Montag , 25 Juli 2016
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Facebook User oder nicht? Im Grunde ist es egal, wir sind alle dabei

facebook_privatsphaereHaben Sie ein facebook Konto? Hatten Sie vielleicht eines? Oder haben Sie sich nie vom derzeit größten sozialen Netzwerk begeistern lassen? Im letzteren Fall, noch eine einzige Frage: Haben Sie Freunde, welche bei facebook angemeldet sind? Sollen Sie auf eine dieser Fragen mit ja geantwortet haben, dann stehen die Chancen überaus gut, dass es ein Profil Ihrer persönlichen Daten im Netz gibt – eben auch, wenn Sie nie bei facebook eingeloggt waren. Nehmen wir an, Sie seien kein facebook Nutzer, also jeder Vierte von fünf Deutschen. Was sollte Sie also das Netzwerk scheren? Mehr als Sie zu meinen glauben. Sie haben mit Sicherheit eines mit den meisten facebook-Nutzern gemeinsam: Sie haben dessen Datenschutzbestimmungen nicht gelesen.

Das soziale Netzwerk enthält Daten, die von über 500 Millionen Menschen weltweit eingefüttert wurden. Die Hälfte von ihnen loggt sich täglich ein und verbringt im Schnitt an die elf Stunden monatlich darauf. Da jeder Nutzer interagiert, wäre die Beantwortung der Frage, wieviele Daten ein Mensch in 11 Stunden hergibt, recht müßig. Die Quelle, derer ich mich bedient habe (a.E.) behauptet, es seien über 90 Inhalte pro Nutzer im Monat, damit 30 Milliarden Datenfragmente insgesamt – monatlich. Ein Datenfragment kann in diesem Fall ein Link sein, Text, Bilder, Nachrichten und biometrische Daten.

Und auch ein Teil Ihrer Persönlichkeit ist immer dabei! Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ihr Bekannter – nennen wir ihn Ulf – ist seit einiger Zeit bei facebook unterwegs. Er ist dem Vorschlag der Plattform nachgekommen, den Freundefinder auszuprobieren. Damit gibt er facebook Zugriff auf sein Email-Postfach und damit auf sämtliche Emailadressen, mit denen er je in Verbindung gestanden hat. Technisch ist es möglich, sogar den Inhalt der Emails zu durchstöbern. Ulf’s sämtliche Verbindungen werden von facebook genutzt, um Querverbindungen mit facebook Nutzern herzustellen. Es beginnt damit, dass Ulf plötzlich Vorschläge von längst verschollenen Bekannten auf dem Bildschirm findet und mit einigen anbandelt. Schon wieder Daten für die facebook-Server: Ulf verbindet sich naturgemäß mit Leuten, an denen er noch Interesse hat. Das weiß nun auch facebook. Und da war ja noch Ihre Email-Adresse: Jetzt kommt Anita, eine alte Freundin von Ulf und Ihnen. Auch sie hat Ihre Mailadresse mit ihren Daten zu facebook hochgeladen. Damit „weiß“ facebook, dass es einen gemeinsamen Menschen in Ulfs und Anitas Leben gibt und kennt seinen Namen: Ihren.

Das was in diesem Artikel erwähnt wird, behauptet nicht, daß facebook Ihre Daten in diesem Sinne verwendet. Es skizziert jedoch die Möglichkeit, wovon m.E. Gebrauch gemacht wird. Schauen wir hier:

FB Datenschutzrichtlinie:

Informationen von anderen Nutzern. Wir sammeln u.U. auch von anderen Facebook-Nutzern Informationen über dich, beispielsweise dann, wenn eine Freundin oder ein Freund dich auf einem Foto, in einem Video oder an einem Ort markiert, Freundschaftsdetails angibt oder auf eine Beziehung mit dir hinweist.“

Es kommt also noch besser. Noch ist ihre Identität eine Querverbindung über eine Email-Adresse. Ihr Name ist also schonmal dabei. Was meinen Sie, wie schwer ist es, Ihren Namen mit den Daten anderer, wie Google, Twitter und überhaupt jeder noch so kleinen Webseite zu vergleichen? Googeln Sie mal nach Namen Ihrer Bekannten (wenn Sie das nicht schon längst gemacht haben)!

