er will die zu erwartende Erbschaftssteuer zusammenbringen, wenn er das Blatt seiner Tochter übergibt, sonst wäre es eben doch zwangsverkauft. Ich sage ihm: Erwin, du hast keine Chance, das Ding wird jeden Tag mehr wert, du schaffst das nie! Verkauf lieber gleich und hab ein schönes Leben.
In der kommenden geschichtslosen Zeit braucht man keine Tradition.Franz Wanner - http://blog.corporatebookstore.de




