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Das Leben, ein Spiel

virtual reality woman faceWo endet das Spiel? Und wo beginnt der Ernst? Wie oft wird jeder von uns – zumindest gelegentlich – zum Opfer trügerischer Emotionen, lässt sich von der Handlung des Schauspiels mitreißen oder von den Geschehnissen am Fußballfeld? Welche Ängste oder auch Freuden kann uns ein Traum bescheren? Oder auch unsere eigene Phantasie im Wachzustand? Können wir uns wirklich sicher sein, dass das, was wir erleben, in seiner Essenz nicht auch bloß ein Traum ist? Doch wenn wir das Leben nur träumen, wo wäre dann die Wirklichkeit?

Wir haben gelernt, der Wissenschaft zu vertrauen. Doch selbst deren Erkenntnissen schenken wir meist nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie in unser bestehendes Weltbild passen. Zwar wissen wir, dass es keine „feste Materie“ gibt, sondern nur Protonen und Elektronen etc., und trotzdem vertrauen wir gedankenlos unseren Sinnen. Dass viele Fragen nicht gestellt und noch weniger öffentlich diskutiert werden, lenkt leicht von der Tatsache ab, dass es für uns als Menschheit so viele, so unzählige Fragen gibt – und gar wenige zufriedenstellende Antworten.

Welche Frage ist für das Individuum die bedeutendste? Ist es jene, ob es einen Gott gibt? Ein Weiterleben nach dem Tod? Oder doch nur, ob der Arbeitsplatz sicher ist, ob sich die Wirtschaft wieder erholen wird?

Auch wenn der Mensch oft und gerne dazu neigt, seiner Meinung nach unbeantwortbare Fragen zu verdrängen, kommt uns die folgende nicht doch immer wieder in den Sinn: Wer bin ich? Gefolgt von: Wo komme ich her? Wohin gehe ich? – Und dann: Warum bin ich hier?

Ja, gewiss, ich kenne meinen Namen, ich weiß um meine Geburt und auch, dass es für meine Überreste irgendwann einmal eine letzte Ruhestätte geben wird. Und wem bleibt schon die Zeit, sich damit zu beschäftigen, welchem Zweck all dies dienen soll? Es gibt Arbeit, es gibt die Familie, die täglichen Verpflichtungen, Sehnsüchte, Ängste … Warum bin ich hier? Bloß, um all dies zu bewältigen?

Wie leicht lassen wir uns von der Flut von Informationen mitreißen? Mehr denn je ist unser Geist unentwegt mit etwas beschäftigt; ist an die ständigen Herausforderungen gewöhnt, wird süchtig danach. Scheut sich vor eigenen Gedanken, sucht ständig nach Eindrücken, die von außen kommen, verlangt nach Stimulierung; klammert sich an diese Sinneswelt.

Max Planck verglich die wahrnehmbare Welt mit einer Matrix.

Es gibt mehrere Auslegungen für diesen Begriff. Doch stellen wir die Assoziation mit einer Spielebene her. Denken wir daran, dass diese sinnlich wahrnehmbare Welt, die einzige, mit der wir vertraut sind, die einzige, die wir für wahr halten, vielleicht doch nur eine Projektion unseres Bewusstsein ist. Stellen wir uns vor, unsere physischen Körper sind Avatare, die diese Spielebene in überzeugender Perfektion als Realität erleben, allen Regeln des Spiels restlos unterworfen. Virtual Reality.

Schon lange weiß die Gehirnforschung, auf welchem Wege auf uns einströmende Informationen verarbeitet werden. Photonen treffen auf unsere Netzhaut, Schallwellen auf unser Trommelfell, die Spannung unseres angenommenen festen Körpers trifft mit der Spannung eines anderen Objekts zusammen. All diese Informationen werden im Gehirn in Daten umgewandelt, werden dort auf Umwegen weitergeleitet und erscheinen dann plötzlich in unserem Bewusstsein als „Abbild der Wirklichkeit“. Ich weiß nicht, was sich vor meinen Augen ereignet. Ich weiß nur, wie ich es, nach abgeschlossenem Datentransport, wahrnehme.

Wir kennen Spiele, jene, die wir auch als solche bezeichnen. Und jeder von uns weiß, wie einfach es ist, sich in so einem Spiel restlos zu verlieren, ungeachtet, ob beim Beobachten eines Sportereignisses, am Blackjack-Tisch oder vor einem Computer sitzend. Vielleicht lassen wir uns gelegentlich ablenken, befreien uns aber rasch wieder von störenden Einflüssen; versinken in unserem Spiel, abgegrenzt vom Rest der Welt.

