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Bundespräsidentenwahl – Verlierer und Gewinner

standarte bundespraesidentEin langer Tag im Plenarsaal des deutschen Bundestages ist beendet. Mit Christian Wulff hat das Land einen neuen Bundespräsidenten, der im dritten und letzten Wahlgang die nötige, Mehrheit erhalten hat. Wir dürfen ihm an dieser Stelle zur Wahl gratulieren und ihm viel Glück und Erfolg für die kommenden 5 Jahre wünschen, er kann es sicherlich gut brauchen. Die Bundesversammlung hat gesprochen! 

Ob Wulff nun aber wirklich zu den Gewinnern des Tages zählt sei dahingestellt, denn es ist, zumindest aus seiner und der Sicht von Bundeskanzlerin Merkel, nicht so gelaufen, wie es der Plan und die wirklich ordentliche Mehrheit an Wahlfrauen und –männern, hat erwarten lassen.

Was primär im ersten, aber auch im zweiten, Wahlgang passiert ist, darf durchaus als unerwartet, um nicht zu sagen sensationell, bezeichnet werden. 44 "Abweichler" aus Koalitionskreisen hatten den Mut, gegen den eigenen Kandidaten zu stimmen, in Durchgang 2 waren es immerhin noch 29. Wer hätte gestern eine Wette darauf abgeschlossen? Wahrscheinlich niemand.

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Und dann kommt es zum dritten und entscheidenden Wahlgang, vor dem es offenbar intensive Gespräche gegeben hat. Die Kandidatin der LINKE, Luc Joachimsen zieht ihre Kandidatur zurück und die Parteispitze empfiehlt ihren Delegierten die Enthaltung, was letzten Endes die Entscheidung bringt. Auch wenn die Wahl offiziell „freigegeben“ wurde, was bei einer freien und geheimen Wahl eigentlich obligatorisch sein sollte, konnten sich nicht genügend Linke dazu durchringen, das aus ihrer Sicht kleinere Übel zu unterstützen. Ärgerlich, dass Demokratie eben auch erlaubt, gar keine Meinung zu haben.

Nun aber zurück zur Überschrift, die offen lässt ob es einen oder mehrere der jeweiligen Kategorie gibt. Machen wir es kurz und nur in Stichpunkten:

 

Verlierer:

Merkel, Westerwelle und ihre K.O.alition – weil sie ihr Gesamtbild quasi abgerundet haben. Uneinigkeit kann besser nicht demonstriert werden

Die LINKE - schießt sich selbst ins Knie. Ermöglicht einen, alldings fragwürdigen, Triumpf der Erzfeindin. Zieht den Unmut des Volkes auf sich und verbaut sich mögliche Zukunftschancen auf Anerkennung und Koalitionsangebote. Eine bessere Steilvorlage für einen Imagewechsel hätte nicht einmal ein Podolski auf Klose abgeben können.

Das Volk - weil die „Volks“vertreter den absoluten Wunschkandidaten nicht gewählt haben

Christian Wulff - weil er mit fadem Beigeschmack ins Amt einzieht

Deutschland - weil mit Christian Wullf abermals ein "Grußaugust" (Zitat Urban Priol zu Horst Köhler) in Schloss Bellevue einzieht

 

Gewinner:

Die Demokratie  - sie geht an diesem Tag als einer von zwei Gewinnern vom Platz. Durch diese Wahl wurde die politische und natürlich auch demokratische Debatte innerhalb der Bevölkerung wieder belebt und es bleibt zu hoffen, dass dieser Zustand nicht in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wieder vollkommen einschläft. Selten hat sich das Volk in der gezeigten Form für das Thema interessiert und auch engagiert. Ein wahrhaft richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Joachim Gauck – auch wenn er die Wahl nicht gewonnen hat, ist er der eigentliche Gesamtsieger. Sein neuer Job ist zwar nicht gut bezahlt, aber eigentlich auch unbezahlbar: Bundespräsident der Herzen

 

Und am Samstag ist ja wieder Fußball, bis dahin dürfte das meiste vergessen sein - falls Jogis Jungs gewinnen.

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