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Steigt die Gefahr von Terroranschlägen?

explosion_symbolEin brutaler Terroranschlag zum Jahresausklang in der ägyptischen Stadt Alexandria, der zumindest 21 Menschenleben forderte, schockiert die Welt. Ein möglicher Anschlag gegen einen Zeitungsverlag in Dänemark wurde vereitelt. In Stockholm explodierte am 11. Dezember eine Autobombe. Ende September wurden Warnungen vor Anschlägen in Deutschland - als mögliches Ziel wurde sogar der Bundestag genannt – Frankreich und England verlautet. Am 27. November wurde im US-Bundesstaat Oregon ein afro-amerikanischer Muselman verhaftet, der FBI-Agenten eine Bombenattrappe abgekauft hatte. Am 1. Mai wurde am New Yorker Times Square eine Autobombe kurz vor ihrer Explosion entdeckt. Wie soll das weiter gehen?

Mit schmerzlicher Regelmäßigkeit ereignen sich rund um die Welt hinterhältige, brutale, tödliche Anschläge. Die gleichzeitig zunehmenden Sicherheitsvorkehrungen bieten zwar wenig Schutz, konfrontieren harmlose Bürger, insbesondere bei Flugreisen, jedoch mit peinlichen und erniedrigenden Körperkontrollen. Vermutlich vergeht nicht ein einziger Tag, an dem der Name „Al-Kaida“ nicht in irgend einer Meldung Erwähnung findet. Wie könnte sich die Bedrohung durch internationalen Terrorismus weiter entwickeln?

Der Begriff „Terrorismus“ findet grundsätzlich für alle gewaltsamen Anschläge, die sich gegen eine bestehende politische Ordnung richten, Anwendung, auch wenn diese nur eine vorübergehende Situation darstellt, wie etwa in militärisch besetzten Gebieten. Im Gegensatz zum Guerilla-Krieg, handelt es sich beim Terrorismus um keine militärische Strategie, etwa zur Gebietseinnahme, sondern um das Ausüben von Druck bzw. die Verbreitung von Angst und Schrecken. Von religiös motiviertem Terrorismus zu sprechen bringt eine Fehleinschätzung religiösen Denkens und damit die Gefahr mit sich, Misstrauen gegen Anhänger bestimmter Glaubensgemeinschaften zu schüren. Religiöse Lehren führen ausschließlich dann zu Konfliktsituationen, wenn sie für politische Zwecke missbraucht werden. Ob einzelne Glaubensrichtungen möglicherweise in ihrem Kern politisch beeinflusst sind, soll nicht zum Thema dieses Artikels werden.

In der englischen Ausgabe von Wikipedia findet sich eine Liste der Terroranschläge des Jahres 2010. Die meisten der fast 100 angeführten Vorfälle beziehen sich allerdings auf lokale Probleme, die nicht ins Bild des sogenannten „internationalen Terrorismus“ fallen. Nicht, dass die Opfer deswegen weniger Mitgefühl verdienen, doch sind Bürger deutscher Lande kaum davon betroffen, wenn bestehende Konflikte zwischen Russen und Tschetschenen, Türken und Kurden oder Israelis und Palästinensern zu Gewalttaten führen. Ob die in dieser Liste ebenfalls angeführten Anschläge gegen Einrichtungen der Besatzungsmächte in Irak und Afghanistan wirklich als Terrorismus zu bezeichnen sind, würde ebenfalls ein Thema für sich darstellen.

Was unumstritten eine gewisse Bedrohung für Bürger westlicher Länder mit sich bringt, ist die Verbreitung aggressiver Ideologien, die, zumindest überwiegend, von Kreisen islamistischer Fanatiker ausgehen. Die Existenz eines mysteriösen Netzwerks von Terroristen namens Al-Kaida ist grundsätzlich anzuzweifeln. Basierend auf einer Dokumentation von Adam Curtis, die u. a. von BBC ausgestrahlt wurde, findet sich bei The Intelligence ein Artikel, der sich näher mit den verfügbaren Fakten auseinander setzt. Die diesbezüglich von mehreren Regierungen, allen voran die der USA, angenommene Gefahr brachte unter dem Deckmantel von Schutz und Sicherheit seit dem Jahr 2001 bestimmte Kontrollmechanismen mit sich, die weit in die Privatsphäre des einzelnen Bürgers reichen. Terroranschläge, die Al-Kaida zugeschrieben werden, zeichnen sich vor allem durch außergewöhnliche Medienwirksamkeit aus.