In vollem Bewusstsein sagen wir jedoch, den Unterschied zwischen Spiel und Wirklichkeit zu kennen. So wie den Unterschied zwischen Traum und Wachsein. Denken wir auch so während des Träumens? Denken wir, während wir spielen, überhaupt über den willentlich geschaffenen engen Horizont hinaus?

Hinterfragen wir den Charakter der sinnlich wahrnehmbaren Welt, so liegt es wohl nahe, jenen Phänomenen Beachtung zu schenken, die nicht so richtig ins vorgegebene Bild passen. Dazu zählt etwa das bekannte Doppelspaltexperiment, bei dem sich ein isoliertes Photon einmal als Welle und dann wieder als Partikel verhält. Je nach Art der Beobachtung.

Vor allem im Bereich der Quantenphysik findet der sogenannte „Oberserver Effect“ immer mehr Berücksichtigung. Immer mehr Beispiele zeigen sich, die vermuten lassen, dass die Erwartungshaltung des Forschers Einfluss auf das messbare Ergebnis ausübt.

Doch sonderbare Erscheinungen, die allen physikalischen Prinzipien widersprechen, finden sich nicht nur unter Laborbedingungen:

Wolfgang Pauli (1900 – 1958) war ein anerkannter Physiker und wurde 1945 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Doch waren es nicht seine Forschungen, die ihm zu Berühmtheit verhalfen, sondern sein bislang unerklärter Einfluss auf technische Geräte, „Pauli-Effekt“ genannt. Immer wieder geschah es, dass in seiner Gegenwart technische Einrichtungen funktionsunfähig wurden, teils sogar in Flammen aufgingen. Die Aufzeichnungen darüber basieren nicht auf Beobachtungen durch „abergläubisches Volk“, sondern durch seine Wissenschaftler-Kollegen.

Seriöse Studien in dieser Richtung, wie etwa jene des „Institute of Noetic Sciences“, zu deren Mitbegründern auch der US-Astronaut Edgar Mitchell zählt, werden gerne als „pseudowissenschaftlich“ belächelt. Nachdem der sogenannten „seriösen” Wissenschaft nichts ferner liegt, als ihre Unwissenheit in so vielen Bereichen einzugestehen, wird meist der einfache Weg gewählt: Unverstandenes wird als „noch“ unerklärbar verdrängt und alle Studien, die das etablierte Bild verzerren könnten, werden in den eigenen Kreisen unterbunden; und gleichzeitig wird die Glaubwürdigkeit externer Kreise untergraben.

Eine hervorragende Dokumention zum Thema Quantenphysik wurde vom, in Indien geborenen und in den USA unterrichtenden, Professor für Physik Dr. Amit Goswami ausgearbeitet. Eine deutsche Fassung von „Der Quanten Aktivist“ findet sich bei Youtube. (Falls der Link nicht funktioniert, einfach den Titel als Suchbegriff eingeben.)

So vieles spricht dafür, dass es sich nicht bei Bewusstsein um ein Produkt materieller Gehirne handelt, sondern, dass die Situation genau umgekehrt ist. Es ist bloß notwendig, zwischen den einzelnen Punkten „unerklärbarer Phänomene“ die Verbindungen herzustellen und die logischen Schlüsse daraus zu ziehen. Beides ist Dr. Goswami in der genannten Dokumentation hervorragend gelungen.

Hat nicht jeder von uns schon irgendwann einmal die Erfahrung gemacht, dass unter bestimmten Voraussetzungen, in Not- oder Stresssituationen, die Dinge um uns herum genau so geschehen wie es notwendig ist? Haben wir nicht alle schon von Beispielen gehört, dass Menschen in Todesangst – oder auch, um Anderen in Todesgefahr hilfreich beizustehen – unerklärbare Muskelkräfte entwickeln, tonnenschwere Gegenstände bewegen können? Sind wir wirklich überzeugt, dass es sich um reinen Zufall handelt, wenn wir an einen bestimmten Menschen denken und Sekunden später läutet das Telefon, und genau dieser Mensch ist am anderen Ende der Leitung?

Auch wenn es kaum bekannt ist, Telepathie wurde durchaus schon unter Laborbedingungen nachgewiesen. Natürlich funktioniert es nicht so einfach, dass Einer schlicht die Gedanken des Anderen liest. Solcherart Einzelfälle mag es vielleicht geben, doch lassen sie sich sicher nicht in kontrollierten Versuchen gesteuert wiederholen. Dr. Goswami berichtet jedoch von folgendem Experiment: Zwei Teilnehmer verbrachten eine bestimmte Zeit nebeneinander in Meditation. Dann wurde eine der beiden Testpersonen in einen getrennten Raum gebracht und die Gehirnströme gemessen. Die andere wurde wiederholt bestimmten Einflüssen ausgesetzt. Sobald diese auftraten, ließen sich gesteigerte Gehirnaktivitäten auch bei jener Testperson beobachten, die sich völlig isoliert im anderen Raum aufhielt.

