Dienstag , 21 August 2018
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Verrechnet – Verstrahlte Zahlen und moralische Defizite

flexblue_screenshotSeit März wird immer deutlicher, dass die Verantwortlichen nicht nur in Fukushima das kleine Einmaleins der sicheren Atomkraft niemals beherrschen werden. Fatal wird’s, wenn selbst Kenntnisse der Grundrechenarten nur mehr rudimentär vorhanden sind: Kaum meldet Kyodo news agency , dass es möglicherweise zu einer zweiten Kernschmelze gekommen sein könnte, was wiederum die „Höchsten und innerhalb kürzester Zeit für Menschen tödlich wirkenden Strahlenwerte“ erklären dürfte, die Anfang August bei einem Lüftungsschacht auf dem AKW-Gelände gemessen wurden (so SPON), schon will die japanische Regierung die Evakuierungsvorgabe zu Ende August aufheben: „Die betroffene Zone soll als bewohnbar erklärt werden“, berichtet die österreichische Umweltschutzorganisation global2000.

Ganz abgesehen davon, dass die eigene Bevölkerung bestenfalls aus Hilflosigkeit, schlimmstenfalls aus skrupellosem wirtschaftlichem Interesse den Strahlen zum Fraße vorgeworfen wird, findet die Strahlung selbst weitere Verbreitungswege: Wer sich einmal genauer mit dem Thema rund um Tschernobyl befasst hat, kann sich erinnern, wie schwierig es schon war und immer noch ist, Plünderer daran zu hindern, aus dem hermetisch abgesperrten Teil Gegenstände zur Weiterverbreitung und Veräußerung zu entwenden. Strahlende Aussichten auch für unsere Flohmärkte. Aber vielleicht wird ja nicht mehr Brauchbares einfach im Meer entsorgt, verklappt, verkappt, der Meeresboden birgt ja schon viele Geheimnisse aus Plastik, Giftmüll, Öl. Skrupellosigkeit war schon immer flexibel.

So heißt ein französisches Projekt denn auch „Flexblue“. Zwei lange Jahre sickerte nicht an die Öffentlichkeit, an welchem Projekt der französische Schiffsbaukonzern DCNS (zu 75 Prozent staatseigen), gemeinsam mit dem Industriekonzern Areva, dem Energiekonzern Electricité de France und der französischen Atomaufsichtsbehörde tüftelte. Das Ergebnis, der Unterwasserreaktor im U-Boot ähnlichen Stahlmantel, soll nun bald 100 Meter unter dem Meeresspiegel verankert werden.

200 Stück könnten in den nächsten 20 Jahren gebaut werden, kostengünstiger als AKWs an Land sind sie allemal, geplant für Schwellenländer und auf Inseln gelegene Staaten. So kann man bequem abtauchen vor den kritischen Menschen im nahen Europa, bei einem Nichtschwimmeranteil von rund 25% allein in der deutschen Bevölkerung sind dort Mahnwachen weniger zu befürchten.

Aber auch die Meldungen von schwankenden Börsen, brennenden Stadtvierteln, verhungernden Menschen, die tagtäglich auf uns niederprasseln, halten uns davon ab, mit gleichbleibendem Einsatz gegen solche Pläne zu mahnen und friedlich zu protestieren. Bevor die Zukunftsängste uns auffressen, schalten wir lieber ab, ich nehme mich da nicht aus. Es ist nun mal ein menschliches Phänomen, gegen das es anzukämpfen gilt und das es EON und seinen Schwestern und Brüdern im ewig gestrigen Gewinnmaximierungsglauben so einfach macht, geschickt weitere Ängste zu schüren. Erst war von 10.000 Stellen die Rede, die weltweit abgebaut werden müssen, jetzt sind es laut tagesschau.de bereits 11.000. Das erinnert an Preisetikettenpolitik: Preiswert ist 9,99, teuer, sprich wertvoll, liegt bei 11,11. Nur gut, dass uns die Natur zum Geraderücken des Bauchgefühls einen Filter namens Hirn mit auf den Lebensweg gab und uns doch noch daran hindert, aus den Ausstiegsplänen auszusteigen. Sicherlich werden die einen oder anderen Stellen abgebaut, wie in anderen Konzernen auch. Aber mal abgesehen davon, dass man doch noch einiger Mitarbeiter bedarf, über Jahre hinaus, um die Meiler endgültig stillzulegen, zurückzubauen und den strahlenden Müll verantwortungsvoll, sprich, höchstmöglich sicher endzulagern, könnte die Umstellung auf erneuerbare Energiegewinnung einen Großteil der Betroffenen auffangen. Wenn man will.

Nicht nur die französischen Unterwasserweltpläne lassen darauf schließen, dass dies eben nicht gewollt ist. Vielleicht geht diese Milchmädchenrechnung sogar auf – Mit Sicherheit wird uns die große Schlussrechnung von der Erde präsentiert.

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