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Nach dem Euro: Mehr Demokratie - statt Faschismus!

euro_falle(Teil 2 des Beitrages "Führt der „Bankrott“ des EURO zu einem neuen (wirtschaftlichen) Faschismus?") - Quasi im Stundentakt überschlagen sich die Ereignisse um den Kollaps der Euro-Zone, sodass die Kommentare/Analysen der Wirtschaftsjournalisten dieser Eigendynamik nur hinterher hinken können. Das Versagen der Politik(er) als auch das hysterische Agieren der Zentralbanker offenbart ihre absolute Machtgeilheit als auch ihre Ohnmacht, den Bankrott des Euro ordentlich zu managen. Diese nicht mehr umkehrbare Entwicklung hat nach meinem Dafürhalten zwei Ursachen:

1.) Die Wirtschaft ist ein Nullsummen-Spiel

Allein aufgrund der volkswirtschaftlichen Gleichung „Mein Export-Überschuss = Dein Import-Defizit“ müsste jedem klar sein, wie naiv die Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands geführt wurde. Der Chefökonom der FTD, Thomas Fricke, nannte diese treffend: Tante-Erna-Ökonomie.

Der Welthandel ist, abgesehen von Kursdifferenzen, immer ausgeglichen. Deutschland, Österreich und die Niederlande erzielten durch gezieltes LOHNDUMPING ihre Überschüsse auf Kosten von Griechenland, Portugal und Spanien, wo die Lohnstückkosten (2000-09) zwischen 15-23% stiegen, währenddessen sie in Deutschland und Österreich um 8-10 % sanken. Um sich die Produkte aus den Exportländern leisten zu können, musste sich in den südeuropäischen Ländern der Staat (bedingt durch die niedrigen Steuereinnahmen, siehe Teil 1) zusätzlich stark verschulden.

Die Wohlstandszunahme der Überschussländer ging zulasten der südlichen Defizitländer!

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Ein Ausgleich dieser Verwerfungen im Binnenhandel der Eurozone ist nur über einen starken Anstieg der Reallöhne der Überschussländer von ca. 3-4 % p. a. (nominell 5-6 %) möglich. Genau diese Lösung wird von der deutschen Regierung heftig abgelehnt.

Die zweite Alternative, die Abwertung der Währungen der südeuropäischen Länder, ist seit 2002 nicht mehr möglich. Die logische Konsequenz ist ein Austritt aus der Währungsunion - besser früher denn später. Die ökonomischen Tatschen kann man nicht politisch vom Tisch wischen.

Sparen - "Made in Germany“

Dass gerade Deutschland nichts vom Sparwahn des Herrn Eichel (2002-06) lernte, kann ich mir nur mit religiöser Blindheit der Akteure erklären. Das Defizit Griechenlands stieg von Januar bis Mai 2011 auf 10,3 Mrd. Euro (2010: 9,1 Mrd.) - budgetiert war eine Abnahme von 3,9%. Die Prognose sah einen Anstieg der Steuereinnahmen um 8,5 % vor - stattdessen waren es minus 7,2% (-1,4 Mrd.).

Setzt man die griechischen Ziele in Relation zu Deutschland, müsste die Regierung folgendes Sparprogramm bis 2015 umsetzen:

Ein Sparvolumen von unglaublichen 420 Mrd., ca. 3,2 % des BIP jährlich, was dem gesamten Defizit 2010 entspricht. Privatisierungseinnahmen von ca. 550 Mrd. oder das 12-fache Volumen der Telekom. Darüber hinaus wären bei (fast) allen Arbeitnehmer Gehaltskürzungen von 10-30 % erforderlich. Die Zahl der Beamten müsste um ca. 500.000 gekürzt werden.

Dass sich die deutsche Bevölkerung, ob solch eines Spardiktates - ohne Hirn & Verstand - ebenso wie Merkel, Juncker und Trichet freuen würde, darf bezweifelt werden.

Das unerträgliche Geheule der Banken

Glauben sie wirklich noch immer die dreiste Lüge, dass der Konkurs von Lehman Brothers die Finanzkrise auslöste? Rechnen wir mal kurz nach:

Die Bilanzsumme der Euro-Banken beträgt 30.000 Mrd., das Eigenkapital ca. 1.500 Mrd. (5 %). Geht man von einem Totalverlust von ca. 380 Mrd. Euro aus und nimmt einen 50 %-igen Anteil der Banken an - so ergäbe dieser einen Verlust von 190 Mrd. Euro - gerade mal 13 % des Eigenkapitals.

