Sonntag , 27 Mai 2018
Startseite » Politik » International » Unterstützung der libyschen Rebellen auf jeder Ebene

Unterstützung der libyschen Rebellen auf jeder Ebene

mirage2000Zwei Tage nach dem vom Weltsicherheitsrat, durch die Resolution 1973, das Verhängen einer Flugverbotszone über dem Staatsgebiet von Libyen „legalisiert“ wurde, setzten massive Luftangriffe ein. Der Einsatz von Bodentruppen wurde jedoch in dieser Resolution ausgeschlossen. Und wie sieht es mit der Entsendung von Geheimagenten sowie heimlichen Waffenlieferungen an die Rebellen aus? Eine große Zahl von Berichten in den internationalen Medien erklärt, dass sowohl England als auch die Vereinigten Staaten den Einsatz von Geheimagenten schon seit längerer Zeit planen. Das Ziel, den libyschen Staatspräsidenten Muammar Gaddafi mit allen Mitteln zu stürzen, wird immer offensichtlicher.

Der libyschen Regierung wurde vorgeworfen, die Resolution 1970 vom 26. Februar, die eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen forderte, nicht eingehalten zu haben. Die Frage, ob ein Waffenstillstand auch von den Truppen der Aufständischen respektiert wurde, fand in keiner Weise Beachtung. Ob alle Länder, die dem Verhängen einer Flugverbotszone zugestimmt haben, mit derart massiven Angriffen rechneten? Neben unzähligen Attacken mittels Bombern und Fighter-Jets, wurden mehr als 200 Tomahawk-Marschflugkörper auf Libyen abgeschossen. Russland, ein Staat mit Veto-Recht, hat dieses nicht in Anspruch genommen, spricht sich seit dem Einsetzen der Bombardierungen jedoch deutlich gegen das extrem gewaltsame Vorgehen aus.

Die jüngsten Berichte in den Medien beziehen sich in erster Linie auf die, schon vor „längerer Zeit“ erfolgte Autorisierung der Geheimdienste CIA und MI6, Missionen in Libyen durchzuführen. Ein Artikel im Spiegel informiert, dass Geheimdienstmitarbeiter, zumindest der amerikanischen CIA, bereits im Einsatz sind.

Ein Rückblick auf die Ereignisse in Libyen führt zu dem dringenden Verdacht, dass es von Anfang an nicht im Interesse der „internationalen Gemeinschaft“ lag, die libysche Regierung darin zu unterstützen, dem bewaffneten Aufstand mit geringsten Opferzahlen Herr zu werden, sondern eine neue Regierung – selbstverständlich eine demokratische – entstehen zu lassen. Einen direkten Verweis auf die möglichen Hintergründe bringt eine Meldung der Financial Times, auf die The Intelligence schon gestern verwiesen hatte:

In Libyen operierende westliche Öl-Gesellschaften haben vertraulich davor gewarnt, dass ihre Niederlassungen im Land verstaatlicht werden könnten, falls Muammar Gaddafis Regierung die Oberhand gewinnt.

Während der Öffentlichkeit eindringlich erklärt wird, dass die Bomben- und Raketenangriffe gegen Libyen durchgeführt werden, um das „geknechtete Volk“ vom „Tyrannen zu befreien“, findet sich wesentlich mehr Logik in der Annahme, dass es der „internationalen Gemeinschaft“ in erster Linie um die Wahrung der Interessen der Öl-Lobby geht.

Ein geschichtlicher Rückblick bietet hierzu eine bemerkenswerte Parallele. Aus welchem Grund ließ der damalige irakische Präsident Saddam Hussein im Jahr 1990 seine Truppen in Kuwait einmarschieren? Militärische Bedrohung stelle dieses Land mit weniger als vier Millionen Einwohner mit Sicherheit keine dar. Eine „humanitäre Mission“ lässt sich ebenfalls restlos ausschließen. Somit sind die Beweggründe im finanziellen Bereich zu suchen.

In einem Artikel über das brutale Abschlachten abziehender irakischer Truppen aus Kuwait, ein Ereignis, das in die Geschichte unter dem Begriff „Highway of Death“ einging, finden sich ausführlichere Erläuterungen. Es wird vermutet, dass Kuwait vom Irak beschuldigt wurde, durch sogenanntes „Cross-Boarder-Slant-Drilling“ irakische Ölquellen angezapft zu haben. Dazu kommt die durchaus annehmbare Möglichkeit, auf die der bestens informierte Börsenspekulant André Kostolany kurz nach dem Einmarsch verwiesen hatte, dass Kuwait Zahlungsverpflichtungen im Zusammenhang mit dem kostspieligen Krieg zwischen Irak und dem Iran nicht eingehalten hatte. Und natürlich ist auch nicht auszuschließen, dass Hussein schlicht das Öl des wehrlosen Nachbarstaates klauen wollte. In jedem Fall ging es um Öl – und der Irak hatte natürlich weder die „internationale Gemeinschaft“ noch die Vereinten Nationen und schon gar nicht die internationale Presse hinter sich. Spielen sich einige Armeen als Weltpolizei auf, um ein diktatorisches Regime endlich durch Demokratie abzulösen, dann verschwinden die finanziellen Interessen natürlich im Hintergrund. Manchen Regierungen traut man einfach alles Böse zu, in anderen Fällen werden materielle Absichten jedoch von Haus aus ausgeschlossen. Wie wird unsere Spezies in ihrer lateinischen Bezeichnung genannt? Homo sapiens? Ja, gewiss, es mag schon Menschen geben, die sich bei ihrem Vorgehen auch etwas denken.

Check Also

Streit zwischen der Türkei und Deutschland – Worum geht es in der Armenien-Resolution?

Inhaltsverzeichnis1 Worüber stimmte der Bundestag am Donnerstag ab?2 Was geschah vor knapp 100 Jahren im …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.