Eine gewisse „James Randi Educational Foundation“ mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien bietet eine Prämie von einer Million Dollar für denjenigen, der unter wissenschaftlichen Bedingungen paranormale Fähigkeiten unter Beweis stellt. Warum qualifiziert sich der genannte Versuch nicht dafür? Wurde die Stiftung nicht in Kenntnis gesetzt oder liegt es an den geforderten Kriterien, die natürlich von dieser Stiftung festgesetzt werden?

Vielleicht haben Sie schon von tibetischen Mönchen gehört, die mit nacktem Oberkörper in der Kälte sitzen und, anstatt zu erfrieren, mit ihrer Körperwärme nasse Tücher trocknen. Stimmen diese Geschichten oder sind sie erfunden?

Das folgende kurze Video (englisch) zeigt genau diesen Versuch unter wissenschaftlicher Leitung.

Erwähnt wird, falls Sie es vielleicht gehört haben, auch, dass Meditation dazu beiträgt, eine Menge jener modernen Krankheiten zu heilen, die in unserer Zivilisation immer häufiger auftreten: Angstzustände, Depressionen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Dem Hausarzt steht es – aus Gründen „medizinischer Ethik“ – vermutlich nicht zu, Patienten zu raten, sich in Meditation zu üben. Die Einnahme von Pillen ist ja nicht nur einfacher, auch verdient die Pharmaindustrie daran.

Doch darauf sei nur deswegen verwiesen, um einen der Gründe anzuführen, warum wir so selten daran erinnert werden, dass das verbreitete Weltbild gar weit von einer ultimativen Wahrheit entfernt liegt.

Es lässt sich noch weiter ausschwenken und zwar in einen Bereich, auf den auch Dr. Goswami mehrfach zu sprechen kommt: Religion. Allerdings nicht jene Sammlung von Dogmen, die Christen und Muslimen als „Wort Gottes“ vorgesetzt wird, sondern all die vielen Elemente, die sich in den verschiedensten Konzepten, nicht ausschließlich, aber doch deutlicher außerhalb der drei Abraham-Religionen, finden lassen. Wer sich schlicht mit der Frage befasst, ob Jungfrauen gebären können, ob sich Wasser wirklich in Wein verwandeln lässt oder wie ein Analphabet unter der Anleitung eines Erzengels plötzlich des Schreibens fähig sein soll, der ist, um es gelinde zu sagen, ein Opfer der Dogmenpolitik.

Unzählige Überlieferungen stehen zur Verfügung, ungeachtet, ob sie auf den Buddha zurückgehen, auf Krishna, auf Jesus oder auf so viele andere „erwachte“, „erleuchtete“ Weisheitslehrer, die exakt in jenen Rahmen von Erkenntnissen passen, die uns auch die Quantenphysik unter Wahrung wissenschaftlicher Grundsätze als anschauliches Existenzmodell bietet.

Lässt sich dieses Weltbild mit kurzen Worten beschreiben? Vielleicht. Einigermaßen. Sicher nicht überzeugend genug, um sogenannte „Rationalisten“ aus ihren festgefahrenen Schemen zu lösen. Denn der Rationalist hält nur das für wahr, was ihm seine Sinne veranschaulichen, die jedoch wiederum nur Instrumente dazu sind, das Geistwesen Mensch in seiner physischen Form mit jenen Eindrücken zu versorgen, um seinen Avatar auf der Spielebene bestehen zu lassen.

Jeder von uns hat unzählige Sonnenaufgänge beobachtet. Sieht nicht tatsächlich alles so aus, als wäre es die Sonne, die die Erde umkreist? Warum also sind wir so überzeugt, dass es genau umgekehrt ist? Die Antwort darauf ist natürlich einfach: Wir kennen das Modell. Vielleicht sogar noch öfter als Sonnenaufgänge haben wir Abbildungen unseres Sonnensystems gesehen. Auch der Zusammenhang ist logisch – und dementsprechend sind alle möglichen Zweifel aus dem Weg geräumt.

