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R³ - Haarige Zeiten, nicht nur beim Friseur

briefmarke_friseurFrüher war an jeder Ecke eine Kneipe. Heutzutage ist an jeder zweiten Ecke ein Coffee-Shop und an der anderen ein Friseur. Wobei ich nicht vermute, dass das daran liegt, dass inzwischen die Haare schneller wachsen. Könnte ja sein. Dazu gibt es im Fernsehen jede Menge Werbung für Shampoo mit Glanz, Koffein, Vitamin, beruhigend, vitalisierend, vor Haarausfall bewahrend und für die Wimpern, das sind ja schließlich auch Haare, gibt es auch eine Menge Zeugs. Das wirkt auf Männer eher bedrohlich, aber Frauen finden es anscheinend des Kaufens würdig. Und, damit es nicht zu haarig wird, gibt es natürlich auch die Gegenmittel, für seidig glatte Frauenbeine und kussfreundliche Herrenwangen. Nicht Backen, da sitzen wir drauf und auch wenn diese haarig sein sollten wollen wir über diese den Mantel der Diskretion legen.

Was machen wir denn nun mit den ganzen Friseuren und den vielen verschiedenen Pflegeprodukten. In dieser haarigen Entwicklung stecken sowohl Risiken als auch Chancen. Das Risiko besteht darin, dass dem Volke solange der Kopf gewaschen und gebürstet wird, bis das Hirn völlig hinüber ist. Dann käme Frau Merkel nicht nur mit dem griechischen Haircut, sondern vielleicht gleich mit dem europäischen ganz gut zurecht, und wir wären nicht nur gut frisiert, sondern auch die Gelackmeierten.

Wer jetzt nicht weiß, was ein griechischer Haircut sein könnte, liest beim Friseur die falschen Zeitschriften. Kleiner Tipp: der Haircut ist der englische Kraftausdruck für Umschuldung und könnte in Portugal, Irland und Spanien auch bald passieren. Was die Umschuldung genau für uns bedeuten würde, darüber schreibe ich vielleicht ein anderes Mal.

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Kommen wir zu den Chancen. Zunächst drängt sich natürlich die Idee eines weiteren Konjunkturprogrammes auf: Haare waschen für das Wirtschaftswachstum. Für alte Perücken gibt es dann eine Abwrack-Prämie. Für schlechte Frisuren auch. Durchgeknallte Diktatoren werden so lange von Heidi Klum mit Haarspray-Werbung zugeballert, bis sie aufgeben und freiwillig bei Billigfriseuren telefonisch Termine vereinbaren und den Boden fegen. Bis an ihr Lebensende. Wenn dann ein modernes Haar-Design-Studio mit einem Coffee-Shop fusioniert, müssen sie auch analog die gleichen stereotypen Fragen stellen: Groß, mittel oder klein, zum mitnehmen oder hierschneiden, mit Geschmack?

Bis es soweit ist nehme ich morgens in der Dusche einfach das Shampoo das gerade dasteht. Egal ob es irgendetwas vitalisiert oder wie die Vitamine meinen Haaren schmecken.


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