Sonntag , 28 August 2016
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Die Spenden-Mafia oder was sie über die Wohl-Täter wissen sollten

spendenmafia_minicoverVermutlich jeder, der diese Zeilen hier liest, hat es schon einmal getan. Die einen machen es regelmäßig, andere eher sporadisch. Man kann es mit dem Handy machen oder an der Haustür, sogar in der Fußgängerzone bieten sich Gelegenheiten. Und wer sich nicht mit Kleinigkeiten abgeben will, der nutzt sein Bankkonto. Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass hier nicht von Sex die Rede ist, sondern vom Spenden, also der finanziellen Unterstützung caritativer Organisationen. Auf diesem Weg kommen in Deutschland pro Jahr rund fünf Milliarden Euro zusammen, rechnet man die diversen Stiftungen noch hinzu, verdoppelt sich dieser Betrag. Ein starkes Sümmchen, doch wie viel davon geht wirklich an die Bedürftigen Menschen oder Tiere?

Um es gleich vorwegzunehmen: In manchen Fällen kommt kein einziger Cent dort an, wo das Geld wirklich gebraucht wird, dafür machen sich die Organisatoren der Spendensammlung in aller Ruhe die Taschen voll. Dabei gehen ein paar davon durchaus kriminell ans Werk und greifen einfach nach Lust und Laune in die Kasse, doch wer clever ist, der muss sich nicht vor Strafverfolgung fürchten, denn in Deutschland herrschen diesbezüglich paradiesische Zustände. Oder anders formuliert: Keine Sau kümmert sich darum. Und wenn man jetzt das Wort „Sau“ gegen „Behörde“ austauscht, trifft es dieser Satz voll auf den Punkt. Sie können sich das nicht vorstellen? Wo doch in diesem unserem Lande alles so detailliert geregelt ist und für jede noch so kleine Individualität eine Bestimmung existiert? Kein Problem, ein kleines Beispiel zeigt, wie es geht. Das Folgende soll allerding keine Geschäftsidee darstellen, auch wenn es leider so ist.

Herr A. gründet mit sechs weiteren Personen einen eingetragenen Verein, der sich laut Satzung beispielsweise dafür einsetzt, Menschen in Not zu helfen. Ab diesem Moment dürfen Herr A. und seine Mitstreiter losziehen und Spenden sammeln. Die Kollekte wandert nun aber nicht, wie vom Spender naiverweise vermutet, an Hilfsbedürftige Mitbürger, sondern geht an eine sogenannte Fundraising-Agentur, die dafür mitleiderregende Bettelbriefe ins Land schickt, um noch mehr Gelder zu akquirieren. Diese Mehreinnahmen werden dann fleißig reinvestiert, nämlich in weitere Bettelbriefe, Provisionen für Spendensammler und selbstverständlich für eine nette „Aufwandsentschädigung“ des Herrn A. Wobei zu erwähnen ist, dass der Besitzer der Bettel-Agentur, nennen wir ihn Herrn B., möglicherweise den Herrn A. recht gut kennt oder sogar mit ihm verwandt, bzw. verschwägert ist. Und nach ein paar Jahren wird dann tatsächlich einmal Geld an Bedürftige ausgeschüttet – als Alibi, nicht aus Menschlichkeit.

Wer nun denkt „ja wie kann denn das durchgehen?“, der muss wissen, dass es weder im Bund, noch in den Bundesländern eine Behörde gibt, die sich solcher Fälle annimmt, von Rheinland Pfalz einmal abgesehen, und zudem Organisationen dieser Art nicht verpflichtet sind, ihre Zahlen offenzulegen. Erschwerend kommt hinzu, dass die zuständigen Finanzämter wenig motiviert sind das Treiben zu kontrollieren, da ein gemeinnütziger Verein ja keine Steuergelder in die Kasse spült. Wozu also dafür Manpower einsetzen, wenn es doch lukrativere „Kunden“ gibt.

Damit keine Missverständnisse aufkommen, es gibt selbstverständlich auch seriöse Hilfsorganisationen, die einen Großteil der eingenommenen Spenden wirklich zweckgebunden weiterleiten, offen mit den Bilanzen umgehen, und versuchen die Kosten für Verwaltung und Spenderfindung so gering wie möglich zu halten. Aber auch unter den großen und bekannten Namen der Branche gibt es schwarze Schafe und wer denkt, dass prominente Namen im Umfeld der Organisation zwangsläufig für Qualität bürgen, der wird unter Umständen auch enttäuscht sein, wenn er sich das Buch „Die Spendenmafia: Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid “ durchliest. Der Autor Stefan Loipfinger, Betreiber von charitywatch.de, hat ein Werk vorgelegt, dass für Spendenwillige zur absoluten Pflichtlektüre werden müsste. Er deckt darin die Machenschaften auf, mit denen – unter dem Deckmäntelchen der Wohltätigkeit – dem gutgläubigen Bürger das Geld aus der Tasche gezogen wird. Reihenweise Beispiele inklusive. Als Schreiber dieser Zeilen darf ich ihnen berichten, dass mir, obwohl schon ein bisschen vorinformiert, an mehreren Stellen die Gesichtszüge entgleist sind, ob der Dreistigkeit, mit der manch vermeintlicher Wohltäter zu Werke geht.

spendenmafia_coverWer also plant, in der vor uns liegenden und besonders spendenfreudigen Vorweihnachtszeit, den einen oder anderen Euro für wirklich wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen, der sollte die 8,99 € von der zur Verfügung stehenden Spendensumme abziehen und für das Buch investieren. Die Bedürftigen werden es ihnen danken. Aber auch für Nicht-Spender ist die Lektüre durchaus empfehlenswert, sie zeigt auch einmal abseits der Hochpolitik, in welcher Bananenrepublik wir wirklich leben. Apropos Politik, so ganz ohne geht’s dann doch nicht, in einem Kapitel über das Entwicklungshilfe-Ministerium wird schön dargestellt, dass es auch dort nicht so recht klappen will mit der Transparenz über die Verteilung und Kontrolle der aus Steuergeldern rekrutierten Spenden. Schon alleine deswegen gilt:

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