Dienstag , 31 Mai 2016
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Immer weniger Kinder! Und wen wundert das?

babyhandNur 663.000 Babys kamen im Vorjahr in Deutschland zur Welt, der niedrigste Stand in der Geschichte der Bundesrepublik. Zwar liegt die Entscheidung bezüglich der Fortpflanzung eher im emotionalen Bereich, doch ließe es sich als vernünftig bezeichnen, in Anbetracht einer derart ungewissen Zukunft, einen neuen jungen Menschen mit dieser zu konfrontieren? Die Wirtschaft ist am Ende. Die Schulden sind unbezahlbar. Die Auswirkungen der Schadstoffe in der Umwelt, von Kunststoff über Chemikalien bis hin zur Radioaktivität, sind noch lange nicht gründlich erforscht. Wer kann hier wirklich noch ruhigen Gewissens die Verantwortung für die Zukunft eines eigenen Sohnes oder einer eigenen Tochter übernehmen?

1964, das Gipfeljahr des Babybooms, war die Zahl der Geburten noch mehr als doppelt so hoch. Doch wie sah die Welt damals noch aus? Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges waren überwunden. Einkommen stiegen. Von Arbeitslosigkeit konnte keine Rede sein. Im Gegenteil. Aus dem Ausland wurden Arbeitskräfte geholt, um den Lohnanstieg durch Arbeitskräftemangel in Grenzen zu halten. Eine anhaltende Verbesserung der Lebensqualität stand in Aussicht. Das war 1964.

Doch schon bald setzte eine erste familienfeindliche Entwicklung ein: Die Aufgabe, Mutter zu sein, büßte ihre Bedeutung ein. Von jeder Frau, auch nach Eheschließung und Geburt, wurde erwartet, einem Beruf nachzugehen. Sich einem Chef unterzuordnen wurde als „Befreiung“ willkommen geheißen.

Doch dies war nur der Anfang der negativen Entwicklung. Während der 1970er- und vielleicht auch noch der 1980er-Jahre stand zumindest die Wahl, Beruf oder Mutter, noch offen. Das kontinuierliche Absinken der Realeinkommen, im Vergleich zur Kaufkraft, erforderte für Familien im durchschnittlichen Einkommenbereich doch schon bald, dass zwei Personen einer Erwerbstätigkeit nachgingen.

Was für ein Familienleben: Frühmorgens den oder die Sprösslinge im Kindergarten abliefern. In die Arbeit hetzen. Am späten Nachmittag wieder zum Kindergarten. Nach Hause. Essen zubereiten – und schon bald ist es für den Nachwuchs Zeit zum Schlafengehen. Am Wochenende wartet die Hausarbeit, Putzen, Waschen, Bügeln, Einkaufen. Wie wenig Zeit bleibt, um auf die Entwicklung und Erziehung der eigenen Kinder auch selbst Einfluss zu nehmen? Gut, dem System ist die staatlich gesteuerte Indoktrinierung ohnehin lieber. Das wurde schließlich auch im Sowjetkommunismus erprobt. (Und groß ist die Zahl derjenigen, die das Ersetzen der Eltern durch Erzieher und Spielkameraden sogar für etwas Positives halten!)

Noch problematischer wird die Situation, wenn sich die Eltern trennen, was während der vergangenen Jahrzehnte, ohne jegliche Rücksicht auf das Wohlergehen der gemeinsamen Kinder, auch immer öfter der Fall ist.

Doch seit der Jahrtausendwende kommen noch weitere Fakten hinzu, die viele Menschen davon abhalten, die Verantwortung für eigene Kinder zu übernehmen. Zwar wird selten darauf hingewiesen, doch unsere Umwelt ist voll von Stoffen, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Was immer aus Kunststoff hergestellt ist, vom Babyfläschchen über Spielzeug bis zu Behältern und Lebensmittelverpackung, gibt Partikel ab, die in den Körper und in die Zellen eindringen. Zwar wird immer wieder bestritten, dass es dafür wissenschaftliche Beweise gibt, doch ist die Annahme, dass diese Fremdpartikel in den Zellen, vor allem bei heranwachsenden Menschen, schädliche Reaktionen mit sich bringen, sicher nicht ganz unberechtigt. Und welche Folgen all die Chemie, mit der wir täglich konfrontiert werden, und nicht zuletzt die steigende radioaktive Belastung (auch unterhalb willkürlich festgesetzter Grenzwerte) mit sich bringen, das wird die Zukunft zeigen. Vertrauenserweckend ist die gegebene Situation mit Sicherheit nicht.

Und jetzt noch ein ganz wesentlicher Punkt. Deutschland ist mit mehr als zwei Billionen Euro verschuldet, für die jeder Bürger gleichermaßen haftet. Das bedeutet, sobald ein Säugling von der Nabelschnur getrennt ist und seinen ersten Schrei von sich gibt, haftet er für rund 25.000 Euro. Willkommen auf Erden! Und wie hoch sein Anteil im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte – falls unsere Zivilisation noch so lange besteht – sein wird, lässt sich bestenfalls erahnen. Gegen die „Erbsünde“ soll es ja noch ein Mittel gegeben habe, das Taufe genannt wurde. Die Erbschuld scheint unauslöschlich.

Und, wenn wir die verschiedenen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit betrachten, zeigt sich wenig Hoffnung, dass die Lebensqualität wieder auf das Niveau von 1964 ansteigen könnte. Zwar standen uns weder Computer noch Handys zur Verfügung, die bescheidene Auswahl im Fernsehen wurde in schwarz/weiß gesendet, doch lebten die Menschen damals noch mit dem Gefühl, ihres Menschseins wegen respektiert zu werden. Würde und Anstand waren noch gebräuchliche Worte. Und auch wenn es einige Drahtzieher im Hintergrund schon damals anders gesehen haben, nichts erinnerte daran, dass wir bloß den Stellenwert von „Humankapital“ genießen.

Wie anfangs erwähnt, letztendlich sind es Emotionen, die Menschen dazu bewegen, eine Familie zu gründen. Und zweifellos ist es mit unsagbaren Freuden verbunden, seinen Sohn oder seine Tochter aufwachsen zu sehen. Zumindest, solange sich der Nachwuchs nicht all zu sehr von neuen Trends mitreißen lässt. Diesbezüglich ausgleichend zu wirken, erfordert allerdings viel Zeit. Wobei wir wieder bei einem bereits erwähnten Punkt angelangt wären.

Über Konrad Hausener