Samstag , 16 Dezember 2017
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Zurück ins Gedächtnis – Das Wounded-Knee-Massaker 29.12.1890

wounded_knee_massengrabAuch heute noch werden die Ureinwohner Amerikas bei uns gemeinhin als „Indianer“ bezeichnet. Unser Wissen erstreckt sich zumeist auf einige, mehr oder weniger, gute Filme oder das was ein gewisser Karl May hinterlassen hat, der sich zwar hervorragend in der mittelalterlichen Geschichte Brandenburgs auskannte, von den „Indianern“ aber soviel Ahnung hatte, wie eine Kuh vom Tauchen. Und so ist auch von der Ausrottung und dem Massenmord an über 500 verschiedenen Völkern, allein in Nordamerika, nicht viel bekannt und wird von dem „zusammen gewürfelten Haufen Bastarde“, wie ein japanischer General die Amerikaner einst nannte auch heute noch gern vergessen, oder als die „Ausbreitung der Zivilisation“ benannt.

Ein Beispiel dafür, dass die weißen Eroberer, die sich auch noch gerne auf ihre Gottesfürchtigkeit berufen, oft alles andere als zivilisiert waren, jährt sich heute zum 120. Mal. Das Massaker von Wounded-Knee. Das traurige Ende des Widerstandes der Lakota und die wohl endgültige Zerschlagung der Geistertanz-Bewegung, bei einer kleinen Ortschaft in der Pine-Rigde-Reservation im US-Bundesstaat South Dakota. Um weitere Ausführungen zu erleichtern, zunächst zur Klärung einiger Begrifflichkeiten.

Der Name „Sioux“ stammt eigentlich von den Franzosen und hat seinen Ursprung in der Sprache des Ojibwa- (Chippewa-) Stammes und dem Wort für Feind, oder Schlange (Natter), „Nadoweis-siw“. Die Franzosen machten daraus „Nadoues-sioux“ und schließlich, als Verhöhnung, „Sioux“. Welches übrigens nicht, wie oft gehört, „sihux“ ausgesprochen wird, sondern „suuh“. Sich selbst nannten die Sioux, je nach dialektischer Sprachfärbung Lakota, Nakota, oder Dakota, was soviel wie Alliierte, oder Freunde bedeutet. Allein die Lakota unterteilten sich, Mitte des 19. Jahrhunderts, in die Hauptstämme der Hunkpapa, Sihasapa, Minniconjou, Itazpico (Sans Arc), Oohenonpa, Sicangu (Brulé) und Oglala, sowie ihrer zahlreichen Untergruppen. Sie alle, sowie die Stämme der Dakota und Nakota werden bei uns pauschal als „Sioux“ bezeichnet.

Viele sehen heute noch das Wounded-Knee-Massaker, bei dem 350 Lakota, zum größten Teil Frauen und Kinder, getötet wurden, als Racheakt für ein Ereignis an, welches 14 Jahre früher statt fand. Nämlich die Schlacht am Little Big Horn, am 25.6. 1876, bei der die 7. Kavallerie, unter der Führung von General Custer eine vernichtende Niederlage erlitt. Der eigentliche Grund – auch dieser Schlacht – war die letztendliche Vernichtung der Kultur der nativen Völker Amerikas und nicht etwa ein Kampf ums Überleben, sondern um Gold.

Dieses wurde 1874 auch in den heiligen Bergen der Lakota, den Black Hills gefunden. Das veranlasste die Regierung, aufgrund der Weigerung der Ureinwohner dieses Land zu verkaufen, einen weiteren Vertrag zu brechen und sich mit Gewalt zu nehmen, was ihr zu keiner Zeit, mit keinem Recht der Welt zu stand. Zudem war für die Lakotas Land niemals ein Besitz den man verkaufen konnte. Es gibt bis heute, meines Wissens nach, keinen einzigen (Friedens-) Vertrag mit der den „Indianern“, den die amerikanische Regierung eingehalten hätte.

