Sonntag , 25 September 2016
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China/Japan: Was steckt hinter dem Streit um die Inseln?

senkaku inselnWieder erwecken die Nachrichten den Eindruck, als stünde ein großer Krieg vor der Tür. Dieses Mal zwischen den „traditionellen Feinden“ China und Japan. Auslöser ist eine unbewohnte Inselgruppe, die 1895 von Japan annektiert wurde. Soll dort nach Öl gebohrt werden oder könnten andere Gründe dahinter stecken? Der Verdacht liegt nahe, dass US-amerikanische Interessen im Spiel sind. Denn die beiden Staaten führen den gegenseitigen Handel seit Juni in ihren Landeswährungen, und nicht mehr in US-Dollar, durch. Ein Schritt, der zur weiteren Gefährdung der Position des Dollars als weltweite Leitwährung beiträgt.

1982 kämpften Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln. Ging es damals bloß ums Prestige? Jahre später stellte sich heraus, dass sich vor diesen Inseln reiche Erdölvorkommen befinden sollen. Dass es 1982 diesbezüglich nicht einmal noch Vermutungen gegeben haben soll, lässt sich bezweifeln.

Plötzlich entbrannt ein Streit zwischen China und Japan um die Senkaku-Inseln, der von den Medien mit größter Aufmerksamkeit behandelt wird. Was könnte der Grund für dieses Muskelspiel sein? Ebenfalls Bodenschätze? Oder gibt es Pläne, auf den unbewohnten, nahe der chinesischen Küste gelegenen, Inseln Militärbasen einzurichten? Japan gilt als Verbündeter der USA, was jedoch, ähnlich wie im Falle Deutschland, auf den Ausgang des Zweiten Weltkrieges zurückzuführen ist.

Allerdings, obwohl es zwischen China und Japan keine Kollaboration im militärischen Bereich gibt, sind die beiden Staaten, die zu den weltweit größten Wirtschaftsmächten zählen, rege Handelspartner. Bis vor kurzem gab es jedoch keinen direkten Währungsaustausch. Jede Transaktion wurde über den Umweg des US-Dollars durchgeführt.

Im Dezember des Vorjahres berichteten mehrere Zeitungen, u. a. das Handelsblatt, dass die beiden Länder eine Gegenverrechnung von Yuan und Yen planten, was sich negativ auf die Rolle des Dollars auswirken könnte. Am 4. Juni 2012 schrieb Xinhuannet: „China und Japan begannen den direkten Handel zwischen chinesischen Yuan und japanischen Yen in Tokyo und Shanghai am 1. Juni, eine Entwicklung, die den Handel und die Investitionen zwischen der zweit- und drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt vorantreibt, gleichzeitig aber auch als weiterer Schritt dahingehend betrachtet wird, den Yuan zur wahren Weltwährung werden zu lassen.“

Wie in einem Artikel über den Petrodollar bereits ausführlicher erläutert, basiert die Leitfunktion des US-Dollars ausschließlich darauf, dass ein enormes Volumen internationaler Geschäfte in dieser Währung abgewickelt wird. Nur dadurch ist die ständige Nachfrage nach dem US-Dollar gesichert. Wie in dem besagten Artikel ebenfalls erklärt wird, begann Saddam Hussein im Jahr 2000 irakisches Öl gegen Euro zu verkaufen und auch der Iran distanziert sich seit einiger Zeit immer mehr vom US-Dollar.

Zur Abrundung des Gesamtbildes möchte ich an dieser Stelle auch an den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn erinnern, der aufgrund unhaltbarer Vorwürfe, in einem New Yorker Hotel ein aus Afrika eingewandertes Stubenmädchen vergewaltigt zu haben, am 18. Mai 2011 von seinem Amt zurücktrat. Im Wikipedia-Eintrag findet sich folgende Passage, die darauf verweist, dass sich Strauss-Kahn gegen den Fortbestand des Dollars als Leitwährung ausgesprochen hatte:

Strauss-Kahn sagte: „Ich bin entschlossen, die für den IWF notwendigen Reformen ohne Verzögerung fortzusetzen, sodass finanzielle Stabilität der internationalen Gemeinschaft zugute kommt, bei gleichzeitiger Unterstützung von Wachstum und Beschäftigung.“ Die Bestrebungen des IWF unter Strauss-Kahn schlossen den Ruf nach einer möglichen Ablöse des Dollars als internationale Leitwährung ein. Ein Bericht des IWF vom Januar 2011 verlangte nach einer stärkeren Rolle der Sonderziehungsrechte.

Selbstverständlich bleiben auch unter Anbetracht der hier behandelten Punkte viele Fragen bezüglich der Spannungen zwischen China und Japan unbeantwortet. Warum ließen die Amerikaner die Entwicklungen im bilateralen Währungsaustausch zu, waren diese doch spätestens seit Dezember 2011 bekannt? Sollte es Japan gewagt haben, sich bewusst gegen die amerikanischen Interessen zu stellen, warum lassen sie sich jetzt plötzlich dazu motivieren, einen Konflikt mit China heraufzubeschwören?

Was internationale Politik betrifft, sind es leider immer nur Teilbereiche, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die wesentlichsten Hintergrundinformationen bleiben meist verborgen. Auch wenn es auf die erwähnten Fragen zum gegebenen Zeitpunkt keine Antwort geben kann, so tragen die währungstechnischen Entwicklungen zwischen den beiden Ländern zweifellos dazu bei, das Gesamtbild etwas abzurunden. Immerhin wird noch lange nicht von einem bewaffneten Konflikt gesprochen, sondern von einem Handelskrieg. Dies neutralisiert einerseits die schwerwiegende Entscheidung, aus dem Dollar als gemeinsame Handelswährung auszusteigen, schwächt andererseits aber auch die Wirtschaftsleistung der beiden Länder, die hinter den Vereinigten Staaten in der Weltrangliste an zweiter und dritter Stelle rangieren (wobei Indien allerdings bereits knapp vor Japan liegen könnte).

Über Konrad Hausener

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