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Eine Gefahr, die jedoch unumstritten wächst, geht von individuellen Fanatikern aus, die sich an einem missverstandenen „Heiligen Krieg“ beteiligen möchten. Nachdem uns keineswegs daran liegt, die Samen für wirre Ideen zu säen, unterlassen wir es, auf Details näher einzugehen. Möglichkeiten, unsere bestehende Ordnung durch regelmäßig wiederholte kleinere Angriffe gegen Einrichtungen und Menschen zu untergraben, stünden selbst Amateuren jederzeit zur Verfügung. Allein der Umstand, dass solche durchaus selten genützt werden, lässt darauf schließen, dass dieses so oft zitierte Netzwerk, dessen Mitglieder uns „hassen, weil wir frei und reich“ seien, eher in den Bereich von Verschwörungstheorien einzuordnen ist. Trotzdem müssen wir leider davon ausgehen, dass es eine gewisse Zahl von Menschen geben könnte, die sehnsüchtig auf eine Ausweitung des Konfliktes der Ideologien warten, die jederzeit bereit wären, sich selbst zu engagieren. Auch wenn sich die Existenz eines zentralgesteuerten Netzwerkes anzweifeln lässt, dass sich versplitterte Gruppen bilden, die sich dem „Krieg gegen den Terrorismus“ auf Seiten der Terroristen anzuschließen versuchen, entspricht einer leider durchaus zu befürchtenden Entwicklung.

Der missglückte Mordanschlag gegen den Karikaturisten Kurt Westergaard sollte diesbezüglich ebenso zu denken geben, wie der vor wenigen Tagen vereitelte Anschlag gegen die dänische Zeitung Jyllands-Posten, in der die umstrittenen Mohammed-Zeichnungen veröffentlicht wurden. Humor ist Bestandteil europäischer Kultur. Auch wenn solcher nicht in Geschmacklosigkeit abgleiten sollte, das Leben eines Künstlers bloß deswegen zu bedrohen, weil er einen bärtigen Mann mit einer Bombe als Turban darstellt, ist nicht nur aufs äußerste zu verurteilen, es passt einfach nicht in unsere Zivilisation. Es liegt mir fern, an dieser Stelle ein Beispiel an den Haaren herbei zu ziehen, nur um meine Sympathie für Kurt Westergaard auszudrücken, doch steht es jedem Künstler, jedem Autor und jedem Verlag in der westlichen Welt frei, seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Auch wenn sich diese gegen politische oder religiöse Figuren richtet oder als Kritik missverstanden werden könnte.

Die Sprengwirkung der Autobombe in Stockholm vom 11. Dezember war zum Glück minimal. Wie Video-Aufnahmen zeigen, blieben die Auslagenscheiben, nur wenige Meter neben dem brennenden Fahrzeug, unversehrt. Der Attentäter, der sich am gleichen Tag, nur wenige hundert Meter entfernt, selbst in die Luft sprengte, schien für seine Mission ebenfalls nicht sonderlich gut vorbereitet gewesen zu sein. Zum Glück wurden nur zwei Menschen in seiner Nähe leicht verletzt. Doch bei genau dieser Art von Anschlägen zeigt sich die Gefahr, die durch den sogenannten „Krieg gegen Terrorismus“ entsteht: Die Aktionen von fanatischen Einzeltätern oder Kleingruppen.

Ungeachtet wie niedrig der Anteil fanatischer Islamisten sein möge, jeder hinterhältige Anschlag fördert anti-islamische Stimmung. Ich gehe zwar keineswegs davon aus, dass dieser Artikel von Menschen gelesen werden könnte, die mit dem Gedanken an mögliche Terrorattacken spielen, doch sollten sich diese bewusst sein, dass letztendlich ihre eigenen, friedliebenden Glaubensgenossen am meisten unter den Konsequenzen leiden würden. Ein harmonisches Zusammenleben innerhalb einer Gemeinschaft wird durch jede Gewalttätigkeit gestört. Ganz besonders, wenn unterschiedliches Kulturerbe aufeinander trifft. Ob mögliche Terroristen über Reste von Vernunft verfügen, an die sich appellieren ließe, sei dahingestellt. Aber auf eine gewisse Einsicht können wir trotzdem hoffen.


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