Dienstag , 6 Dezember 2016
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Sind die Griechen uns mehr wert als unsere eigenen Rentner

Sicherlich werden Sie Mitleid mit den Bürgern Griechenlands haben, wenn sie ihr Geld auf tägliche Zuteilung erhalten und nicht einfach vom Konto abheben können. Unterdes haben die griechischen Banken wieder geöffnet und alles scheint seinen gewohnten Weg zu gehen. Immerhin ist ein drittes milliardenschweres Hilfspaket nach Griechenland geflossen, welches von unseren Steuergeldern finanziert wurde. Während zahlreiche Rentner hierzulande kaum von ihrer kargen Rente leben und ihre monatlichen Kosten bezahlen können, werden kaum vorstellbare Beträge aus dem Land geschafft und in die Bankenrettung investiert.

Der Gedanke, dass Senioren weniger wert sind als die Reputation Deutschlands in Europa, hat sich bereits in vielen Köpfen manifestiert und sorgt für Unmut. Das die Hilfspakete nicht den griechischen Bürgern, sondern den Banken zu Gute kommen, verstärkt den Unmut und lässt immer lautere Stimmen gegen die finanzielle Unterstützung von Griechenland hören. Wird die deutsche Reputation in Europa auf dem Rücken unserer Senioren ausgetragen und wie ist es möglich, dass für Hilfspakete Milliarden da sind und Rentner Hartz 4 beantragen oder arbeiten müssen?

Bundesregierung verschließt Augen vor Altersarmut

Lauscht man den Worten der Politik, sollte es unseren Senioren gut gehen und an nichts mangeln. Doch die Realität sieht anders aus und begründet die Sorge, mit der Sie auf Ihren Lebensabend zuschreiten. Schon jetzt reichen die staatlichen Renten nicht zum leben, Zusatzrenten alias Riester und Rürup haben sich als wenig effizient erwiesen und auch der Spargroschen lässt sich dank Niedrigzinsen nicht mehr vermehren. Hinzu kommt die demographische Entwicklung, die alles andere als eine günstige Zukunftsprognose aufzeigt und die Angst vor einem Rentnerdasein in Armut steigert. Dem gegenüber stehen Milliarden für die Bankenrettung, damit Griechenland „wieder auf die Beine“ kommt und nicht vor dem Grexit steht. Selbst die Hälfte der bisher gewährten Hilfspakete würden der Altersarmut im eigenen Land vorbeugen und eine Basis schaffen, Rentner vor der Beantragung von Hartz 4 oder unterbezahlten Nebenjobs zu schützen. Doch wenn Sie sich gegen das Hilfspaket äußern, werden Sie in die rechte Ecke eingeordnet und müssen befürchten, dass sich Familie und Freunde aufgrund Ihrer Einstellung von Ihnen abwenden.

Die Perspektive ist entscheidend. Ihre Äußerung gegen Hilfspakete zur Bankenrettung hat nichts damit zu tun, dass Sie den Bürgern in Griechenland Armut und wirtschaftliche Probleme wünschen. Fakt ist aber auch, dass Sie wie viele andere Rentner vor den Scherben Ihrer Existenz stehen und jeden Monat rechnen und Ihr Geld zusammen halten müssen. Von einer deutschen Altersarmut ist in der Politik keine Rede und es ist selbstverständlich, dass das reiche Deutschland seinen europäischen Brüdern hilft und finanzielle Unterstützung anbietet. Prinzipiell wäre gegen effektive Hilfen nichts einzuwenden, würden diese nicht zu Lasten unserer Steuerzahler und vor allem unserer Rentner gehen. Schon als Kind lernen Sie doch, dass Sie teilen, aber immer auch ein Stück für sich behalten und nicht alles verschenken sollten.

Altersarmut bei deutschen Rentnern
Ein sorgenfreier Lebensarmut ist fast unmöglich / Bild: PublicDomainPictures – Pixabay.com/de

Gibt es ein Hilfsmittel gegen Altersarmut?

