Samstag , 2 Juli 2016
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Der dritte Weltkrieg hat bereits begonnen

F22Zumindest nach Ansicht des russischen Wissenschaftlers, Konstantin Sivkov, erster Vizepräsident der Akademie für geopolitische Angelegenheiten. Ob es wirklich notwendig ist, für die Zukunft so schwarz zu sehen, darüber lässt sich diskutieren. In jedem Fall sind Sivkovs Darstellungen der beiden konträren Weltideologien, die in einem Artikel in der englischen Ausgabe der Pravda näher erläutert wurden, gewiss eine Überlegung wert. Nicht Kommunismus gegen Kapitalismus lautet das Konfrontationsbild, sondern Materialismus gegen Idealismus oder Ausbeutung gegen Harmonie. Nach Sivkovs Ansicht, sollten wir uns bereits in der dritten Phase des langsamen Aufbaus eines weltumspannenden Krieges befinden.

Die Welt befindet sich in einer Kulturkrise, die auf drei verschiedenen Unausgeglichenheiten beruht: 1.) Der Gegensatz zwischen steigendem Verbrauch und limitierten Rohstoffen. 2.) Die Konflikte zwischen Industrie-Nationen und Entwicklungsländern, gleichzeitig aber auch zwischen Völkern und einer internationalen finanziellen Elite. 3.) Der Kontrast zwischen dem Freien Markt, der ausschließlich durch finanzielle Werte Regelung findet, und den spirituellen Wurzeln verschiedener Völker, zu denen Sirkov u. a. Orthodoxe Christen, Muslime und Buddhisten zählt.

Die Pravda zitiert ihn wörtlich: „Die Analyse der möglichen Lösungen dieser Unausgeglichenheiten und Konflikte zeigt, dass sie antagonistischer Natur sind, und die Krise kann keine Lösung finden, ohne signifikante Übergriffe auf die Interessen in einigen wesentlichen geopolitischen Bereichen. Das bedeutet, dass der Einsatz militärischer Kräfte unvermeidbar ist. Berücksichtigen wir die weltumspannenden Auswirkungen dieser Krise, so können wir annehmen, dass auch militärische Einsätze weltumspannend sein werden.“

Zum besseren Verständnis dieser Darstellung, ist es notwendig, an dieser Stelle eine nähere Veranschaulichung zur Grundsatzeinstellung der Bewohner der nicht-industrialisierten Länder zu vermitteln. Die Bürger westlicher Länder sehen ihre Gesellschaftsform als Vorbild, als Resultat einer natürlichen Evolution, als einzig mögliche Auswirkung des technischen Fortschritts. Gleichzeitig geht man in diesen Ländern davon aus, dass der Rest der Welt einzig danach strebt, den Rückstand zum modernen Leben aufzuholen. Die Berichterstattung in den Medien verstärkt diesen Eindruck ebenso wie Zuwanderer, die durch diesen Schritt ihre Sehnsucht nach dem Eintritt in die moderne Gesellschaft bekunden. Wer sich bemüht, die Denkweise der Bevölkerung in den sogenannten Entwicklungsländern, wobei diese Bezeichnung selbst bereits durch ein Vorurteil geprägt ist, näher zu verstehen, darf sich nicht durch Aussagen Einzelner, die in den Medien Beachtung finden, beeinflussen lassen. In unseren Landen als überholt geglaubte traditionelle Werte stehen dort durchaus noch im Vordergrund.

Während wir selbst nun davon ausgehen, dass Lebensweisen, die nicht mit der unseren korrespondieren, früher oder später den Weg der Anpassung beschreiten werden, erkennt Sirkov gegensätzliches, nicht harmonisierbares Gedankengut. Die wiederholten Treffen der G20-Staaten haben keine Lösung herbeigeführt und genau daraus leitet Sirkov die Gefahr einer Ausweitung der Krise ab, sozusagen, nach dem gescheiterten Versuch, den Rest der Welt davon zu überzeugen, sich den Mechanismen der modernen Wirtschaft und des parallel laufenden Geldsystems zu unterwerfen.

Als Beispiel für den nächsten Schritt führt er provokante Veröffentlichungen von religiösen Karikaturen an, wobei diese sicher nur als plakatives Beispiel einer umfassenderen Vergrößerung von Spannungszuständen zu sehen sind. Gleichzeitig bewegte sich die Konfliktsentwicklung in die dritte Phase: Regionale Militäreinsätze und Wirtschaftssanktionen.

Noch befinden wir uns ein einer relativ friedlichen Phase. Die enorme militärische Übermacht der westlichen Koalition rund um die NATO, sieht der russische Wissenschaftler jedoch, durch die unvergleichlich größere Anzahl von Menschen auf der gegnerischen Seite mit einer enormen räumlichen Ausbreitung, als weitgehend ausgeglichen. Ein massiver Angriff der „Hierarchie-Kultur“ gegen die „Harmonie-Kultur“, als Zeichen unaufhaltbarer Aggression, würde somit genügend Zeit einräumen, eine Gegenkoalition zu formen. Als Stabilisationsfaktor, der einen Großangriff zur gegebenen Zeit verhindert, erachtet er das enorme Atomwaffenarsenal Russlands, wodurch er zu verstehen gibt, dass Russland sich im Falle einer Eskalation gegen die NATO-Staaten richten würde. Die Reduzierung der, in Russland gelagerten, Atomsprengköpfe würde, nach dieser Anschauung, die Wahrscheinlichkeit einer Ausweitung militärischer Konflikte vergrößern.

Wie die Geschichte zeigt, so würde die Spitze der westlichen Hierarchie auch vor enormen Opferzahlen nicht zurückschrecken. Er glaubt, die Möglichkeit des Überlebens der Elite in Bunker-Anlagen, ließe die Entscheidungsträger auch nicht vor dem Einsatz von Atomwaffen zurückschrecken.

Nicht ganz ohne Grund, erinnert Sirkov aber auch die Bewohner der westlichen Staaten daran, dass sie letztendlich selbst zu Opfern dieser Macht-Hierarchie geworden sind. Betrachtet man die Konzentration von Vermögen in Händen einer Gruppe sogenannter internationaler Investoren, die sich, idealistisch betrachtet, an kein Land dieser Erde gebunden fühlen, tragen auch wir, als arbeitende und konsumierende Bürger, letztendlich regelmäßig zur Vergrößerung des Reichtums, und dadurch der Macht, einer Elite bei. Amerikanische Soldaten, die auf den Schlachtfeldern Iraks und Afghanistans ihr Leben lassen, mögen dies in der Überzeugung tun, Freiheit und Demokratie zu verbreiten. Ja, sie werden sogar so weit indoktriniert, zu glauben, ihr Vaterland ebenso wie den Weltfrieden zu verteidigen.

Sich in die Gedankenwelt jener zu versetzen, die nicht bereit sind, sich dem modernen Leben anzupassen, fällt dem, der nichts, außer diesem bestimmten Lebensstil kennt, gewiss nicht leicht. Jede Veränderung, die sich eher auf ideelle oder auch traditionelle Werte beziehen würde, erscheint, unserer Ansicht nach, als Rückschritt. Auch wenn wir vielleicht von harmonischem Zusammenleben mit unseren Nachbarn, Freunden, mit unseren Mitmenschen, träumen mögen, in der Welt, in der wir uns jetzt befinden, dominiert der Konkurrenzkampf. Ob wir selbst zu den Gewinnern dieses Spielen zählen, darüber muss sich wohl jeder selbst ein Urteil bilden.

Über Konrad Hausener

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