Lässt sich eine Sonde in die Welt des Geistes senden, lassen sich Bilder des „höheren“ Umfeldes, des Ursprungs von Bewusstsein und aller Lebenskraft anfertigen, um diese als unumstößlichen Beweis einem Publikum zu präsentieren? Vermutlich bedarf es gewisser Erfahrung im Bereich der Meditation, um die Aussage des vorangegangenen Satzes wirklich zu verstehen. Denn wenn wir die Augen gegenüber der wahrnehmbaren Welt verschließen, wenn wir zu unterscheiden lernen, bei welchen Gedanken es sich bloß um elektromagnetische oder biochemische Prozesse in unserem Gehirn handelt, und welche in unserem „tiefen Inneren“ – oder unserem „höheren Selbst“ – wurzeln, dann können wir nicht umhin, uns der Überzeugung hinzugeben, dass jenseits dieser sinnlich wahrnehmbaren Welt etwas existiert – oder vielleicht „insistiert“ – was dauerhaft ist und alles Bekannte zum Traumerlebnis degradiert.

Nein, es sind keine paradiesischen Gärten. Weder fließen Milch und Honig noch stehen Scharen von Jungfrauen bereit. In dieser Welt des Geistes gibt es keine Farben und keine Formen, es gibt nichts, was sich mit dem vergleichen ließe, was unsere Sinne wahrnehmen. Sagt nicht der Begriff „jenseits der Wahrnehmung“ schon aus, dass es dort nichts „wahrzunehmen“ gibt; nicht in der Form, wie wir es gewohnt sind? Wir „nehmen“ es als „wahr“ an, was uns unsere Sinne vermitteln, doch wirklich wahr sind bestenfalls die Photonen, die Protonen, die Elektronen und all die anderen Schwingungen, von denen diese Vielfalt von Er-SCHEIN-ungen ausgelöst wird.

Das Aussehen unseres Sonnensystems lässt sich graphisch darstellen. Nicht aber die Beschaffenheit einer nicht-wahrnehmbaren Existenzform, die schon allein deswegen nicht als wahr ange-nommen zu werden braucht, weil sie wahr IST.

Warum staunen wir nicht, wenn wir eine Pflanze wachsen sehen? Warum fragen wir nicht, was für eine Art von Energie dafür verantwortlich sein mag, dass Ansammlungen von Atomen plötzlich in einen Zustand eintreten, den wir Leben nennen? Warum zweifeln wir nicht daran, dass die Vielfalt von Arten durch zufällige Mutationen entstanden sein soll?

Wie denn sonst, ließe sich fragen. Dass ein Gott aus einer unerklärlichen Laune heraus all dies einfach so erschaffen hätte, klingt gewiss nicht überzeugender. Vielleicht aber die Vorstellung, dass es sich bei der wahrnehmbaren Welt um nichts anderes als manifestierte Gedanken handelt, hervorgebracht von einem universalen Bewusstsein, gespalten in Myriaden von Einzelwesen, göttlichen Funken – von denen irgendwann einmal ein mit höherer Intelligenz ausgestatteter Teil zu glauben begann, unabhängig zu existieren, für sich alleine entscheiden zu können, so wie Stanley Kubricks Computer in „2001 – Odyssee im Weltraum“. Und unaufhaltsam suchen diese verirrten „kosmischen Computerprogramme“ nach „wissenschaftlichen“ Beweisen, die ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit bestätigen.

Bei einem indischen Text namens Bhagavad Gita, der nicht mehr als 18 Kapital umfasst, handelt es sich um die Essenz aller Vedischen Schriften. An einer Stelle erklärt Krishna, dass es für wirklich Weise keinen Unterschied zwischen Freude und Leid gibt. Dass diese Königen und Bettlern, ja selbst Verbrechern, mit genau derselben Einstellung, mit Indifferenz begegnen. Widerspricht so etwas nicht jeglicher Logik?

Nicht, wenn wir unserem Dasein den Stellenwert eines Spiels zusprechen. Experimentieren wir mit sogenannter „Virtual Reality“, empfinden wir den Schmerz, sobald unsere Spielfigur einem Angriff ausgesetzt ist? Hassen wir den Angreifer? Wäre es logisch, sich freudigen Emotionen hinzugeben, weil ein paar Punkte gesammelt wurden? Es ist ja alles nur ein Spiel.

So werden auch die Erklärungen verständlich, dass Weise furchtlos sind. Wovor sollten sie auch Angst haben, wenn es ihnen bewusst ist, dass selbst ihre eigenen Körper bloß nur erdacht sind?

Ich weiß, dass die Vorstellung, ohne Emotionen, ohne Furcht und ohne Freude durchs Leben zu gehen, von den meisten Menschen wohl kaum als erstrebenswert erachtet wird. Der meditierende Einsiedler mag vielleicht glücklicher sein als der gefeierte Filmstar, doch wessen Rolle würden wir lieber übernehmen?

