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Tschernobyl – Lästige Veteranen werden als Terroristen abgestempelt

tschernobyl_warnschildAls Volksheld, der selbstlos sein Leben sogar für die Weltbevölkerung einsetzt, darf man nicht allzu viel erwarten: Dankesreden, eine Urkunde, vielleicht sogar einige Zeitungsartikel oder gar ein paar gewidmete Sendeminuten in einer Dokumentation. Die Zusatzrente, die keineswegs selbstverständlich ist, finanziert mit viel Glück einen Teil der schmerzlindernden Medikamente. Wie brüchig diese Loyalität eines Staates gegenüber seinen Rettern sein kann, zeigt sich drastisch in Zeiten angespannter Haushaltslage: Wird die Rente gekürzt und dies nicht schicksalsergeben hingenommen, mutiert man kurzerhand vom Vorbild zum Terroristen.

So geschehen in der Ukraine, besser gesagt, im ostukrainischen Donezk. Dort befanden sich seit 15. November einige Tschernobyl Veteranen vor der Regionalvertretung der staatlichen Rentenversicherung im Hungerstreik. Sie wollten die seit 1. November gekürzten Sozialhilfen nicht einfach akzeptieren. Laut Gerichtsbeschluss wurde diese Demonstration verboten, von den Teilnehmern ginge gar eine terroristische Bedrohung aus. Als die Polizei das Hauptzelt der Streikenden räumte, starb einer der Demonstranten, die seinerzeit soweit als möglich die Folgen von Tschernobyl zu „liquidieren“ versuchten und seit dem eher dahinvegetierten denn lebten, an einem Schwächeanfall.

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25 Jahre sind eine lange Zeit, zumindest scheint das Erinnerungsvermögen bereits nach deutlich kürzeren Spannen nachzulassen. Wer verschwendete denn, wenn überhaupt, lange einen Gedanken an die Reservisten, die 1986 nach der Reaktorkatastrophe zum Einsatz im „Atomsturm“ abkommandiert wurden. Hunderttausende sahen es als ihre Pflicht dem Vaterland gegenüber und als Ehre an, alles zu geben, um die Gefahren für ihre Landsleute und zudem für die Menschen weltweit zu minimieren. Was genau jedoch passiert war, wussten die Wenigsten, die Gefahren wurden eher noch verharmlost. Als Dank für einen Einsatz auf dem Reaktordach gab es beispielsweise eine Urkunde und 100 Rubel in die schmerzende Hand. Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Heiserkeit, zerfressene Mägen und weitere Folgen der Strahlendosis stellten sich von selbst ein. Zusatzrente wurde längst nicht allen Veteranen zuerkannt.

Aber immerhin wurden sie noch vom Staat unterstützt, oder besser gesagt, als Invaliden anerkannt. Das Wort Wertschätzung ist hier allerdings völlig fehl am Platze, es stand von Anfang an schon auf verlorenem Posten, wie eine Reportage auf documentarfilm24.de verdeutlicht. So unfreiwillig der Einsatz seinerzeit war, so eindeutig werden sie jetzt fallen gelassen.

Deutlich vor Augen sollten wir uns führen, dass dies kein unbedeutender oder gar einzigartiger Fall irgendwo weit ab im Osten bleiben wird. In Japan beispielsweise dürfte es zu ähnlichen Vorfällen kommen, falls es sie nicht schon gab. Und wenn die Märkte einbrechen, gewinnbringende AKW nicht mehr so leicht errichtet werden können, weil die zunehmend kritisch hinterfragende Bevölkerung sich dagegen wehrt, wenn Stresstests auf ihre Glaubwürdigkeit abgeklopft werden und besorgte Bürger auf die Straße gehen, wird sich zeigen, wie schnell und in welchem Ausmaß sich „Volksvertreter“ vor der eigenen Bevölkerung schützen werden.

Bleibt die Hoffnung, dass der Bevölkerungsschutz sich dann in guter Verfassung befindet.


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