Zynisch: Afrikanische Zeitung nennt Costa-Concordia-Katastrophe ein „Luxus-Problem“
Monrovia – In Zeiten des Unglücks sollten die Menschen denjenigen Aufmerksamkeit und Mitgefühl schenken, die Opfer einer Katastrophe geworden sind. Aller sonstigen Kritik zum Trotz, insofern verhalten sich die europäischen Medien zur Zeit vorbildlich. Angesichts des erschütternden Unglücks der Costa Concordia überbieten sich die Berichte vor Feingefühl, während zugleich die Schuldigen erbarmungslos angeprangert werden. Und noch während von Tauchern und mit Hilfe von Sprengungen der Schiffshülle nach Überlebenden gesucht wurde, erhielten Millionen Zuschauer Gelegenheit, den Schrecken der Opfer bei Live-Interviews mitzuempfinden.
Doch nicht alle Medien zeigen solche Anteilnahme. In Afrika wird das Unglück von nahezu sämtlichen Zeitungen und Fernseh-Sendern übergangen. Es entsteht fast der Eindruck, als hätten dort ein paar tote Weiße keinen Nachrichtenwert. Wird ausnahmsweise doch über die Tragödie berichtet, fällt dabei ein abgestumpfter, sogar schon zynischer Unterton auf.
So kommentiert die „RUN“, das größte Boulevard-Blatt im Medien-Dschungel Liberias, der Vorfall zeige die Effekthascherei und Ressourcen-Verschwendung der selbsternannten „ersten Welt“. „Da steigen 4000 Leute aus Freizeit-Vergnügen auf einen Dampfer und laufen auf ein Riff, um dann gerade mal 13 Tote und ca. 20 Vermisste melden zu können. Das ist snobistisch.“ Afrikanische Seenot-Fälle seien authentisch und medial zudem wesentlich effektiver, trotz einfachster Mittel könne man stets höhere Opferzahlen vermelden. „Für uns sind Katastrophen kein Zeitvertreib.“ schließt das Blatt.
Westliche Medien-Beobachter halten statistische Vergleiche aber für verfehlt, es zähle die Qualität, nicht die Quantität einer Tragödie. Der anerkannte Experte für Katastrophen-Verwertung James Cameron hob hervor: „Billige Massen-Produktionen nutzen die Mitmenschlichkeit eher ab, statt sie zu wecken, das müssen die Afrikaner noch lernen.“ Not allein genüge nicht, nötig seien Ambiente und dramaturgisches Potential. „Wenn kurz vor dem Schiffbruch eine geheimnisvolle blonde Schönheit auf der Brücke des Luxus-Liners erscheint, dann kann man daraus sogar einen Film machen.“
Anmerkung der Redaktion. Der eben gelesene Beitrag darf unter „Satire (Zusatz: bitterböse)" abgeheftet werden.




