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Todesstrafe für Wikileaks-Informant?

ausschnitt_collateral_murderWie von The Intelligence berichtet, wurde im Juni der 22jährige Bradley Manning von der amerikanischen Militärpolizei verhaftet. Es soll sich bei ihm um jenen Soldaten handeln, der Wikileaks mehrere Geheimdokumente zugespielt hatte, unter denen sich auch jenes schockierende Video befand, das zeigt, wie ein Dutzend irakischer Zivilisten, unter denen sich auch zwei Journalisten befanden, von einem US-Militärhubschrauber aus erschossen wurden. In einem Interview mit dem Fernsehsender MSNBC sprach sich Kongress-Mitglied Mike Rogers aus Michigan dafür aus, über Manning die Todesstrafe wegen Hochverrats zu verhängen. Die Übergabe geheimer Dokumente an den Feind, gefährde das Leben amerikanischer Soldaten.

Bezüglich der kürzlich von Wikileaks veröffentlichten Dokumente, die Details über den Krieg in Afghanistan ans Tageslicht bringen, fordert das Pentagon nun, diese Dokumente aus dem Internet zu entfernen und sie, sowie jene, die noch nicht veröffentlicht wurden, den USA zu übergeben. Geoff Morrell, Pressesprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte gegenüber Reportern: „Wir verlangen, dass sie das Richtige tun. Wenn ‚das Richtige zu tun’ für sie nicht gut genug ist, dann werden wir Alternativen finden, sie dazu zu zwingen, ‚das Richtige zu tun’!“ Selbstverständlich können wir davon ausgehen, dass die US-Militärs alle Mittel einsetzen, um die undichten Stellen in den eigenen Reihen zu schließen.

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Im April dieses Jahres ging ein, von den US-Militärs aufgezeichnetes, Video durch die Weltpresse, das unter dem Namen „Collateral Murder“ bekannt wurde. Es zeigt nicht nur, wie irakische Zivilisten von einem Kampfhubschrauber aus getötet wurden, auch wurde das Feuer auf ein völlig unbeteiligtes Fahrzeug eröffnet, dessen Fahrer einen Verletzten bergen wollte. (Collateral Murder auf Youtube) Vermutlich wegen fahrlässigen Vertrauens in einen Mann namens Adrian Lamo, der sich als Hacker ausgab, gelang es den Militärbehörden, jenen Soldaten ausfindig zu machen, der Wikileaks, neben anderen Dokumenten, dieses Video zugespielt hatte.

Der amerikanische Abgeordnete Mike Rogers forderte in einem Interview die Todessstrafe für Manning. Durch die Übergabe von Dokumenten an „den Feind“, wird das Leben von amerikanischen Soldaten aufs Spiel gesetzt. Diese Phrase wiederholte Rogers mehrmals, einmal unter dem Hinweis, dass diese ihr Leben für ihr Land aufs Spiel setzten.

Ja, natürlich, wenn es in einem Krieg wirklich darum geht, das Vaterland zu verteidigen, und ein Soldat übergibt strategische Geheimnisse an den Feind, so besteht kein Zweifel daran, dass es sich um Hochverrat handelt. Wie wir alle wissen, verteidigen die amerikanischen Soldaten im Irak aber nicht ihr Vaterland. Sie schützen auch nicht die Welt vor einem gefährlichen Aggressor. Irak war einmal, im Jahr 1990, in einen Konflikt mit dem Nachbarland Kuwait verwickelt. In unserem Artikel „The Highway of Death“ haben wir die damaligen Hintergründe, im Zusammenhang mit dem Gemetzel an Zehntausenden abziehenden irakischen Soldaten, schon einmal näher erläutert. Auch ist bekannt, dass der amerikanische Angriff gegen den Irak im Jahr 2003 auf der falschen Behauptung basierte, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt hätte. Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell hat seit Amt deswegen niedergelegt, weil er, in Unwissenheit, diese Lüge vor den Vereinten Nationen vertreten hatte.

Beim amerikanischen Angriffskrieg gegen den Irak handelt es sich um ein absolut zweifelhaftes Vorgehen, das eigentlich von einem internationalen Gerichtshof behandelt werden sollte. Bei dem, im genannten Video gezeigten, Vorgehen gegenüber Zivilisten, Journalisten, einen Verletzten und dessen Retter eingeschlossen, handelt es sich ebenfalls um ein mögliches Kriegsverbrechen.

mike_rogersMike Rogers ist kein General, der bedingungslose Disziplin zu fordern hat. Er ist ein Volksvertreter. Er sollte den jungen Mann, der dazu beigetragen hat, dass das amerikanische Volk ebenso wie die Weltöffentlichkeit vom brutalen Vorgehen der US-Armee in Kenntnis gesetzt wurde, für seinen Mut und seine Initiative loben.

Einem totalitären Regime gegenüber, auch unter dem Deckmantel der Demokratie, ist es schwer, eine neutrale Einstellung zu bewahren. Es gibt Kriegshetzer und es gibt den Widerstand. Sollte der 22jährige Bradley Manning seine Initiative wirklich mit dem Leben bezahlen, so wird die Geschichte über sein Andenken urteilen, so wie über andere Widerstandskämpfer in der Vergangenheit.

 


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