Wetterleuchten in Asien – Die Kriegsgefahr steigt – Folgen für Europa
Am 23.11. war es soweit. Nordkorea nutzte einen Vorwand und beschoss eine südkoreanische Insel mit Granaten. Südkorea schoss zurück und es entwickelte sich ein spektakuläres Gefecht. Die Weltmedien stürzten sich sofort darauf und reden von Kriegsgefahr. Viele Experten wiederum sprechen von den üblichen nordkoreanischen Provokationen, mit denen das isolierte kommunistische Land sich bessere Verhandlungspositionen erstreiten will, wenn es zum Beispiel um dessen Atomprogramm geht. Tatsache ist, dass die Grenze mitten durch Korea nur durch einen Waffenstillstand am Ende des Koreakrieges 1953 geschaffen wurde. Es gibt keinen Friedensvertrag und Nordkorea hat diese Grenze auch nicht anerkannt. In Anbetracht der großen Armeen, die sich dort gegenüberstehen, die wohl gefährlichste Grenze der Welt.
Allerdings ist diese Sicht der Dinge zu einfach. Das große Spiel in Asien, das tatsächlich einmal zu einem Krieg führen kann, ist ein anderes. Es geht nicht in erster Linie um die beiden Koreas, sondern um die großen Mächte, die dahinter stehen. Der Schutzpatron Nordkoreas ist China, der Südkoreas sind die USA. Das Ringen um die Vormacht spielt sich zwischen diesen beiden großen Mächten ab. Indien ist dabei noch in Warteposition.
China rüstet schon seit vielen Jahren enorm auf. Studien zufolge könnten die USA schon bald ihren Status als stärkste Militärmacht in Südostasien verlieren. Zudem stellt sich mehr und mehr heraus, dass die USA das Entwicklungstempo der chinesischen Armee unterschätzt haben, zum Beispiel bei der Anschaffung von Marschflugkörpern oder Flugzeugen mit Stealth-Technologie. Chinesische Raketentruppen sind bereits in der Lage, die Operationen amerikanischer Einheiten in der Region zu gefährden. Die Zwischenfälle häufen sich.
Bei einem Grenzstreit zwischen Japan und China stellte sich US-Verteidigungsminister Robert Gates jüngst klar auf die Seite Japans und drohte China mit einem Eingreifen der USA. Diese wollen die Militärkooperation mit Japan und Südkorea ausbauen, um China in die Schranken zu weisen.
Gerade jetzt im November unternahmen US-Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton eine große Asienreise, bei der sie Allianzen gegen China schmiedeten. Hillary Clinton machte dabei deutlich, dass die USA künftig China stark unter Druck setzen wollen.
Obama erzielte mit seiner Einkreisungspolitik Erfolge. So werden die USA Zugang zu vietnamesischen Häfen bekommen und verstärkten Zugriff auf militärische Einrichtungen im Norden Australiens. Die USA versuchen die Kontrolle über die See-Nachschubwege Chinas zu behalten. China ist für ein Drittel seines Ölverbrauchs und siebzig Prozent seines Außenhandels auf den Schiffstransport angewiesen. Der wirtschaftliche Niedergang der USA und der gleichzeitige Aufstieg Chinas verleiten die USA zu einem solchen Vorgehen. Dazu ist China auch noch der größte Kreditgeber der USA und besitzt die größten Dollar-Reserven. Ein auch nur teilweiser Ausstieg Chinas aus dem Dollar würde die USA ökonomisch in den Abgrund stürzen.
Da ist es schon sehr auffällig, dass just nach der Asienreise von Obama das mit China eng verbündete Nordkorea auf das mit den USA ebenso eng verbündete Südkorea feuert. Das sieht nach einem Warnschuss seitens Chinas aus.
Das große Spiel in Asien, die Rivalität zwischen den USA und China, ist in vollem Gange und verschärft sich von Jahr zu Jahr. Hier liegen die eigentlichen Wurzeln für einen kommenden großen Krieg. Das kann ein Stellvertreter-Krieg zwischen Nord- und Südkorea sein oder zwischen anderen verbündeten Mächten, es kann aber auch ein Krieg direkt zwischen den USA und China entfesselt werden. Ein derartiger Krieg würde einen Weltumbruch auslösen, der gar nicht zu unterschätzen ist, wirtschaftlich und politisch. Europa wäre davon in besonderer Weise betroffen, weil die Schutzmacht USA dann anderweitig gebunden ist und damit ein Stabilitätsfaktor wegfällt. Bei einem großen Krieg in Asien werden auch die Karten in Europa neu gemischt.





