Es werde Licht! - Aber mit welchem Leuchtmittel?
Glühbirne oder Energiesparlampe: Ein Streit, der eigentlich schon längst geführt und beendet zu sein schien, kocht in des Wortes tiefstem Sinn kurz vor Weihnachten und der damit bedingten politischen und wirtschaftlichen Weihnachts- und Jahreswechselpause wieder auf: Die beiden EU-Parlamentarier Herbert Reul (CDU, EVP) und Silvana Koch-Mehrin (FDP) wollen das EU-Verbot für Glühbirnen kippen. Sie stützen sich auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes in Dessau, wonach Energielampen, wenn sie zu Bruch gehen, das 20-fache des von der EU erlaubten Quecksilbergehaltes verströmen.
Dabei fand das Verbot seinerzeit auch die Zustimmung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Immerhin könnten nach Experteneinschätzung bei einer flächendeckenden Durchsetzung rund 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Mit seiner Forderung, das seit 2009 geltende EU-Verbot für herkömmliche Glühbirnen stürzen oder zumindest aussetzen zu wollen, hat Reul, der Vorsitzender des Industrieausschusses des EU-Parlaments ist , bereits Anfang Dezember für Aufmerksamkeit sorgen wollen, dies aber nicht geschafft. Reul hatte auf seiner Abgeordneten-Internetseite am 3. Dezember 2010 gefragt, wieso nicht vor dem EU-Verbot 2009 untersucht wurde, wie gefährlich Energiesparlampen denn tatsächlich seien. Zwei Wochen später scheint ihm der mediale Coup gelungen zu sein. Am Morgen des 22. Dezember 2010 bringt die Redaktion von heute-online mit Material von afp und Zitaten aus einem Artikel der Zeitung „Die Welt“ die Position Reuls und der EU-Vizepräsidentin Silvana Koch-Mehrin.
Beide EU-Parlamentarier beziehen sich auf eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau. Reul hatte die Studie bereits am 3. Dezember erwähnt. Weil aber das offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung brachte, habe er vermutlich den medialen Kontakt gesucht, wird in der Umgebung des UBA gemutmaßt. Diese Einschätzung teilen sich unabhängig voneinander das UBA und Branchenvertreter. „Ich will auf jeden Fall dafür sorgen, dass das Glühbirnenverbot wieder gekippt wird“ lässt Reul sekundiert von Koch-Mehrin die Medienöffentlichkeit wissen.
Beim UBA ist man verwundert. „Richtig sind die Ergebnisse der Untersuchung zwar schon“, sagt der stellvertretende UBA-Pressesprecher Stephan Haufe. Allein: Die Studie befindet sich gerade erst einmal am Anfang und für abschließende Bewertungen sei es noch viel zu früh, so Haufe. Im übrigen verweist der UBA-Sprecher auf eine Stellungnahme des UBA-Präsidenten Jochen Flasbarth. Diese war am. 2 Dezember online geschaltet worden, einen Tag vor der Erklärung Reuls.
Zurückrudern musste auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Dessen Sprecher, Christian Fronczak, konfrontiert mit der fünfseitigen Darstellung der UBA-Studie, musste am 22. Dezember einräumen, dass sich die Forderung nach einem Aufhebung des Glühbirnen-Verbots nun nicht mehr halten lassen könne und man sich im übrigen im vollen Umfang den Forderungen des UBA nach einem geringeren Quecksilbergehalt und einer besseren Rücknahmemöglichkeit verbrauchter Energiesparlampen anschließe.
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