Das Palaver um die griechischen Staatsschulden

Laut OECD hatte Griechenland Schulden von ca. 352 Mrd. Euro per 2011. Selbst wenn man unterstellt, dass 50 % davon uneinbringlich sind – und diese zur Gänze (realitätsfremd) von den Banken im Euroraum gehalten werden, entspräche der Verlust nur ca. 11 % des Eigenkapitals.

Betrachtet man die fälligen Staatsschulden aller PIIGS-Staaten - also inkl. Italien und Spanien - bis 2015 von 750 Mrd. (ohne Neuverschuldung) und nimmt wiederum eine Abschreibung von 50 %, also 375 Mrd. an, so würde dies bei einem 80 %en Anteil der Euro-Banken ca. 300 Mrd. oder einem Verlust in der Höhe von 20 % des Eigenkapitals bedeuten.

Die Gewinne der Eurobanken

Die spanische SANTANDER und die italienische UNICREDIT erzielen ungefähr einen Gewinn von 1 % der Bilanzsumme, die UBS/CreditSuisse ca. 1.6 %. Schätzt man, vorsichtigerweise, einen Gewinn der Eurobanken von 0,7 % so kommt man auf einen Gewinn von ca. 200 Mrd. p.a. In Österreich zahlen die Kreditinstitute gerade mal 7-11 % Körperschaftssteuer, weshalb sie sich auch eine Bankenabgabe partout nicht leisten können. Das Mitleid der Steuerzahler ist ihnen gewiss.

Ja, ja... die privaten Gläubiger muss man schonen - und die Erde ist eine Scheibe, gelle!

 

2.) Das Zins(es-zins) basierte Schuldgeldsystem

Ich weiß, nichts Neues. Dennoch ein paar (vielleicht neue) Gedanken hierzu:

  • „Die Geldschöpfung bezeichnet die Schaffung von Geld.
  • Geschäftsbanken schaffen Geld durch Kreditvergabe“. (s. Deutsche Bundesbank, S. 68) .

Das Geld entsteht durch die Buchung: Forderungen (Bank) / Verbindlichkeiten (Kreditnehmer).

Dieses zutiefst undemokratische Geldsystem (haben Sie jemals darüber abgestimmt, welches Geldsystem Sie haben wollen?) ist aus zwei Gründen DIE Ursache aller Krisen:

  • das Geld wird nur als Schuld/Kredit von - privaten - (Zentral-)Banken erzeugt
  • der Zinseszins-Effekt führt, früher oder später, immer in die totale Zerstörung.

Es war nie ein nachhaltiges System, was 100 Finanzkrisen der letzten 40 Jahre (IMF) bestätigen. Die Effekte sind verheerend und führen alle 30-70 Jahre zur totalen Vernichtung des Volksvermögens. Entweder durch Kriege, soziale Aufstände oder durch die Insolvenz von Staaten. (siehe dazu: http://www.webinformation.at/material/Pyramidenspiel-Geldsystem.pdf)

98 % des Schuld-Geldes entstehen bei den privaten Geschäftsbanken, 2% werden durch Zentralbankgeld (Mindestreserve) erzeugt. Das Märchen der Medien: „die Zentralbank wirft die Notenpresse an“, trifft nur dann zu, wenn die Zentralbank 1:1 Anleihen vom Staat übernimmt, wie dies die FED und die EZB (Griechenlandanleihen etc.) seit mehr als 2 Jahren tun.

In Österreich erregte der ehemalige Finanzminister Androsch mit seinem Kommentar "die Banken müssten für die Luftgeschäfte tatsächlich viel stärker Eigenkapital zurücklegen, weil sie in Europa ohnehin unterkapitalisiert seien oder mit SCHMÄH-KAPITAL (Anm. eine sehr niedliche, österreichische Wortschöpfung für Geld aus Luft) arbeiten“.

Mein Vermögen = Deine Schulden

Allein die Buchung der Kreditgeldschöpfung bedingt, dass

  • sich eine Volkswirtschaft (die Welt) nie (per saldo) verschulden kann
  • es kein Geld mehr gibt, wenn alle Schulden zurückbezahlt werden
  • dies zu einer immensen Umverteilung von Volksvermögen von den Schuldnern (z.B. Staat über die Steuerzahler) zu den Gläubigern (private Banken, Pensionsfonds etc.) führt,
  • die exponentiellen Zinseszinsen zu einem großen Wachstumsdruck auf die Realwirtschaft führen und auch im Schuldgeldsystem NIE verdient werden können. Überdies wird dadurch die Umverteilungswirkung auf subtile Weise beschleunigt. .

staatsverschuldung_d_1950-2011

Die Kreditinstitute haben auf ihre Geldforderungen aus Luft ein Exekutionsrecht in das dingliche Vermögen der Schuldner, wenn diese ihren Zahlungen nicht nachkommen. Bezogen auf Griechen-land bedeutet dies:

Die „Privatisierung des Vermögens“ der Griechen kommt ihrer totalen Enteignung gleich!