Dazu fällt mir aber auch noch ein Punkt ein, der von den meisten Religionen – oft natürlich ohne der entsprechenden Erklärung – in den Vordergrund gerückt wird. Nämlich, dass Leiden selig mache.

Analysieren wir diese Behauptung nach den genannten Gesichtspunkten, erscheint auch Jesus nicht mehr als Vorläufer des Kommunismus, wenn er sagt, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Denn, je angenehmer die Bedingungen innerhalb des Spiels sind, desto weniger kann uns daran gelegen sein, uns davon zu lösen. Wann zieht sich ein Fußballspieler aus dem Sport zurück? Sicher nicht, solange er als Held des Teams gefeiert wird.

Um auf das vorangegangene Beispiel zurückzukommen: Stehen wir vor der Wahl, Eremit oder Star im Show-Business zu sein, so steht die Entscheidung zweifellos fest. Doch wie sieht es mit der Wahl zwischen Weisheitssuchendem und Opfer eines Gesellschaftssystems aus, das täglich acht Stunden mit ungeliebter Arbeit verbringt, dessen Ertrag gerade dafür ausreicht, ein bescheidenes Leben zu führen? Der Rest sind Hoffnungen und Träume. Stünde es mir frei zu entscheiden, ob ich den nächsten Tag vor einem Fließband verbringe oder in tiefer Meditation, bräuchte ich nicht lange zu überlegen, um meine Wahl zu treffen.

Natürlich hat unsere Gesellschaft diesbezüglich vorgebaut. Denn die Wirtschaft braucht ihre Arbeitssklaven ebenso wie ihre willigen Konsumenten. Sich von all dem zurückzuziehen wird gerne „Flucht aus der Realität“ genannt, geistige Arbeit mit Faulheit gleichgesetzt, philosophisches Denken als lebensfremd. Denn jedes Spiel braucht ja schließlich seine Teilnehmer. Und diejenigen, die zu den permanenten Gewinnern zählen, brauchen gar viele Spieler, um ihre elitäre Position zu sichern.

Ich komme zu einem Ende – auch wenn ich noch gerne weiterschreiben würde. Auch wenn ich noch auf die vielen Einzelheiten des Alltages verweisen könnte, von Krisengejammer zu Kriegsgerassel, von Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenzahlen, von politischer Korrektheit und allem was dazugehört, uns vom Sinn unseres Daseins abzulenken. Je mehr wir uns vom Spiel herausfordern lassen, desto ernster nehmen wir es; desto mehr erachten wir es als die Essenz des Seins.

Warten Sie mit Ihrer persönlichen Suche nicht darauf, dass Sie von irgendjemandem, von irgendwoher dazu eingeladen, dazu motiviert werden. Was immer sich rasch und ungehemmt verbreitet, ist in der einen oder anderen Form dafür gedacht, jemandem Profit zu bescheren. Von innerem Glück erfüllte Menschen, die ihre eigenen Spielregeln setzen, dienen weder der Wirtschaft noch dem Staat. Zeitungen werden keine Leser heranziehen, die all den „Sensationsmeldungen“ letztendlich keine Bedeutung zusprechen.

Als die Beatles einst nach Rishikesh pilgerten, wurde die östliche Philosophie plötzlich populär. Doch was war das Resultat? Unzählige Show-Gurus und gewinnorientierte Organisationen füllten das Parkett, nur all zu oft als Segensspender missverstanden.

Keine Kirche wird Sie jemals zur Weisheit führen, weil diese genau dadurch ihre eigene Existenzberechtigung untergräbt. Kein wirklicher Guru – um diesen indischen Begriff zu verwenden – der tatsächlich dazu fähig wäre, Sie in die Geheimnisse des Seins einzuführen, würde jemals Popularität suchen, eine Webseite betreiben oder Seminare anbieten.

Lassen Sie sich nicht davon abhalten, nach Anregungen zu suchen. Doch die wirkliche Arbeit bleibt Ihnen alleine überlassen. Ganz alleine. So wie das Erreichte auch nur Ihnen alleine dient. Niemand wird es Ihnen ansehen, wenn Ihr Verständnis gewachsen, Ihr Wissen reicher, Ihr Dasein ausgeglichener sein wird. Niemand wird Sie beneiden – und außerdem, solange Sie beneidet werden wollen, werden Sie auch um keinen Schritt weiterkommen.

Ich wünsche viel Erfolg – und Gottes Segen!

Über Konrad Hausener