Rauchverbot – Bayern versucht sich in direkter Demokratie
Das Rauchverbot in Gaststätten, das sich zuerst in den Vereinigten Staaten, danach in Irland, gefolgt von den kanadischen Provinzen bis hin zu Italien, Deutschland und Österreich wie ein Lauffeuer verbreitete, stoßt in bestimmten Regionen auf mehr Ablehnung als Akzeptanz. Diskussionen darüber zu führen, hat sich auf allen Ebenen, vom Stammtisch bis zur TV-Show, als sinnlos erwiesen. Während die eine Gruppe auf ihrer Meinung besteht, kontert die andere mit ebenso polemischen Argumenten. Der Schlagsatz: „Aber es geht ja um meine Gesundheit!“, wird dabei ebenso von beiden Seiten verwendet. Im Gegensatz zu anderen betroffenen Ländern, wagt Bayern nun den Schritt in die Demokratie.
Jeder Raucher weiß, dass sein Laster seiner Gesundheit schadet. Wie so vieles andere auch. Ein Mysterium ist und bleibt, wer die Non-Smoking-Lobby ins Leben gerufen hat. Die Staaten verlieren Steuereinnahmen. Die Medien verloren durch die Kampagne, die sie mitgeschürt haben, ihre besten Werbekunden. Die großen Zigarettenhersteller, wie Philip Morris und Reynolds, zeigen, trotz zwischenzeitlicher Korrekturen, noch immer eine regelmäßig steigende Tendenz der Aktienkurse. Das heißt, die Motivation zur Kampagne gegen Raucher ist nicht mit dem seinerzeitigen amerikanischen Alkoholverbot zu vergleichen, das letztendlich bloß zu einer Neuorganisation der Unternehmen geführt hat. Nachdem unzählige Kleinbetriebe in den Bankrott getrieben waren, tauchten, am Ende der Prohibition, simultan gut vorbereitete Großproduzenten auf.
Gewiss stimmt jeder Tabakkonsument mit mir überein, dass junge Menschen erst einmal gar nicht damit anfangen sollten. Letztendlich ist es absurd, künstlich ein Bedürfnis hervorzurufen, das, wenn die Möglichkeit zum Stillen dieses Bedürfnisses, dieser Sucht, temporär nicht gegeben ist, genau das Gegenteil von Wohlbefinden bewirkt. Nachdem jedoch, bis vor gar nicht so langer Zeit, genau die Medien, die jetzt die Non-Smoking-Lobby unterstützen, um nicht zu sagen, überhaupt erst ins Leben gerufen haben, harmonisch zusammen wirkten, um damals jungen Menschen den Eindruck zu vermitteln, dass es zum Erwachsensein dazugehört, dass es einfach cool ist, mit einer Zigarette herumzulaufen, und dadurch unzählige Millionen von Menschen zu dieser Sucht motivierten, gibt es sie nun einmal, die Raucher.
Für jemanden, der sich an den Konsum von Tabakprodukten gewöhnt hat, der süchtig ist, wird es zum einschneidenden Eingriff in seine Lebensqualität, wenn ihm das Anzünden seiner Zigarette, genau an den Orten, an denen er seit Jahren und Jahrzehnten daran gewöhnt ist, plötzlich verwehrt wird. Die Feststellung, er könne es sich ja abgewöhnen, ist nicht nur oberflächlich, sondern auch naiv. Manchen Menschen, die wirklich wollen, mag es gelingen. Andere vermissen ihre Zigaretten über Jahre hinweg, gar nicht zu reden von den Fällen, in denen es zu gravierenden Gesundheitsschäden kommt, die von den Medien aber generell nicht erwähnt werden.
Rücksichtnahme sollte wohl immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Und niemand kann bestreiten, dass die meisten, wenn leider auch nicht alle, Raucher, hier sehr viel gelernt haben. Jeder Raucher sieht ein, dass es nicht sein muss, am Esstisch seinem Gegenüber ins Gesicht zu qualmen. Wenn sich jedoch jemand darüber beklagt, dass zwei Tische weiter jemand eine Zigarette anzündet, sich über die Möglichkeit entrüstet, dass ja ein Hauch des Rauches an seinen Tisch gelangen könnte, während durchs offene Fenster die Auspuffabgase strömen, der ordnet sich dadurch in die Reihen derer, die zum Opfer moderner Medienpolitik wurden, so wie die heutigen Raucher Opfer der Medienpolitik vor zwanzig oder dreißig Jahren waren und bis heute sind.
Soll Demokratie bedeuten, dass willkürliche Verbote eingeführt werden sollen, ohne Rücksichtnahme auf die Gewohnheiten von Millionen? Was wäre die nächste Idee? Singvögel zu verbieten, weil sie dem rationalen Geist schaden (was zu Zeiten der Kulturrevolution in China der Fall war)? Autofahren verbieten, denn wie kommen Radfahrer dazu, die Abgase einzuatmen? In Diskotheken das Musikspielen verbieten, denn es könnte ja jemand gerade dort sein Getränk einnehmen wollen, den der Lärm stört?
Wie anfangs erwähnt, Diskussionen zum Thema führen zu Polemik. Ich schließe mich dabei nicht aus. Die Entscheidung des bayrischen Landtages, die Bürger durch eine direkte Abstimmung entscheiden zu lassen, die im Sommer dieses Jahres durchgeführt werden soll, ist in jedem Fall eine faire Lösung. Selbstverständlich haben die Politiker bereits eine gewisse Vorstellung vom Ausgang dieses Referendums, denn ohne vorherige Meinungsanalysen wagt niemand diesen Schritt. Wie immer die Sache jedoch ausgehen mag, endlich wird Bürgern einmal die Möglichkeit gegeben, an Entscheidungen teilzuhaben, anstatt, ähnlich dem Soldaten, gehorsam Gesetze zu befolgen.




