Samstag , 25 März 2017
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Wehrpflicht oder Berufsarmee? – Ein Selbstgespräch in der Wahlkabine

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In Deutschland wurde die Wehrpflicht schon im Jahr 2010 mit bestechender Eile abgeschafft. In Österreich findet diesbezüglich am nächsten Sonntag eine Volksbefragung statt. Ja, es handelt sich um eine Volksbefragung, deren Ergebnis unverbindlich ist – und nicht um eine Volksabstimmung. Könnte dies daran liegen, dass die Entscheidung schon längst feststeht? Bei meinen Recherchen durfte ich einerseits feststellen, dass die Debatte bereits seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten geführt wird, und andererseits, dass sich bereits 20 von 27 EU-Staaten auf eine Berufsarmee umgestellt haben. (Die Presse, 17. Februar 2011)

Seit Tagen – und nein, nicht seit Wochen – erst seit ein paar wenigen Tagen werde ich von beiden Seiten mit Information bombardiert, ganz einer Armee gerecht werdend: Angriff! So dass das Ganze eher wie Propaganda auf mich wirkt, als Information.

Die Frage, die sich mir stellt, ist immer, was steckt hinter der ganzen Sache? Cui bono? Deshalb finde ich es immer sehr verdächtig, wenn alles so kurzfristig ist, wenn es plötzlich so schnell gehen muss, wenn Entscheidungen in solcher Eile gefällt werden müssen.

Zwei Dinge möchte ich hier ins Auge fassen: Wirtschaft und die Soldaten.

Die Wirtschaft deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass in der EU alles unter der Prämisse des Wirtschaftswachstums gut, gesund und okay ist. Und die Rekruten möchte ich ansprechen, weil ich gleichzeitig den Eindruck habe, dass betroffene Menschen überhaupt nicht mehr gefragt werden, egal, um welches Thema es sich handelt.

Wirtschaftlich betrachtet gehen die Meinungen auseinander:

Die Einen meinen, dass Wehrpflichtige die Wirtschaft durch den Entfall des Gehaltes belasten, die Anderen sagen, dass eine Berufsarmee ein größeres Budget bräuchte. Das heißt, volkswirtschaftlich betrachtet hätte die Berufsarmee hier ihren Vorteil. Fazit des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung – Berlin): Aus ökonomischer Sicht sei die Berufsarmee einer Wehrpflichtarmee vorzuziehen, denn: „Sie ist volkswirtschaftlich kostengünstiger und ordnungspolitisch sinnvoller.“ (Handelsblatt, 13. Januar 2013)

Als jemand, der sich mit dem Geldsystem beschäftigt hat, sehe ich allerdings anderswo dringend Umstellungsbedarf. Leider fehlt mir die Zeit, bis zur Volksbefragung die 20 Länder zu vergleichen, wie sich die Umstellung von Wehrpflicht auf Berufsarmee wirtschaftlich ausgewirkt hat.

Ein Nachteil sei allerdings die Rekrutierung selbst. Das Rekrutieren von Berufssoldaten dürfte in betroffenen Ländern um einiges schwerer ausfallen als angenommen (Die Presse, 17. Februar 2011). Z.B. war in Amerika der Zulauf in die Berufsarmee so gering, dass die Amerikaner Prämien an Rekruten auszahlten. Gleichzeitig waren diese aus den unteren Einkommensschichten. Damit könnte allerdings wiederum die Arbeitslosenstatistik verschönert werden. Volkswirtschaftlich sicherlich ein Zugewinn.

Allerdings kommt mir ganz spontan das Wort „EU-Armee“ in den Sinn. Ein bisschen verunsichern mich die Gerüchte, dass es eine Europäische Armee geben soll. Zitat: „Ja, die Europäische Union muss tatsächlich an eine solche Europa-Armee denken, aus vielerlei Gründen. Vor allem: Wenn Europa Teil dessen werden will, was man heute „Global Governance“ nennt (Anm.: NATO-Zusammenarbeit, Rohstoffe, Wirtschaft …???), gehört dazu zwangsläufig – wenn auch nicht in vorderster Linie – eine genauere Definition der europäischen Rolle in Sicherheitsfragen; und damit eben auch die Fähigkeit, im Zweifel mit militärischen Mitteln intervenieren zu können.“ (Zeit-Online, 24. März 2007)

Jetzt bin ich genauso unschlüssig, wie am Anfang. Ist die Frage nach Berufsarmee oder Wehrpflicht nicht doch eher eine wirtschaftliche Frage?

***

Über mich selbst:

Ich bin in Wien geboren, aufgewachsen und lebe immer noch dieser mir lieb gewonnen Stadt. Früher arbeitete ich in der Buchhaltungsabteilung von verschiedenen Firmen, zuletzt von einem Immobiliengiganten. Mit 34 entschied ich mich dann für eine Umorientierung, weil das mit dem Immobilien doch nicht so meines war. Mein jetziger Beruf ist Sozialarbeiterin und ich arbeite ehrenamtlich in einem Verein für das bedingungslose Grundeinkommen…… Und ich mag die Sonne.
Auf der Suche nach dem, was die Menschen verbindet, wurde ich freundlicher Weise eingeladen, den einen oder anderen Gedanken hier zu teilen. Ich bin schon sehr gespannt.

Pandra

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