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Auch die USA müssen sich Kritik gefallen lassen

jonhuntsmanWie von The Intelligence berichtet, bewirkte das Treffen zwischen Barack Obama und dem 14. Dalai Lama von Tibet schwere Proteste aus China. Wie bei Spiegel-Online zu lesen, wurde der amerikanische Botschafter, Jon Huntsman, ins chinesische Außenministerium berufen. Ein Schritt, den sich die Vereinigten Staaten selten gefallen lassen müssen. Obwohl das Treffen im Weißen Haus unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in einem, nicht für Staatsempfänge genutzten, Raum stattfand, betrachtet die chinesische Führung die Einladung als Einmischung in die inneren Angelegenheiten. Bis dato sind wir es eher von Amerika gewöhnt, anderen Ländern Vorschriften zu machen.

Insbesondere, wenn man, auf Grund des brutalen Vorgehens der chinesischen Regierung, sowohl beim Einmarsch in Tibet vor einem halben Jahrhundert als auch bei der Unterdrückung von Unabhängigkeitsbestrebungen, sich eher auf Seiten von Tibet sieht, freut man sich, wenn dem Dalai Lama vom amerikanischen Präsidenten Respekt entgegen gebracht wird. Hut ab, Mr. Obama. Und Schande den Chinesen, die sich da einmischen.

Allerdings, welches Land spielt sich sonst als Weltpolizei auf? Welches Land entscheidet, wer die Guten und wer die Bösen sind? Welches Land nimmt sich heraus, in souveränen Staaten Revolutionen anzuzetteln oder gar mit Militärmacht vorzugehen?

Ja, natürlich, wir stehen ja auf der Seite der Amerikaner und die werden schon wissen, was sie tun? Hugo Chavez ist doch wirklich ein Spinner. Der glaubt allen Ernstes, dass der Profit der Erdölvorkommen nationalen Zwecken zugute kommen sollte, und nicht internationalen Konzernen. So ein Rebell. Das ist ja noch schlimmer als die Idee des Präsidenten von Guatemala, Jacobo Arbenz, der zwischen 1950 und 1954 versuchte, die Bürger des eigenen Landes am florierenden Bananengeschäft verdienen zu lassen. Das gefiel der CIA keineswegs. Gute Geschäfte sind für gute Geschäftsleute da und nicht für das Volk.

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1989 erhob Amerika Vorwürfe gegen den Führer der panamesischen Regierung, Manuel Noriega. Und was macht Amerika, wenn man dort gegen den Präsidenten eines Landes etwas einzuwenden hat? Richtig, die Militärs greifen ein, was in Panama im Dezember 1989 der Fall war. Dass zur gleichen Zeit die Verträge über die Kontrolle des Panama-Kanals ausgelaufen wären, dabei handelt es sich gewiss um reinen Zufall.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle vergleichbaren Vorfälle zu verweisen, an die Invasion von Grenada, an die Unterstützung der Kosovo-Rebellen, um plötzlich, aus Gründen der Menschrechte, Serbien zu bombardieren (was natürlich wiederum nichts mit den dortigen Rohstoffen zu tun hat), und dann gäbe es ja auch noch den Irakfeldzug, bei dem es darum ging, Präsident Hussein zu entmachten und die Kontrolle über die irakischen Ölreserven zu erlangen. Dass die Zahl der Todesopfer die Ein-Millionen-Grenze überschritten hat (siehe Wikipedia), wird selten erwähnt.

Und dieses Amerika, die selbsternannte Weltpolizei, Schutzmacht des internationalen Konzern- und Bankwesens, muss sich plötzlich gefallen lassen, dass sein Botschafter, der ansonsten gewohnt ist, amerikanische Forderungen zu präsentieren, ins Außenministerium beordert wird, um sich eine Standpauke anzuhören. Gewiss, China als Weltpolizei würde uns noch weniger gefallen – schon allein der Sprachbarriere wegen, aber, trotzdem, wir haben uns schon zu Schulzeiten darüber gefreut, wenn der Rüpel, der uns ständig das Jausenbrot klaute, endlich auch einmal eine in die Fresse gekriegt hat.

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  10.02.2012 The Intelligence
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