Bundestrojaner überholt - Bayern-Babylonier vorgestellt (Achtung Satire)
München - Über die Aufregung wegen des sogenannten Bundestrojaners kann Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nur müde lächeln. Bei der offiziellen Vorstellung von "Babylon IV", dem neuesten Tools des bayrischen Staatsschutzes, ging er am Rande auf die Diskussion ein, die eine Mitteilung des Hamburger Chaos Computer Clubs am Wochenende ausgelöst hatte. Es sei eine billige Beta-Version gewesen, die man dem damaligen Bundesinnenminister Schäuble vor drei Jahren überlassen habe. Man habe ja nicht ahnen können, dass er diese bereits bei der Entwicklung veraltete Test-Software tatsächlich zur Überwachung einsetze und nicht die kaum aufzuspürenden Folge-Versionen. Ärgerlich sei nur, dass "da Friederl" (gemeint ist vermutlich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Anm. der Red.) das jetzt ausbaden müsse und ihm "die Schnarre" (Klarname ist der Redaktion bekannt) medienwirksam auf den Pelz rücken wolle. Dass diese nun auch von den Bundesländern und gar vom Freistaat Bayern Aufklärung verlange, sei allerdings abstrus. "Koalition hin oder her, einer Ein-Prozent-Partei sind wir keine Rechenschaft schuldig."
Bayern hingegen werde seinem Ruf als Spitzentechnologie-Provinz vollauf gerecht. Trojaner seien "altertümlich" erläuterte Bayerns Innenminister. Aus christlich-abendländischer Tradition heraus habe man sie zu Babyloniern mit immerwährender Aktualität weiterentwickelt. Diese erlauben nicht nur die vollständige Überwachung von Geräten und deren Manipulation, sondern zudem auch eine Echtzeit-Störung der Kommunikation. Dazu werden bayrische Redensarten mitten in einen verdächtig wirkenden Mail- oder Chat-Verkehr hinein gestreut. "Egal ob da nun die Spinner von Attac ein Attentat auf unsere Wirtschaft oder pakistanisch-stämmige Islamisten ihre nächste friedliche Demonstration verabreden wollen: Spätestens nach dem dritten absolut unverständlichen Buchstaben-Wust ist die Verwirrung perfekt, die Kommunikation kommt zum Erliegen." Speziell bei fundamentalistischen Moslems zeige zudem die optionale Beschimpfungs-Funktion beste Wirkungen. "Wenn Abu glaubt, Sajaf habe ihn als "Saupreiß" bezeichnet, bricht schnell das ganze Netzwerk auseinander."
Auch der Schutz gegen mögliche Zugriffe Dritter sei besonders ausgefeilt. Eine herkömmliche 128-Bit-Verschlüsselung halte keiner "brud-forz-Attacka" stand. Hingegen seien die Befehle zur Störung der Kommunikation, zur Erweiterung des nützlichen Schadprogramms, zum Abspeichern belastenden Materials wie auch zur spurenlosen Beseitigung des Programms selbst schlichtweg unentschlüsselbar. Schon die Vollzugsmeldung "Ozapftis" sei nur Eingeweihten verständlich, Kommandos würden nur ausgeführt, wenn sie in astreinem Bayrisch erteilt werden. "Irgendwelche Hamburger Fischköpfe haben da überhaupt keine Chance!" verkündete Herrmann stolz.





