Startseite » Politik » International » Der Krieg gegen den Iran ist beschlossen!

Der Krieg gegen den Iran ist beschlossen!

us_truppen_afghanistanUm die Bedeutung dieser Aussage zu verstehen, ist es notwendig, einen näheren Blick auf jene Organisation zu werfen, von der dieser Krieg als „notwendig“ erachtet wird. Dem Council on Foreign Relations. Dabei handelt es sich um einen der, wenn nicht überhaupt den, mächtigsten Think-Tank – zu deutsch auch „Denkfabrik“ genannt – der Welt. Unter den Mitgliedern finden sich Präsidenten, Minister, Banker, Medienmogule und die weltweit größten Konzerne. Und in ihrer ersten Publikation des Jahres 2012 lautet eine Schlagzeile: „Es ist Zeit, den Iran anzugreifen!“ Ein Auszug des Artikels, der die Gründe umreißt, findet sich auch online.

Think-Tanks oder Denkfabriken sind private Forschungszentren und Interessengruppen, die sich insbesondere mit der Entwicklung wirtschaftlicher und/oder politischer Angelegenheiten befassen. Es gibt Tausende davon. Die Bedeutung der jeweiligen Organisation hängt von ihren Mitgliedern ab. Ein Blick auf die Liste jener Persönlichkeiten, die dem, in den USA beheimateten, Council on Foreign Relations angehören, macht deutlich, um was für eine Machtkonzentration es sich dabei handelt.

Der Artikel in der deutschen Wikipedia bietet leider bloß einen mehr als nur oberflächlichen Überblick. Neben dem Gründungsjahr 1921 und einigen Namen deutscher Politiker, wie Helmut Kohl (CDU), Willi Brandt (SPD) und Joschka Fischer (Die Grünen), die zu Vorträgen geladen waren, finden sich bloß einige beschönigende Erläuterungen. Deutlich mehr Information bietet die englische Version.

Dass alle Aktivitäten dieser Vereinigung nur dazu dienen, eine bessere Welt zu schaffen, wird schon in der Einleitung erklärt. Gleichzeitig findet sich auch ein Verweis darauf, dass es sich um eine Schwesterorganisation des, zur gleichen Zeit gegründeten, Chatham House, vormals „Royal Institute of International Affairs“ genannt, mit Sitz in London handelt.

Wenn immer sich die höchstrangigen Repräsentanten von Wirtschaft und Bankenwesen mit Spitzenpolitikern und Medienvertretern in Vereinigungen zusammenfinden, von dessen Existenz die breite Öffentlichkeit kaum informiert wird, stellt sich die Frage, warum Transparenz so strikt gemieden wird. Ob dabei die Interessen der Menschheit oder jener einer Elite im Vordergrund stehen könnten, darüber darf sich jeder seine eigene Meinung bilden. Wie auch in anderen Fällen, etwa den wesentlich harmloseren Konferenzen der Bilderberg-Gruppe oder der Trilateralen Kommission, bringt das allgemeine Stillschweigen um die Existenz dieser Gruppen berechtigtes Misstrauen mit sich.

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass das mächtigste Geldinstitut der Welt, die US-Notenbank Federal Reserve, die sich ausschließlich in Privatbesitz befindet, im Jahr 1913, also nur wenige Jahre vor dem CFR, etabliert wurde. Und so findet sich unter den Gründern des Council on Foreign Relations nicht nur der Name Rockefeller, sondern auch Paul Warburg, Mitbegründer der Fed.

