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Joachim Gauck oder Christian Wulff

wulff_gauckWelchen der beiden Kandidaten würden wir, The Intelligence, unterstützen? Diese Frage ist einfach zu beantworten. Und zwar den, dem die Mehrheit der Bürger mehr Vertrauen und Sympathie schenkt. Den ersten Meinungsumfragen zufolge, bei denen auch andere Kandidaten zur Wahl standen, führte Gauck im Verhältnis von etwa 57 zu 43. Beide Politiker sind erfahren, beliebt und mit Sicherheit zur Ausübung des höchsten Amtes im Staat befähigt. Eine durchaus schlüssige Vergleichsmöglichkeit bot sich in den ARD-Sendungen „Farbe bekennen“. Beide Kandidaten wurden im gleichen Stil interviewt. Es obliegt dem Zuseher, sich eine entsprechende Meinung zu bilden. 

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Insbesondere nach dem Verfolgen dieser Gespräche fällt es nicht leicht, neutral darüber zu berichten. Joachim Gauck ist fast zwanzig Jahre älter als sein Gegenkandidat, verfügt über dementsprechend mehr Erfahrung und, gerade dieser Punkt sollte in dem Zusammenhang Beachtung finden, er lebte in beiden konträren Systemen: Kommunismus und Kapitalismus. Auch wenn er selbst von sich gegeben hat, dass es „ein Armutszeugnis für jede große Organisation sei, wenn sie die 70jährigen reaktivieren müsse“, gerade der Ausübung dieses Amtes sollte die Weisheit des fortgeschrittenen Alters dienlich sein. Bundespräsident zu sein bedarf nicht der Dynamik eines Geschäftsmannes oder Kanzlers, sondern der – nennen wir es ruhig väterlichen – Führungsqualitäten einer Vertrauensperson. Vielleicht lässt sich gerade dadurch auch erklären, dass Gauck einige heikle Fragen, trotz angewandter Diplomatie, so beantwortete, wie es der Meinung der Mehrheit der Deutschen entspricht. So berief er sich, auf den Afghanistan-Einsatz angesprochen, auf das UN-Mandat und die so oft zitierte Friedensmission. Doch was fügte er als Schlusssatz hinzu? „Und deshalb kann ich diesen Einsatz ertragen.“ Nicht befürworten, nicht unterstützen, sondern ertragen!

Aus Christan Wulff spricht eher der aktive Politiker. Diplomatie ohne Bekennung. Auch er berief sich in der Afghanistan-Frage auf das UN-Mandat und die internationale Solidarität, schwenkte aber gleich zweimal vom Thema ab. Einmal auf die, allgemein akzeptierte, Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias, und dann auf das Bekämpfen von Terrorismus innerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Auch bei der Frage nach den Leitmotiven sammelte Gauck eindeutig Punkte. Seines ist „Freiheit“, aber – und hier drückte er sich mehr als deutlich aus – er nennt es „die Freiheit der Erwachsenen“, im Sinne von Verantwortung. Dabei verwies er einerseits auf die Solidarität innerhalb der Bevölkerung, insbesondere jedoch auf die Solidarität der Führung mit dem Volk. Er will keinen „bemutternden Fürsorgestaat“.

Wulffs Leitmotiv ist „Zukunft“. Darauf angesprochen, dass dies ein weitgespannter Begriff sei, folgten einige Erklärungen über die Veränderungen in der Demographie, dass es immer mehr ältere Menschen geben werde und diese in die Aktivitäten des Staates eingebunden werden sollten.

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Wulff, der als Ministerpräsident von Niedersachsen zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Politik eine türkischstämmige muslimische Ministerin ernannt hatte, präsentiert sich im Sinne des vorherrschenden Zeitgeists. Er spricht von Integrationsförderung und letztendlich auch von einer gezielten Harmonisierung der drei monotheistischen Religionen.

In einem Punkt drückte er sich allerdings unmissverständlich aus. Die Finanzmärkte erachtet er als Monster und befürwortet, deren Einfluss auf die Politik zu schwächen.

Auf die gleiche Frage, ob die Finanzmärkte Monster seien, antwortete Joachim Gauck langsam: „Eher nicht, weil ich davon auch zu wenig verstehe. Ich bin dabei, mich in solche Themen einzuarbeiten!“ Immerhin, ein respektierungswürdiges Bekenntnis. Gleichzeitig fügte er aber hinzu, dass der Bürger nicht in Angst versetzt, sondern zum Mut für Veränderungen angespornt werden sollte. Aufgabe sei es, „wenn schon ein Monster existiert, dies zu bekämpfen oder seine Wirkungsmöglichkeiten zu begrenzen.“

Beide Kandidaten wurden auch auf ihre Meinung zur Frage eines erhöhten Spitzensteuersatzes, einer „Reichensteuer“, angesprochen. Die Antworten waren in beiden Fällen neutral und diplomatisch und doch klingen die Formulierungen grundverschieden. Wulff wehrte sich erst gegen eine direkte Stellungnahme, weil ein Bundespräsident auf derartige Entscheidungen verfassungsgemäß keinen Einfluss habe. So wurde die Frage umformuliert, auf: „Wie würden Sie es jetzt, als Ministerpräsident, beurteilen?“ Daraufhin erklärte er: „Dann sage ich, dass man sich in einer Koalition vertrauensvoll auf ein Gesamtkonzept verständigen muss!“

Joachim Gauck antwortete auf die gleiche Frage direkt: „Ich kann mir vorstellen, dass ich das gut finde, was dem Land nützt und auch den inneren Frieden fördert.“

Falls Sie die beiden Sendungen des ARD nicht ohnehin schon im Fernsehen verfolgt haben, so möchten wir Sie ermutigen, die Aufzeichnungen anzusehen und danach ihre Meinung in unserer Umfrage auszudrücken. Wir möchten herausfinden, welcher der beiden Kandidaten es verdient, vom Volk bevorzugt zu werden, möchten dieses demokratische Urteil demonstrieren und dann gespannt abwarten, wie die Politiker, die Vertreter des Volkes, sich letztendlich entscheiden werden.

Hier nochmals die Links zu den Aufzeichnungen:

Farbe bekennen: Joachim Gauck

Farbe bekennen: Christian Wulff

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