Montag , 26 September 2016
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Rauchverbot: Geht’s wirklich um die Volksgesundheit?

traffic highwayStriktes Rauchverbot in allen öffentlichen Lokalen, ja oder nein? Noch sind die Regelungen regional verschieden. Doch, wenn immer ein Kompromiss gefunden wird, der für alle zufriedenstellend scheint, dauert es nicht lange und es wird zu einer neuen Hetzkampagne geblasen. Das einzige wirklich akzeptable Argument für die Bemühungen, Raucher einfach „abzuschaffen“, wäre das Bestreben, der jüngsten Generation jede Motivation zu nehmen, sich der Sucht zu verschreiben. Vielleicht hätten rauchende Mitbürger mehr Verständnis dafür, würde auch ansonsten der Gesundheit mehr Augenmerk geschenkt werden.

Es wird wohl kaum einen Raucher geben, der seinen Kindern rät, selbst zu einer Zigarette zu greifen. Ich glaube, jede Diskussion über die gesundheitlichen Auswirkungen erübrigt sich. Mittlerweile weiß wirklich jeder bescheid.

Der regelmäßige Genuss von Nikotin führt unumstritten zur Sucht. Und genau hier liegt das Problem. Raucher sind einfach süchtig. Wer über einen entsprechend langen Zeitraum daran gewöhnt ist, seinen Körper mit Nikotin zu versorgen, verzichtet nicht bloß auf eine Gewohnheit, er leidet unter Entzugserscheinungen. Konzentrationsmangel, Schwindelgefühl, Beklemmungen, kurz gesagt, von Wohlbefinden ist einfach keine Rede mehr, wenn die Aufnahme dieser, über Jahrhunderte hinweg gesellschaftsfähigen, Droge unterbunden wird.

Schon in lange vergangenen Zeiten galt es als unstatthaft, am Esstisch, insbesondere in Damengesellschaft, eine Zigarette oder Zigarre anzustecken. Eine Szene in Camerons Film „Titanic“ erinnert daran, als sich die Herren in den Rauchsalon begaben, Jack Dawson der Einladung jedoch nicht folgte, um Rose heimlich in die Vergnügungen der dritten Klasse einzuführen. Gelegentlich wurde, des anhaftenden Geruchs wegen, im Rauchbereich sogar das Jackett gewechselt, woran die Bezeichnung „Smoking“ für den Abendanzug erinnert.

Eines Tages wurden Umsätze jedoch wichtiger als Manieren. Mit vereinten Kräften bemühten sich alle Medien uniform, davon zu überzeugen, dass die Zigarette einfach dazugehört. Wenn gelegentlich einmal ein Film aus den 1960er-Jahren im Fernsehen läuft, fällt es mittlerweile deutlich auf, dass damals wirklich jeder, Ärzte und Wissenschaftler eingeschlossen, ständig eine Zigarette in der Hand hielt. Und wer verdiente nicht aller daran: Die Hersteller von Zigaretten, die Zeitungen und Fernsehsender und natürlich auch der Staat. Denn süchtigmachende Produkte garantieren schließlich Steuereinnahmen auf lange Zeit. Dass die Sucht durch chemische Zusätze, wie etwas Formaldehyd, noch wesentlich verstärkt wurde, schien niemanden zu stören. Selbst heute werden dem Tabak noch unzählige Stoffe beigefügt, ohne dass dies sonderliche Beachtung findet.

Die Steuern auf Tabakprodukte sind exorbitant. Trotzdem sollen Raucher verschwinden. Dass Millionen unter der immer weiter fortschreitenden Unterdrückung leiden, scheint weder derer Mitmenschen noch die Mehrzahl der Politiker zu kümmern. Sie sind ja selber schuld. Es hat sie ja niemand gezwungen, damit zu beginnen. Und jeder kann es sich ja abgewöhnen. Wer nie rauchte, scheint wirklich zu glauben, dass dies ebenso einfach ist wie plötzlich auf Kaugummis zu verzichten. Dass Menschen, die ihren Körper über Jahrzehnte hinweg mit dem Suchtgift Nikotin versorgten, nach dem Abgewöhnen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, unter Bluthochdruck, Diabetes und sogar Lungenkrebs zu leiden, darüber hat The Intelligence, unter Verweis auf wissenschaftliche Studien, bereits berichtet.

Was die häufige Erkrankung an Lungenkrebs betrifft, so unterlassen es jene Massenmedien, die einst uniform die Volkssucht förderten, ebenso uniform, darauf zu verweisen, dass diese durch die Radioaktivität im Tabak begünstigt wird, die wiederum auf die Verwendung von Phosphordüngern zurückzuführen ist.

Dass fast ein Drittel der Bürger unter psychischen Störungen leidet, hat mit Rauchen sicher nichts zu tun. Dafür aber mit der Volksgesundheit. Wo bleiben hier die Forderungen nach besseren, nach menschlicheren Lebensbedingungen? Wo bleiben Gesetze und Verordnungen, die jene Einflüsse unterbinden, die uns psychisch krank machen? Wo bleiben die Bemühungen, den beruflichen Druck auf Menschen zu reduzieren, in Anbetracht der ständig steigenden Zahl von Herz- und Kreislauferkrankungen? Warum sind Hunderte von Lebensmittelzusätzen zugelassen? Was wird alles auf Felder gesprüht, um die Produktion zu steigern?