In welcher Weise die Ureinwohner Amerikas, im Laufe der Jahre systematisch dezimiert wurden, ihnen ihr Land und ihre Nahrungsmittelgrundlagen entzogen, sie mit Krankheiten infiziert und nicht zuletzt abgeschlachtet wurden, wird in zahlreichen Büchern beschrieben. Auch die Dokumentations-Reihe „500 Nations“, die im Handel erhältlich ist, veranschaulicht dies sehr eindrucksvoll und zutiefst bedrückend.

Der wohl entscheidende, letzte Akt der Zerschlagung eines Widerstandes der Lakota begann im Sommer 1890. Die unter vielen Stämmen entstandene „Geistertanz-Bewegung“, die ein letztes Bestreben darstellte, althergebrachte Traditionen und Zeremonien ausüben zu können, wurde von der amerikanischen Regierung als Zusammenrottung eines Aufstandes interpretiert und verfolgt. Man befürchtete, dass vor allem der Einfluss des Häuptlings der der Hunkpapa-Lakota, „Tatanka yo Tanka“ (Sitting Bull) bei seinen Stammesangehörigen zu Gewaltakten führen könnte. So schickte man das Militär aus, um die Anführer der Geistertänzer zu verhaften, zu denen auch der Häuptling der Minniconjou-Lakota, „Sitanka“ (Big Foot) gehörte.

Am 15.Dezember 1890 wurde Sitting Bull, durch Angehörige seines eigenen Stammes die inzwischen zur Reservationspolizei übergelaufen waren, in der Standing Rock Reservation ermordet. Seine verbliebenen Anhänger flohen in das Lager der Minniconjou-Sioux, welche vom gealterten und kranken Big Foot angeführt wurden. Obwohl Big Foot den Frieden mit den Weißen suchte, wurde er als Unruhestifter betrachtet und weiter vom Militär verfolgt. In der Nacht des 23. Dezember 1890 verließen etwa 350 Leute das Minniconjou-Dorf am Cheyenne River, um Schutz im Pine Rigde-Reservat, bei einer Gruppe der Oglala-Lakota und dessen Häuptling Mahpíya Luta (Red Cloud), zu suchen.

Am 28.Dezember 1890 wurde Big Foots Gruppe allerdings von Soldaten der 7. Kavallerie unter der Führung von Major Samuel Whitside umringt und zum Ufer des Wounded Knee Flusses gedrängt. Kurze Zeit später trafen, unter der Führung von Colonel James Forsyth weitere Soldaten ein, so dass ihre Anzahl bei etwa 500 lag. Die Lakota wurden verhört, vor allem auch um zu ermitteln, wer von ihnen 14 Jahre früher an der Schlacht am Little Big Horn teilgenommen hatte. Bei der Entwaffnung der „Indianer“ löste sich ein Gewehrschuss, der zwar niemanden verletzte, die Soldaten jedoch sofort dazu veranlasste das Feuer aus ihren Waffen und den in Stellung gebrachten „Hotchkiss Kanonen“ auf die wehrlosen Lakota zu eröffnen.

Die meisten Lakota starben im Kugelhagel, oder erfroren verletzt in dieser Nacht. Wer überlebt hatte, fast nur Frauen und Kinder, dem wurde versprochen unversehrt zu bleiben, wenn man sich stellen würde. Sie wurden aber schließlich, als letzter Akt der „Rache für Little Big Horn“, von den Kanonen der 7. Kavallerie niedergemetzelt.

Gedenken wir heute all derer, gleich welchen Glaubens, die weiterhin im Namen Gottes getötet werden. Die sterben müssen, weil Menschen habgierig sind.

Iyáya pi yo!

Iyáya pi ye!

 

Oliver Wellmann

 

Die Serie Zurück ins Gedächtnis ist eine Bitte an Sie, sich selbst wieder dazu aufzufordern, Informationen nicht nur zu registrieren, sondern sie zu hinterfragen. Dazu gibt es heute vielerlei Möglichkeiten. Ich verzichte deshalb mit Absicht auf jegliche Quellenangaben, denn auch mir stehen „nur“ diese Möglichkeiten zur Verfügung.

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