Vielleicht nutzen Sie aber statt facebook Twitter, Flickr oder Googles Bilderservice Picasa. Damit nutzen Sie eine der Anwendungen, die auch eine Schnittstelle – eine sog. API – zu facebook bieten. Und jene Anwendungen haben Ihre Daten – zumindest Ihren Namen und Ihre Email-Adresse. Sobald Ulf oder Anita einer solchen Anwendung via facebook Zugriff zu ihren Daten geben, steht einem erneuten Vergleich (Matching) nichts mehr im Weg: Ihre Email, Ulfs Daten und Anitas Daten geben dem Netzwerk mehr Futter: Sie haben drei Bildergalerien bei Picasa? Zwei davon sind öffentlich? Perfekt für ein Daten-Matching. Ihr Gesicht taucht mit Sicherheit auf einem der Sonnenuntergangs- oder Berliner Fernsehturm-Bilder auf. Und womöglich ist Anita auch noch dabei… Ähm, sind Sie verheiratet? Ja, aber nicht mit Anita, sagen Sie? Hoppla…

FB Datenschutzrichtilinie:

Herstellung einer Verbindung mit einer Anwendung oder Webseite. Wenn du eine Verbindung zu einer Anwendung oder Webseite herstellst, erhält diese Zugang zu allgemeinen Informationen über dich. Der Begriff „Allgemeine Informationen“ umfasst folgende Informationen von dir und deinen Freunden: Name, Profilbild, Geschlecht, Nutzerkennnummer, Verbindungen sowie alle Inhalte, die unter Verwendung der Privatsphäre-Einstellung „Alle“ mit anderen geteilt werden. Wir können zudem Informationen über den Standort deines Computers oder Zugangsgeräts und dein Alter Anwendungen und Webseiten zur Verfügung stellen, damit sie angemessene Sicherheitsmaßnahmen einführen und die Verbreitung von altersgemäßen Inhalten kontrollieren können. Wenn die Anwendung oder Webseite weitere Informationen anfordert, muss sie nach deiner Erlaubnis für die Bereitstellung dieser Informationen fragen.

Bedenken Sie: Sobald Sie Farmville oder der Glücksnuß Zugriff auf Ihre Daten gewähren, gelten ganz andere Datenschutzbestimmungen als bei facebook. Kann sein, dass die Mafia in Rumänien Ihnen bald tolle Angebote via Email sendet.

Vor allem Bilder sind interessante Datenquellen. Glauben Sie bloß nicht, Computer könnten keine Bilder auswerten. Wenn Sie Picasa kennen, dann wissen Sie, wie einfach die Software die Gesichter Ihrer Freunde identifiziert. Wenn Ihre Bekannten sich die Mühe machen, den Gesichtern in ihren schönen facebook-Bildergalerien einen Namen zu geben, wird es ganz spannend: Mit jedem erneuten „Tag“ eines Bildes wird die Erkennungsgenauigkeit der Software größer. Ihr Gesicht ist eingeprägt. Selbst ohne facebook-Account Ihrerseits ist es möglich, Ihre Google-Picasa Bilder mit denen Anitas oder Ulfs auf facebook zu vergleichen und die Daten enger zu verknüpfen. Verzeihen Sie die nachfolgende Unterstellung, die zur Plakatierung jedoch notwendig ist: Sollte also Anita aus Furcht vor Ihrer Ehefrau keine Querverbindung auf facebook via Email zu Ihnen hergestellt haben, kann es aber sein, dass Sie beide unabhängig Fotos von Ihrer Geschäftsreise (die eigentlich eine Urlaubsreise mit Anita war) irgendwo ins Netz hochgeladen haben, bei denen Zeit und Ort der Aufnahmen Ihrer und Anitas Fotos übereinstimmen, ist es ein leichtes, die Koinzidenz Ihres gemeinsamen Urlaubstrips transparent zu machen. Besonders einfach, wenn Sie bspw. die Minibar und Anita die tollen Vorhänge im Liebesnest fotografiert haben.

Mit eigenen Bildern im Web, haben Sie haben also wenig Chancen auf Anonymität. Lesen Sie dazu diese FB Datenschutzrichtlinie:

Wenn dich ein anderer Nutzer auf einem Foto, in einem Video oder an einem Ort markiert, kannst du die Markierung entfernen. Über deine Privatsphäre-Einstellungen kannst du zudem einschränken, wer in deinem Profil sehen kann, dass du in einem Beitrag markiert wurdest.