Um den Einfluss des CFR auch nur annähernd zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die Liste der derzeitigen Mitglieder, die auf der Webseite des CFR zu finden ist:

Präsident ist ein gewisser Richard N. Haass aus Brooklyn, New York, der einst als Berater von Präsident Bush sen. fungierte. Dann sticht der Name Madeleine K. Albright ins Auge, ehemalige US-Außenministerin, ebenso wie Colin Powel. David M. Rubenstein, Mitbegründer von Carlyle, einem Konzern, der von Filmemacher Michael Moore mit mysteriösen Machenschaften im Umfeld der Bush-Familie in Verbindung gebracht wird, gehört dazu. Wo immer sich Macht konzentriert, darf der Name Henry Kissinger natürlich nicht fehlen. Und auch nicht Allen Greenspan, langjähriger Vorsitzender der Fed, sowie dessen Nachfolger Paul Volcker. Paul Wolfowitz, Präsident der Weltbank, taucht auf, Michael R. Bloomberg, der nicht nur als Bürgermeister von New York bekannt ist, sondern auch über die Nachrichtenagentur Bloomberg herrscht.

Ein Name, der zwar nicht auf der CFR-Seite aufscheint, dafür aber bei Wikipedia, verweist auf sonderbare Familienbande:  Karenna Gore Schiff. Sie ist die Tochter von Al Gore, der sich im Jahr 2000, ohne nennenswerte Proteste, von George W. Bush seinen Wahlsieg klauen ließ. Dafür stellte er sich als redegewandtes Sprachrohr für jene Bewegung zur Verfügung, die zu überzeugen versuchte, dass die Erderwärmung durch den CO2-Ausstoß verursacht wird. Und seine Tochter Karenna, Jahrgang 1973, heiratete am 12. Juli 1997 einen gewissen Andrew Newman Schiff, Nachkomme von Jacob Schiff, Mitbegründer der Federal Reserve Bank. Was für ein Zufall!

Aber nicht nur Individuen gehören dem CFR an, sondern auch Konzerne. Eine Auswahl davon findet sich ebenfalls bei Wikipedia. Und dabei scheint es, als handle es sich schlicht um eine Liste aller einflussreichen Konzerne, die ihre Netze über unsere Erde ausbreiten: American Express, Visa, Deutsche Bank, UBS, Goldman Sachs, BP, Exxon-Mobile, Coca Cola, Pepsi, Pfilzer, Merck, um nur einige zu nennen. Im Jahr 1975 erklärte der amerikanische Soziologe William Dornhoff gegenüber dem Spiegel:

„Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung.“

Ich glaube, diese Feststellung bedarf keiner näheren Erläuterung!

Alle zwei Monate veröffentlicht der CFR ein Magazin mit Namen Foreign Affairs. Eine Auswahl von Artikeln, teils in gekürter Form, erscheint auch online. Und dabei sticht, für die Ausgabe Januar/Februar 2012, folgende Schlagzeile ins Auge: Es ist an der Zeit, den Iran anzugreifen.

In kurzen Worten wird darin zusammengefasst, was während der vergangenen Wochen und Monate auch in den Massenmedien zu lesen war. Der angeblich vereitelte Mordanschlag gegen den saudi-arabischen Botschafter findet ebenso Erwähnung wie die Verdächtigungen, dass der Iran an der Herstellung nuklearer Waffen arbeite. Ein sofortiger Militärschlag wird als das geringere Übel bezeichnet. Besonders aussagekräftig ist der folgende Satz: „Doch Skeptiker bezüglich einer Militäraktion unterlassen es, die wirkliche Gefahr zu berücksichtigen, die durch die Verfügbarkeit von Atomwaffen im Iran amerikanischen Interessen im Mittleren Osten und darüber hinaus drohen würde.“

Nichts erklärt die Situation besser als diese Worte. Es geht nicht um den Weltfrieden und um nationale Sicherheit. Es geht auch nicht um den Fortbestand Israels. Alles dreht sich einzig und allein um US-Interessen. Und wenn diese Feststellung noch dazu aus einem Kreis stammt, in dem sich praktisch alle namhaften internationalen Konzerne zusammenfinden, so ist kaum zu übersehen, um welche Art von Interessen es sich dabei handelt.

