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Zahl der Selbstmorde unter amerikanischen Soldaten erreicht neuen Rekord

americanarmyWenig, wenn überhaupt, berichten die amerikanischen Medien über Selbstmorde unter amerikanischen Armeeangehörigen. Es scheint, nicht ins Klischee von Freiheitskampf und Heldentum zu passen. Waren es im Jahr 2004 noch 67 gemeldete Fälle, 83 im folgenden, 160 in 2008, so haben im Vorjahr 180 aktive Mitglieder der amerikanischen Streitkräfte ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt. Sowohl psychischer als auch physischer Druck und vielleicht auch Gewissenskonflikte treiben immer mehr junge amerikanische Soldaten zu dieser Verzweiflungstat. Offizielle Stellungnahmen gibt es keine.

Erich Maria Remarques Klassiker, „Im Westen nichts Neues“, zeigt deutlicher als jedes andere Werk den Kontrast zwischen Heldenmythos und der Realität des Krieges. Auch wenn es gelungen ist, das Auftreten von Shell-Shocks, eine der Hysterie ähnliche Kriegsneurose, mittlerweile dissoziative Störung genannt, deren Opfer in Deutschland als „Kriegszitterer“ bekannt waren, weitgehendst zu unterbinden, so ändert dies nichts am Drama des Krieges, dem jeder Soldat kämpfender Einheiten ausgesetzt ist. Wer seinen Pflichtwehrdienst hinter sich gebracht hat, auch ohne jemals in wirkliche Kampfhandlungen verwickelt gewesen zu sein, hat eine gewisse Vorstellung vom Leben eines Soldaten. Drill, Unterdrückung, das Brechen des Willens, Erniedrigungen, blinder Gehorsam, willkürliche Bestrafungen, was immer der gewöhnliche Alltag in der Kaserne mit sich bringt. Für die in den besetzten Ländern, Afghanistan und Irak, eingesetzten US-Soldaten kommen dazu noch die Menschen, die sie als Feinde bezeichnen, und die mit scharfer Munition auf die Eindringlinge schießen. Allein der Irak-Krieg hat bereits mehr als 4.000 Todesopfern in den Reihen der Amerikaner mit sich gebracht. Wesentlich größer ist die Zahl der Verwundeten, der Verkrüppelten, der psychisch für immer Geschädigten.

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In Amerika gibt es seit dem Ende des umstrittenen Vietnam-Krieges keine allgemeine Wehrpflicht mehr. Jeder Soldat tritt der Armee freiwillig bei. Der einzige Unterschied zum Legionär ist der Umstand, dass er sein Leben für die politischen und wirtschaftlichen Ziele des eigenen, und nicht eines fremden, Landes einsetzt. Manche tun es aus Überzeugung, andere aus Not, weil sie keinen Job finden, pleite sind, und sich von den Versprechungen der Armee-Werber locken lassen. Nur Wenige finden letztendlich das vor, was sie sich erwartet haben.

dahrjamailDoch diese 180 genannten Selbstmordopfer unter aktiven Soldaten sind nur der Gipfel vom Eisberg. Im November des Vorjahres berichtete der amerikanische Journalist Dahl Jamail u. a. von einem Gerichtsverfahren in Kalifornien, bei dem die Zahl von Selbstmorden unter Kriegsveteranen bekannt wurden. Laut dieser Angabe sind es im Durchschnitt täglich 18 ehemalige Kämpfer, die ihrem Leben durch Suizid ein Ende setzen. Täglich! Die Zahl der Selbstmordversuche wurde mit 1.000 pro Monat angegeben. Dem Bericht zufolge, beziehen sich diese Ziffern sogar ausschließlich auf jene Gruppe von Ex-Soldaten, die vom Department of Veterans Affairs betreut werden.

Wen wundert es, dass diese schockierenden Zahlen der amerikanischen Öffentlichkeit vorenthalten werden. Die soll daran glauben, dass ihre jungen Männer ihr Leben im Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, dass sich Amerika nur in „gerechten Kriegen“ engagiert, dass es um die Sicherheit des eigenen Landes, um die Freiheit der Welt, um das Glücksgefühl der Bewohner in den besetzten Ländern geht. Amerika führt keinen Angriffkrieg, nein, es sind Befreiungskriege. Ihre Jungs sind Helden, die für eine gerechte Sache kämpfen und Sterben. Und da passt Selbstmord wirklich nicht ins Konzept.

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