Dienstag , 27 Juni 2017
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Buddhismus: Religion, Philosophie oder einfach Logik?

buddhist_monks_tibetEs scheint als böten die Lehren Siddharta Gautamas, besser bekannt als der Buddha, eine durchaus willkommene Alternative, sowohl zum rein rationalen Weltbild als auch zu oft dogmatischen Konzepten anderer Religionen. Doch ist Buddhismus überhaupt als Religion zu bezeichnen, ein „Glaube“ ohne Gott und ohne Seele? Wie lässt sich diese Lehre in ihren Kernaussagen verstehen? Der Buddhismus beruft sich nicht auf die Worte seines Begründers. Er beruft sich auf logische Zusammenhänge. Weder weiß die Geschichte von Kriegen „im Namen Buddhas“ zu berichten noch gibt es Anzeichen dafür, dass die eigenen Anhänger jemals von Klerikern unter Druck gesetzt wurden. Selbst der dem Christentum gegenüber eher negativ eingestellte Altkanzler Helmut Schmidt fand in einem vom ARD ausgestrahlten Gespräch positive Worte zu den Lehren von Shakyamuni.

Am 2. Mai hatte Reinhold Beckmann Helmut Schmidt und Peter Scholl-Latour zu einem Gespräch über den Tod Bin Ladens und andere politische Themen zu sich ins Studio geladen. Gegen Ende der einstündigen Sendung kamen die religiösen Einstellungen der beiden alten Herren zur Sprache. Nach einem kurzen Hinweis auf die sogenannte „Goldene Regel“, die von Kant frei als: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“, Erklärung fand, drückte Altkanzler Helmut Schmidt seinen Respekt gegenüber dem Buddhismus aus. Als besonders lobenswert äußerte er das „Motiv des Friedens“. Scholl-Latours vorsichtiger Einwand, ein Hinweis auf die durch die Roten Khmer verursachten Massaker, verfehlte den Punkt bei weitem. Zwar ist Kambodscha ein von Buddhismus geprägtes Land, bei den Roten Khmer handelt es sich jedoch um eine marxistische Guerillabewegung.

Ursprung des Buddhismus

bodhgaya_pappelfeigeAls Geburtsjahr von Siddharta Gautama, einem Prinz aus dem Hause Shakya – und deswegen auch als Shakyamuni, der „weise Shakya“ bekannt – wird mit 563 v. Chr. angenommen. Obwohl selbst in Luxus lebend, war Siddharta von den Leiden der Menschheit, durch Krankheit, Tod und Elend, zutiefst überwältigt. Der Überlieferung nach, war er bereits verheiratet und Vater eines Sohnes, als er beschloss, das in Nordindien gelegene Königreich zu verlassen, um sich, in Abgeschiedenheit lebenden, Weisheitssuchenden anzuschließen. Nach Jahren der Askese, erlebte er schließlich, unter einem Bodhi-Baum (Pappelfeige) in Bodhgaya meditierend, seine „Erleuchtung“ oder sein „Erwachen“, worauf die Bezeichnung „der Buddha“, also „der Erleuchtete“ verweist.

Während Siddharta Gautama, der Begründer der Lehre, als der Buddha bezeichnet wird, gilt auch jeder andere Mensch, der den Zustand des „geistigen Erwachsens“ erreicht, als „Erleuchteter“ oder als „Buddha“. Demzufolge erkennt die Lehre des Buddhismus auch keinen Widerspruch in der Existenz anderer Religionen. Bei erleuchteten Lehrern handelt es sich, nach Auffassung des Buddhismus, einfach um andere Buddhas.

Nach dem Erfahren der ultimativen Bewusstseinserweiterung, fanden sich rasch Schüler um Siddharta ein, um an seinen Erkenntnissen teilzuhaben. So verbreitete sich seine Lehre im Laufe der folgenden Jahrhunderte über große Teile Asiens. Niedergeschrieben wurden die Konzepte jedoch erst nach etwa vier Jahrhunderten, worin wiederum eine erwähnenswerte Bedeutung steckt.

Tiefes, rein geistiges Wissen lässt sich mittels einer Sprache, die auf sinnlich wahrnehmbaren Objekten und Zusammenhängen basiert, nur durch Umschreibungen und Gleichnisse ausdrücken. Wird dieses Wissen durch einen Lehrer, der selbst das entsprechende Verständnis dafür gefunden hat, persönlich an seine Schüler weiter gegeben, sind Missverständnisse weitgehend auszuschließen. Beruft sich eine Lehre jedoch ausschließlich auf das „geschriebene Wort“, öffnet sich ein breiter Spielraum für Interpretationen, woraus sich letztendlich Dogmen, die oft genug vom Kern der Lehre entscheidend abweichen, entwickeln. Gautama-Buddha soll seinen Schülern ausdrücklich geraten haben, seinen Aussagen niemals blindes Vertrauen zu schenken. Es sei unverzichtbar, die Logik der Zusammenhänge zu verstehen.