Die Antwort ist ein klares Ja. Die EZB ist in der Lage, Geld aus dem Nichts zu schöpfen und es für die viel diskutierten Hilfspakete zur Verfügung zu stellen. Dadurch wird der Anschein erweckt, dass für alles Geld da ist, nur nicht für Senioren. Liegt es daran, dass Rentner nicht mehr wirtschaftlich effizient sind und aus diesem Grund abgestellt werden? Oder möchte die Bundesregierung das deutsche Image polieren und widmet sich aus diesem Grund hingebungsvoll all den Problemen, die um sie herum entstehen? In beiden Aussagen liegt mehr als nur ein Funke Wahrheit. Sehen Sie sich auf der Arge um und erkennen mit Schrecken sehr viele Menschen, die aufgrund ihres Lebensalters gar nicht im Wartebereich sitzen und auf Hartz 4 angewiesen sein dürften. Oder sehen Sie Ihren Zeitungsboten, den Nachtwächtern oder Hermes-Fahrern ins Gesicht und Sie werden feststellen, dass die meisten Berufstätigen in diesen Branchen bereits im Rentenalter sind und sich eigentlich von ihrem Arbeitsleben erholen müssten.

Wir leben in einem Land, in dem gerade für Kinder und Rentner sehr wenig getan wird. Mit ein paar Euro Rentenerhöhung, die in keiner Relation zu den stetig steigenden Lebenshaltungskosten steht, müssen sich die Menschen zufrieden geben, die 40 und mehr Jahre ihres Lebens für den Staat gearbeitet und Steuern erwirtschaftet haben. Gerechtigkeit ist Fehlanzeige und es macht traurig, diese voranschreitende, erschreckende Entwicklung zu beobachten. Die Wut der Bevölkerung ist durchaus verständlich, auch wenn Sie sich immer vor Augen halten müssen, das die Gelder nicht an die griechische Bevölkerung, sondern an die Wirtschafts- und Finanzfraktion gezahlt werden. Das einzige Hilfsmittel gegen Altersarmut wäre ein klares Nein, das unsere „Mutti“ in Bezug auf weitere Finanzhilfen äußert. Solange die Zahlungen fließen und für unsere Senioren nichts hängen bleibt, wird sich weder am Unmut, noch an der Altersarmut wirklich etwas ändern.

Die richtige Partei wählen
Die Bürger entscheiden die Partei und akzeptieren somit deren Politik / Bild: blickpixel – Pixabay.com/de

Was sind Oma und Opa heute noch wert?

Im kleinen Kreis werden ältere Menschen geschätzt und erfahren die Würdigung, die sie für ihre Lebensleistung verdient haben. Doch aus den Augen der Politik oder des Wirtschaftssektors betrachtet, werden Senioren immer mehr als Belastung gesehen und müssen sich mit dem zufrieden geben, was sie für ihren Ruhestand erhalten. Als die Zinsen noch höher und die Möglichkeiten für private Altersvorsorge vorhanden waren, war Altersarmut nur eine Befürchtung. Heute ist sie offenkundige Tatsache und lässt sich nicht mehr von der Hand weisen. Auch wenn Wertschätzung nicht nur mit Geld erbracht wird, spielt das Budget für ein ruhiges und entspanntes Leben eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sicherlich möchten Sie sich an Ihrem Lebensabend ebenfalls zur Ruhe setzen und die Früchte ernten, für die Sie ein Leben lang gesät, gepflanzt und gewirtschaftet haben. Geht es so weiter wie bisher, können Sie sich auf ein Rentendasein in unterbezahlter Berufstätigkeit oder den Gang zur Arge einstellen. Denn eine Besserung wird ausbleiben, wenn finanzielle Mittel zwar für Europa, aber nicht für die Menschen im eigenen Land zur Verfügung stehen.

Anstelle Milliarden auf dem Bankensektor zu versenken, könnten kleine Veränderungen in der Politik den Problemen der demographischen Entwicklung vorbeugen und die Altersarmut zu einem Meer ohne Nährboden werden lassen. Doch das Hauptproblem ist nicht einmal die Politik mit Mutti an der Spitze, sondern der Bürger selbst, der die Regierung wählt oder der Wahl fern bleibt und seine persönliche Meinung lieber für sich behält.

Titelbild: klausdie / Pixabay.com/de

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