Die Mehrheit fordert einen Rückzug aus Afghanistan
Amerikas Vorwand, in Afghanistan einzumarschieren, war fadenscheinig. Osama Bin Laden ist von dort schon lange verschwunden, doch der Krieg, der angeblich gar keiner sein soll und nun „umgangssprachlich“ doch einer ist, geht weiter. Deutsche Politiker haben, gegen den Willen der Mehrheit, beschlossen, sich an diesem NATO-Einsatz zu beteiligen. Einer, von Stern in Auftrag gegebenen, Umfrage zufolge, sprechen sich 62 Prozent der Deutschen für einen Abzug aus. Gleichzeitig versprach Verteidigungsminister Guttenberg bei seinem Afghanistan-Besuch am Mittwoch mehr Waffen. Was denken sich Politiker dabei, wenn sie die Wünsche ihrer Wähler ignorieren? Fragen wir sie doch danach – und zwar direkt!
Die ehemalige Sowjetunion ist an ihrem Afghanistan-Krieg zerbrochen. Und völlig vergessen scheint, wie sehr die Welt damals gegen diesen Krieg protestiert hat. 1989 zogen die Russen ab. 2001 marschieren die Amerikaner ein – und mit ihnen eine Reihe anderer Länder, zu denen auch Deutschland gehört. Anfänglich als Selbstverteidigung eingestuft, um Osama Bin Laden zu jagen und Ausbildungslager von Terroristen zu zerstören, ergibt diese Rechtfertigung nach all den Jahren immer weniger Sinn. Dafür blüht der Opiumanbau, der unter der Taliban-Regierung praktisch verschwunden war.
Anfang März, anlässlich der Vorstellung eines Demoskopie-Jahrbuches, hielt Angela Merkel eine Rede, in der sie zum Ausdruck brachte, dass „die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, die Wiederbewaffnung, die Ostverträge, der Nato-Doppelbeschluss, das Festhalten an der Einheit, die Einführung des Euro und auch die zunehmende Übernahme von Verantwortung durch die Bundeswehr in der Welt – fast alle diese Entscheidungen“ gegen die Mehrheit der Deutschen erfolgt seien. Dann fügte sie noch hinzu: „Erst im nachhinein hat sich in vielen Fällen die Haltung der Deutschen verändert.“
Was den Afghanistan-Einsatz betrifft, hat sich die Haltung der Deutschen nicht verändert. Die überwiegende Mehrheit legt wenig Wert darauf, den Ruf einer kriegführenden Nation zu genießen, auch wenn am Wort „Krieg“ und dessen Auslegung herumgebastelt wird. Die Mehrheit der Deutschen will keine Terroranschläge aufgebrachter Islamisten provozieren. Man will keine Pipelines für amerikanische Ölfirmen sichern, nicht den Opiumhandel fördern und auch nicht den Iran umzingeln. Die Mehrheit der Deutschen will in Frieden leben!
Und die ganze Sache darf nicht einfach damit abgetan sein, dass der Stern ganz beiläufig auf das Ergebnis der Umfrage verweist! Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, ob Deutschland weiter Panzer und junge Männer zum Sterben in die Fremde schickt. Politiker eines demokratischen Landes haben dem Willen des Volkes entsprechenden Respekt entgegen zu bringen! Nachdem diese aber mittlerweile regelmäßig unter Beweis gestellt haben, dass Bürger nur kurz vor Wahlen für sie von gewissem Interesse sind, ist es an der Zeit, sie an ihre demokratischen Pflichten zu erinnern.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, wie es eigentlich jedem Deutschen völlig klar sein sollte, erfüllt der Abgeordnete die Rolle des Vermittlers zwischen Staat und Bürger. Auf der Webseite des Bundestages, findet sich die Liste der Namen aller Volksvertreter, von A bis Z – mit Parteizugehörigkeit, Biographie, persönlicher Webseite, Postanschrift und Emailadresse. Und wenn Sie den Namen des, für Ihren Wahlkreis zuständigen, Abgeordneten nicht kennen, dann geben Sie auf dieser Seite entweder Ihren Wohnort ein oder benutzen Sie die dort verfügbare Landkarte und der Name Ihres Vertreters taucht in wenigen Sekunden auf. Man muss ihn nicht selbst gewählt haben, um ihn an seine Pflicht zu erinnern.
Zu wenige, viel zu wenige, Bürger nehmen diese Möglichkeit in Anspruch. Fordern Sie von Ihrem Vertreter, dass er Ihre Interessen vertritt. Und, motivieren Sie andere, das gleiche zu tun. Sprechen Sie mit Ihren Kollegen und Freunden darüber. Schicken Sie Empfehlungen per Email, per Twitter, per Facebook. Das Internet bietet alle notwendigen Voraussetzungen. Beweisen wir den Politikern, dass wir Respekt verdienen, dass Bürger eines demokratischen Deutschlands auch auf ihre Rechte bestehen. Geben wir gleichzeitig aber auch denen, die bereit wären, unsere Interessen wirklich zu vertreten, die notwendige Rückendeckung.
Wir wissen, dass sich diese Idee verbreiten muss. Wir bitten Sie alle, mitzuhelfen. Wir bitten Sie, zu fordern, unsere Demokratie wieder zu dem System werden zu lassen, das man uns vor langer Zeit einmal versprochen hat. Insbesondere, wenn wir den Rückzug aus Afghanistan verlangen, kann uns wirklich niemand persönliche Interessen vorwerfen. Aber vielleicht gelingt es uns, ein paar Menschen, denen wir auch kaum jemals begegnen werden, ihr junges Leben zu retten.










