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Todesurteil wegen „Hexerei“ führt kaum zu Reaktionen

burning_witchIn Saudi Arabien wurde am Montag das Todesurteil gegen eine mehr als 60 Jahre alte Frau vollstreckt. Ihr Verbrechen: „Hexerei und Zauberei“. Während sich die Politik ebenso wie die Medien des Westens liebend gerne der Wahrung von Menschenrechten in einigen ausgewählten Staaten annehmen, scheint Saudi Arabien diesbezüglich Sonderrechte zu genießen. In Saudi Arabien gibt es keine Demokratie, keine Rechte für Frauen und die Gesetzeslage entspricht mit Sicherheit nicht unseren Vorstellungen.

Auch einige deutsche Zeitungen, wie etwa Der Spiegel, berichten über das Schicksal von Amina bint Abdul Halim bin Salem Nasser. Schon vor zwei Jahren wurde Sie wegen des „Verbrechens der Hexerei“ festgenommen und später von einem klerikalen Gericht zum Tode verurteilt. Vorgeworfen wurde ihr, Geld dafür genommen zu haben, um Menschen durch Zauberkraft von Krankheiten zu heilen. Im Vordergrund stand dabei nicht der mögliche Betrug, sondern das Praktizieren von Hexerei.

Es handelt sich dabei um die 73. Hinrichtung in diesem Jahr in Saudi Arabien, einschließlich einem Sudanesen, der im September, ebenfalls wegen der „Anwendung von Zauberkraft“ getötet wurde.

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Derartige Vorfälle rufen Erinnerungen an Skandale in anderen Ländern wach. Wie wurde die streng islamische Einstellung der Taliban-Regierung in Afghanistan kritisiert? Welche Schlagzeilen brachte die dortige Zerstörung einer historischen buddhistischen Gedenkstätte mit sich? Was für einen Wirbel gab es um den Schleierzwang für Frauen oder die Einschränkungen bezüglich Bildung? Wo immer politische, wirtschaftliche oder strategische Gründe zur Kritik an der Regierung eines Landes führen, oder sogar zu Militäraktionen, dort werden Verletzungen von Menschenrechten gerne hochgespielt. Menschrechtsverletzungen in Saudi Arabien sind jedoch an der Tagesordnung. Die Inhaftierung politischer Gegner, Prügelstrafe, Unterdrückung der Meinungs- und Religionsfreiheit und einiges mehr. Hexerei, was wir als unsinnigen Aberglauben bewerten würde, kann dort die Todesstrafe mit sich bringen. Und niemand scheint sich sonderlich der Opfer anzunehmen.

Natürlich liegt es daran, dass Saudi Arabien zu den Verbündeten der Vereinigten Staaten zählt. Dass sich in diesem Land US-Militärbasen befinden. Dass der saudi-arabische Herrscher mit der internationalen Finanzlobby bestens kollaboriert. Dass er nie daran gedacht hat, wie etwa Saddam Hussein, Öl gegen eine andere Währung als den US-Dollar zu verkaufen.

Man könnte natürlich auch von dem Standpunkt ausgehen, dass die Saudis in ihrem eigenen Land schließlich tun und lassen können was sie wollen. Doch wenn dies auf Saudi Arabien zutrifft, warum nicht auch auf Afghanistan, auf den Irak, auf Libyen und andere Staaten. Regimegegner im Iran finden im Westen jederzeit Unterstützung. Ja, natürlich, die Zusammenhänge sind offensichtlich. Nur leider weisen unsere Medien selten darauf hin. Im Gegenteil, sie tun ihr bestes, unsere Meinung einseitig zu beeinflussen.


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