Was ist mit den Griechen los
Angriff sei die beste Verteidigung. Verteidigung, wogegen? Gegen Vorwürfe, dass Gelder, die aus der EU kommen, teils durch nicht-transparente Kanäle fließen und sich das Land in einer finanziell schwierigen Situation findet? Ein Münchener Magazin mag eine harte Schlagzeile gewählt haben. „Betrüger in der Euro-Familie“ klingt wirklich nicht gut. Dazu die Venus von Milo mit gestrecktem Mittelfinger. Allerdings, die Reaktionen einiger Griechen sind nicht nur sonderbar, sondern auch lächerlich. Und wirken, als kämen sie aus einem anderen Kulturkreis.
Schon vor wenigen Tagen passierte etwas Sonderbares. Wie von The Intelligence berichtet wurde, behauptet der griechische Vize-Premier, Theodoros Pangalos, während des zweiten Weltkrieges sei Gold und Geld gestohlen, und nie zurückbezahlt, worden. In Deutschland wurde sofort an eine Zahlung im Jahr 1960 erinnert, nicht zu reden von späteren Milliarden-Unterstützungen.
Von direkten Parallelen, die man in dieser Behauptung erkennen könnte, abgesehen, erfolgt plötzlich eine Attacke gegen deutsche Produkte, was, in einem anderen Land und von einer anderen Gruppe provoziert, vor langer Zeit auch schon einmal der Fall war. Wie bei Spiegel-Online zu lesen ist, ruft ein mächtiger griechischer Verbraucherverband, namens Inka, durch Flugblätter und Internetaufrufe, zu einem Boykott deutscher Waren und deutscher Geschäfte auf. Besonders lässt man sich gegen die „Verfälschung einer Statue der griechischen Geschichte“ aus, die einer Zeit entstammt, als Deutsche noch „Bananen auf Bäumen“ gegessen hätten. Die genannte Statue stammt übrigens aus der Zeit von etwa 100 v. Chr. und ist nicht in Athen, sondern im Pariser Louvre ausgestellt.
Die Sensibilität gegenüber Symbolen der Geschichte kennen wir auch aus einem anderen Lager. Gegen einen dänischen Karikaturisten wurde sogar ein Mordanschlag verübt, weil er einen Turbanträger mit Bombe am Kopf gezeichnet hatte. Und jetzt eine Venus mit Stinkfinger. Unerhört.
Wie sollte man in Deutschland nun darauf reagieren? Urlaubsflüge nach Rhodos stornieren und auf Retsina und Tsatsiki verzichten? Die ganze Story wirkt und ist lächerlich.