Diese Produkte seien alle getestet? Sie seien harmlos? Das hat man uns vor einigen Jahrzehnten auch über Tabak erzählt. Vermutlich sind auch die Abgase von Fahrzeugen getestet. Ich rate Ihnen jedoch nicht, sich selbst von der Harmlosigkeit von Auspuffgasen zu überzeugen. Die Überlebenschancen wären nicht hoch. Und welche Mengen werden davon täglich in die Luft geblasen? Warum führt diese Belastung nicht zu Panik und Hysterie? Doch ausgeatmeter Zigarettenrauch, wie wird der mittlerweile gefürchtet?

Ohne Zweifel war es an der Zeit, den Übertreibungen Einhalt zu gebieten. Insbesondere junge Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu manipulieren, sich einer Sucht hinzugeben, grenzt an ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Doch genau jene Menschen, die vor zwei, drei oder mehr Jahrzehnten diesen Kampagnen zum Opfer fielen, heute in respektloser Form zu diskriminieren, lässt sich im günstigsten Fall als Frechheit bezeichnen.

Ja, aber – so lautet die übliche Einleitung für dogmatische Gegenargumente – wie kommen Nichtraucher dazu, sich „Rauch ins Gesicht blasen“ zu lassen? Das „Ins-Gesicht-Blasen“ war zu jeder Zeit eine verachtete Unhöflichkeit. Wenn jedoch in einigen Metern Entfernung jemand eine brennende Zigarette in der Hand hält, ist das noch lange kein Grund zur Panik. Mit Sicherheit fügt ausgeatmeter Rauch der Gesundheit weniger Schaden zu als verbrannter Treibstoff.

Das Schlüsselwort für eine zufriedenstellende Lösung kann nur Rücksichtnahme lauten. Doch Rücksichtnahme, ebenso wie Respekt, beruht auf Gegenseitigkeit. Natürlich ist von Rauchern zu erwarten, dass sie Rücksicht nehmen. Jeder Mensch, der über ein Minimum an Erziehung verfügt, unterlässt es ja schließlich auch, seine Nachbarn durch das laute Abspielen von Musik seines eigenen Geschmacks zu quälen. Bei reduzierter Lautstärke nehmen wir es halt hin. Solange es nicht übertrieben wird, verdient auch schlechter Musikgeschmack Respekt. So wie auch nikotinsüchtige Mitmenschen, die noch dazu oft in fortgeschrittenem Alter sind (wie etwa Helmut Schmidt), Respekt verdienen.

Wenn der Besitzer einer Kneipe seinen Gästen in seinem eigenen Lokal den Genuss von Zigaretten erlaubt, was geht das den Staat an? Wen der Rauch stört, der darf sich ja schließlich ein anderes Lokal aussuchen. Noch nie hat jemand daran gedacht, laute Musik in Diskotheken zu verbieten, weil dies zu Gehörschäden führen könnte. Wer den Lärm nicht mag, der geht einfach nicht hin.

In manchen Ländern, z. B. Ungarn oder Griechenland, gibt es Rauchverbote, die schlicht ignoriert werden. In bestimmten Regionen Deutschlands gibt es (noch) akzeptable Kompromisse. Die Mehrzahl der rauchenden Mitmenschen sieht mittlerweile durchaus ein, dass Zigarettenrauch nicht überall willkommen sein kann. Doch immer öfter zeigen sich Tendenzen, generelle Rauchverbote einzuführen. Ein Vorreiter in dieser Richtung ist Kanada, was vermutlich daran liegt, dass sich die dort lebenden Menschen willig jeder Manipulation hingeben. Vielleicht sind es die extrem kalten Winter, die auf die Gehirnaktivitäten ihren Einfluss ausüben. Zu beobachten, wie Menschen bei 20 Grad unter dem Gefrierpunkt im Freien stehen, weil Rauchern der Zutritt selbst ins verkommenste Pub verboten ist, verdeutlicht wohl am besten die Unmenschlichkeit dieser Art von Gesetzgebung.

Sollte die seelische und physische Gesundheit der Menschen eines Tages wirklich bedeutender sein als das Bruttoinlandsprodukt und die Interessen der Märkte, dann werde ich mich freudig dazu bekennen, dass Rauchen einfach nicht in so ein Bild passt. Doch davon sind wir weit entfernt. Wir leben mit Stress, Umweltverschmutzung, Chemikalien, Pestiziden, Verkehrsstaus und Industrieabgasen. Gelegentlich frage ich mich sogar, ob nicht die Interessen der pharmazeutischen Industrie hinter dieser organisierten Diskriminierung stecken. Schließlich belegen manche Statistiken, dass Raucher im Durchschnitt jünger sterben – und ältere Menschen sind bekanntlich die besten Kunden für das „Geschäft mit der Gesundheit“. Aber das ist nur so ein Verdacht.

Vorläufig empfehle ich Politikern ebenso wie Nichtrauchern, zu bedenken, dass auch Raucher menschliche Wesen sind und Respekt verdienen. Und den rauchenden Mitbürgern rate ich, neben der ohnehin bereits sehr verbreiteten Rücksichtnahme, sich nicht als „Menschen zweiter Klasse“ behandeln zu lassen. Nicht nur, dass Minderheiten in Deutschland oft genug besondere Behandlung zuteil wird, nachdem rund ein Viertel aller Erwachsenen dieser Gruppe angehört, handelt es sich bei Rauchern um eine Minderheit, der nicht überhört werden sollte.

Über Konrad Hausener

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