Selbst nach dem Entfernen von Informationen von deinem Profil oder Löschen deines Kontos werden Kopien dieser Informationen u.U. weiterhin an anderer Stelle angezeigt, sofern sie mit anderen ausgetauscht, gemäß deinen Privatsphäre-Einstellungen anderweitig übermittelt oder von anderen Nutzern kopiert oder gespeichert wurden.

Am Beispiel Bilder lässt sich zudem sehr gut erkennen, was es mit den sog. Meta-Daten auf sich hat. Die Facebook Datenschutzrichtlinie weist hier auf Folgendes hin:

Inhalte. Einer der vorrangigen Gründe, warum Menschen Facebook nutzen, ist der Wunsch, Inhalte mit anderen zu teilen. Das geschieht beispielsweise, wenn du deinen Status aktualisierst, Fotos hochlädst oder aufnimmst, Videos hochlädst oder aufzeichnest, einen Link mit anderen teilst, eine Veranstaltung erstellst, eine Gruppe gründest, einen Kommentar verfasst, etwas an die Pinnwand eines anderen schreibst, eine Notiz verfasst oder einer anderen Person eine Nachricht schickst. Falls du nicht möchtest, dass wir Metadaten speichern, die mit Inhalten verbunden sind, die du auf Facebook mit anderen teilst (beispielsweise Fotos), entferne diese Metadaten bitte, bevor du den Inhalt hochlädst.

Haben Sie jemals die Metadaten Ihrer Urlaubsbilder entfernt, bevor sie hochgeladen wurden? Wenn nicht, dann senden Sie so einiges ins Netz: Name und Modell Ihrer Kamera, Kameraeinstellungen, die Software, die zum Bearbeiten genutzt wurde, Ort und Zeit der Aufnahme etc. etc. Die Internet-Wolke, die „Cloud“, weiß, wo sie wann waren und unter Umständen, mit wem.

Wenn hier von der „Wolke“ oder der „Cloud“ die Rede ist, möchte ich etwas Druck von facebook nehmen (leider nicht von Ihnen). Im Internet sind alle Datensammler: Amazon, Google, Twitter, die Deutsche Bahn und und und. Wichtig ist es, ein Bild von der Reichweite jeglicher Interaktion Ihrerseits im Internet zu bekommen. Als Webentwickler kann ich sehen, ob Sie sich bei Skype nur verstecken, oder wirklich offline sind. Ich kann ihre Twitter-Daten legal über öffentliche Schnittstellen anzapfen, auf meinen alten Laptop laden und sehen, wie oft Sie in Venedig oder Fuhlsbüttel waren. Es ist eine große Welt in der Cloud – und alles, was Sie hier hinausschießen, wird irgendwo gespeichert.

Will man den prinzipiell dummen Computer mit dem menschlichen Geist vergleichen, kann man sich eines alten Klassikers der deutschen Philosophie bedienen – Immanuel Kant. Der schrieb schon in seiner Kritik der reinen Vernunft, dass unser Verstand nur arbeiten kann, wenn er mit Begriffen aus der empirischen Welt versorgt ist. Und genau diese Begriffe geben wir der Cloud, deren Logik vom Menschen gemacht ist. Der Computer ist gegenüber dem menschlichen Hirn allerdings schneller, was das Vergleichen und Visualisieren von Daten betrifft. Die Frage, die bleibt: Wieweit vertrauen Sie jenen, welche die Logik programmieren?

P.S.: An alle, die jetzt aus der Cloud raus wollen: Zu spät. Ihr ‚getaggtes‘ Bild liegt als XML Datei in irgendeiner Datenbank, die womöglich irgendwann Datenquelle für eine Kamera am Alexanderplatz oder Mexiko City ist. Ein alter Polizeicomputer wird dann Ihr Gesicht unter Milliarden anderen wiedererkennen. Also: Immer schön artig bleiben!

Quellen:

http://blog.kissmetrics.com/facebook-statistics/

http://allfacebook.de/zahlen_fakten/jeder-funfte-deutsche-internetnutzer-nutzt-facebook

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