Das „Geldringelspiel“ der EZB (IWF).

Mitte 2009 stellte die EZB den Geschäftsbanken 434 Mrd. an Liquidität zu 1 % - also Geld aus dem Nichts (nein, die EZB hat nicht die Spareinlagen der Euro-Konsumenten eingesammelt) zur Verfügung. Die Banken kauften sodann z.B. Griechenlandanleihen um 6 % und forderten bei den EU-Politikern eine Garantie für Ihre Staatsanleihen ein, welche durch die Bewertung der Ratingagenturen unmittelbar zuvor als riskant eingestuft wurden. Die Politiker aller Länder versetzte dies in helle Aufruhr und sie gewährten die EU-Garantie, was in letzter Konsequenz zum ESM von (derzeit noch) 750 Mrd. führte.

Kurz gesagt: die Investoren fuhren mit Geld aus Luft Mrd.-Gewinne ein - völlig ohne Risiko!

Bei den Bilanzpressekonferenzen wurden Ackermann & Co, wegen ihrer "hervorragenden" Leistungen, von den Medien gefeiert wie Könige – und die Boni flossen wieder in Strömen.

Ähnlich laufen die Rettungsprogramme des IWF ab: Die Staaten verschulden sich privat bei den Banken gegen Zinsen und übertragen das neue Schuldgeld dem IWF, der dieses sodann (wie großzügig) an Staaten wie Griechenland, Ukraine, Ungarn u.a.m. gegen knallharte Einsparungen im Sozialbereich und Privatisierung des Tafelsilbers, weitergibt. Ein perfektes Enteignungsprogramm, das seit Jahrzehnten über den Globus hervorragend - zugunsten einiger weniger - funktioniert.

Genau so simpel funktioniert die weltumspannende Schuldensklaverei!

Wie hoch ist das Risiko der Schattenbanken im Euroraum?

Wie im 1. Teil erwähnt, haben die EU-Parlamentarier den Finanzinstituten die Gründung außerbilanzieller Gesellschaften, gesetzlich gestattet. Diese Geisteshaltung ist mit „naiv“ wohlwollend umschrieben. Schattenbanken werden Hedgefonds und Private-Equity-Firmen genannt, die von Banken außerhalb der Bilanz, zumeist mit Hauptsitz in Steueroasen, geführt werden. Eben diesen gilt nun das Interesse Trichets. Wieso lässt sich in Ermangelung der Dimension nur erahnen, gleichwohl die Ziffern für die USA, wo die Bilanzsumme der Schattenbanken mit 15.300 Mrd. $ nicht nur das BIP übersteigt, sondern auch jene der normalen Geschäftsbanken (12.900 Mrd. $) locker in den „Schatten“ stellt. Welches große Rad hier gedreht wird, lässt sogar den EZB-Chef verstummen: Er nannte keine Größenordnungen für den Euroraum.

Trichet zeigt sein wahres Gesicht: Lohnerhöhungen wären „Torheit“

Am 20. Feber warnte Trichet in einem Interview mit dem französischen Radiosender Europe 1 vor Lohnerhöhungen. „Das wäre das Dümmste, was man machen könnte“, den es gelte Zweitrunden-Effekte (damit sind Lohnerhöhungen, die vorangegangen Preiserhöhungen z.B. bei Lebensmittel, Wohnraum etc. folgen, gemeint) zu verhindern. Nun – 2011 müssen alle Arbeitnehmer mit Reallohnverlusten rechnen. Von Lohnsteigerungen keine Spur. (Leider steht der Volltext dieses Artikels aus rechtlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung)

Im 3. und letzten Teil werde ich auf die Ungleichheiten der Vermögens- und Einkommens-verteilung als realökonomische Ursache (Nullsummenspiel) der Krise, die drohende Pleite der EZB, die „mafiösen“ Ratingagenturen und auf den ESM eingehen als auch die neuesten Entwicklungen zum Ende des Euro analysieren. Also – bleiben sie dran.


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