Anfang Dezember hat The Intelligence in einem ausführlichen Artikel darauf verwiesen, welche Gefahren der Welt drohen, sollten die Vereinigten Staaten tatsächlich einen Krieg gegen den Iran beginnen. Sowohl Russland als auch China unterhalten wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen mit dem Iran. China ist sogar von iranischen Ölimporten abhängig. Dementsprechend wurde Generalmajor Zhang Zhaozhong im chinesischen Fernsehen zitiert, der erklärte, dass China auch vor einem dritten Weltkrieg nicht zurückschrecken werde, wenn die Verteidigung des Iran dazu zwinge. Und dieses, zur Zeit noch so unvorstellbare, Szenario eines Weltkrieges soll in Kauf genommen werden, um US-Interessen in der Region zu wahren? Und wie so oft wird die Weltöffentlichkeit mit völlig falschen Informationen versorgt. Immer wieder bemühen sich die Massenmedien, den Iran als Aggressor darzustellen.

In den 1980er-Jahren war der Iran zwar in einen Konflikt mit dem Irak verwickelt, wobei die Vereinigten Staaten beide Seiten unterstützten, doch in welcher Form sollte der Iran die Weltsicherheit bedrohen? Die Behauptung, sobald Ahmadinedschad über eine Atombombe verfüge, würde er sie sofort auf Israel abwerfen, ist natürlich von Grund auf unsinnig. Welchem Zweck sollte dies dienen, außer der eigenen Vernichtung? Denn in diesem Fall wäre ein atomarer Gegenschlag die unausweichliche Konsequenz. Sollte der Iran wirklich am Bau nuklearer Waffen arbeiten, so kann dies nur der Landesverteidigung dienen. Und nachdem eine Reihe internationaler Konzerne durchaus an den iranischen Ölvorkommen interessiert ist, kann man es den Politikern dieses Landes nicht einmal verübeln, sollten sie sich um eine verstärkte Landesverteidigung bemühen.

Im Gegensatz zum Iran, waren die Vereinigten Staaten in der jüngeren Vergangenheit in mehrere Angriffskriege verwickelt: Irak, Afghanistan, Libyen – und dazu noch ein paar „Kleinigkeiten“, wie etwa der Angriff auf Panama im Dezember 1989.

Kriegsdrohungen gegen den Iran tauchen in den Massenmedien nun schon seit mehreren Jahren auf. Doch dieser Artikel im offiziellen Organ des Council on Foreign Relations, auf dessen Empfehlungen sich die amerikanische Regierung gerne verlässt, wie US-Außenministerin Hillary Clinton in einer Rede vor dem CFR offen erklärte, verweist auf viel mehr als bloß leere Drohungen. Dieser Artikel verdeutlicht, dass wir tatsächlich am Rande eines Weltkriegs stehen. Und dass die amerikanischen Truppen während der vergangenen Wochen aus dem Irak abgezogen wurden, könnte durchaus darauf verweisen, dass sie für andere Einsätze gebraucht werden.

Wie üblich, werden die Massenmedien darauf nicht verweisen. Wie üblich, stehen diese den US- bzw. Konzerninteressen als unkritisches Sprachrohr zur Verfügung. Doch diese Entwicklung stellt für uns alle eine zu große Bedrohung dar, dass wir uns erlauben könnten, einfach abzuwarten und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wir müssen alles, was in unseren Mächten steht, tun, um die Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen auf diese Pläne zu lenken. Zu lange schon ließ die Mehrzahl der Menschen einfach alles geschehen. Zu tief stecken wir gerade deswegen in einer Wirtschafts- und Schuldenkrise. Zu viele Menschen sind in Öl- und Interessenskriegen bereits ums Leben gekommen. Und zu weit würde sich ein Krieg gegen den Iran ausbreiten. So erschreckend es klingen mag, doch dieses Mal steht wirklich unser aller Zukunft ebenso wie die Zukunft unserer Kinder auf dem Spiel.

Über Konrad Hausener