Hinduismus zur Zeit Siddharta Gautamas

Wenn aus einer bestehenden Religion eine neue Lehre hervorgeht, so basiert dies üblicherweise auf Schwachstellen in den traditionellen Überlieferungen. Der Begriff „Hinduismus“ ist übrigens erst in jüngerer Vergangenheit entstanden. Davor wurde in Indien von einer „Vedischer Religion“ gesprochen, als Verweis auf die Schriften, auf denen der Welt älteste noch praktizierte Religion basiert.

Im Gegensatz zum Christentum, gab es im Hinduismus niemals eine zentrale Steuerungsstelle. Die Lehren wurden von der Priesterkaste, den Brahmanen, weitergegeben. Diese verwalteten ihre Tempel, praktizierten Rituale und unterrichteten die Bevölkerung in den verschiedenen Regionen Indiens weitgehend unabhängig voneinander. Es wird erzählt, dass zumindest in einigen Fällen das Brahmanentum von Machtstreben beeinflusst war, was wiederum bedeutete, dass die „Geheimnisse“ der Lehren nicht mit dem gemeinen Volk geteilt wurden. Auch sollen Tier- und in seltenen Fällen sogar Menschenopfer im ersten vorchristlichen Jahrtausend, obwohl solche der Hindu-Lehre grundsätzlich widersprechen, praktiziert worden sein. Daraus erklärt sich wiederum, warum der Schutz jeglichen Lebens, Würmer und Insekten eingeschlossen, von Buddhisten derart respektiert wird.

Überblick über die Kernpunkte der buddhistischen Lehre

Es sei erwähnt, dass, wo immer Buddhismus als neue Lehre auftauchte, bereits ältere Glaubenskonzepte existierten. Demzufolge finden sich in den verschiedenen Regionen teils augenfällige Unterschiede in buddhistischen Konzepten. Die sogenannten „rasenden Gottheiten“, die als Bestandteil des tibetischen Buddhismus gelten, sind ein Rest älterer Lehren, die mit denen Buddhas verschmolzen, um nur ein Beispiel zu nennen. Trotzdem, im Kern decken sich die verschiedenen buddhistischen Konzepte, den japanischen Zen-Buddhismus eingeschlossen, aber durchaus.

Der Buddhismus setzt sich in keiner Weise mit einem personifizierbaren Schöpfergott auseinander. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei jedem individuellen Wesen um eine, seit „anfangloser Zeit“ existierende, Lebensform handelt. Verschiedene Seinsebenen, also auch jenseits der sinnlichen Wahrnehmbarkeit, voraussetzend, seien es die einzelnen Handlungen unzähliger solcher Individuen gewesen, die das Entstehen einer materiellen Welt nach sich zogen.

Der Betriff „Karma“ findet meist als eine Art „kosmisches Schuldenregister“ Verwendung. Die Bedeutung des Wortes ist „Handlung“ oder „Aktion“. Jede Handlung, die gesetzt wird, führt zu bestimmten Konsequenzen, die sich entweder positiv oder negativ auswirken. Sowohl buddhistische als auch andere östliche Lehren gehen nun davon aus, dass sich der Verursacher von bestimmten Konsequenzen, zu einem späteren Zeitpunkt, vergleichbaren Erlebnissen ausgesetzt findet. Dies wird jedoch keineswegs im Sinne einer „kosmischen Rache“ verstanden, sondern ausschließlich als Lernprozess. Auf diesem Wege soll jedes einzelne Wesen jenes Verständnis finden, das als Voraussetzung für eine harmonische Koexistenz zu erachten ist.

Dass der Begriff „Seele“ im Buddhismus keine Verwendung findet, obwohl Leben sowohl vor der Geburt als auch nach dem Tode weiter existiert, geht auf ein Konzept des Hinduismus zurück, das von Gautama-Buddha abgelehnt wurde. Dabei wird zwischen „Jiva“, der individuellen Seele, und „Atman“, einer Gemeinschaftsseele, der alle Menschen angehören sollen, unterschieden. Nicht die Existenz von „Jiva“ wurde durch Gautama-Buddha bestritten, sondern jene von „Atman“.

Völlig abseits von Evolutions- und Kreationslehre, geht der Buddhismus davon aus, dass die Summe der Handlungen unzähliger Einzelwesen das Entstehen eines materiellen Universums bewirkt hatte; dass dadurch genau jene Bedingungen geschaffen wurden, die wiederum regelmäßigen Veränderungen unterliegen, die notwendig sind, um jene Leiden, aber auch Freuden, zu erleben, die Anderen angetan wurden.

Die von der Wissenschaft allgemein akzeptierte Evolutionslehre fragt nach keinem Sinn im Ursprung des Seins. Befürworter der sogenannten Kreationslehre erachten „Gottes Willen“ als Erklärung für den Beginn. Der Buddhismus geht davon aus, dass Leben nicht erschaffen wurde, sondern seit jeher existierte und in alle Ewigkeit existieren wird. Erst durch die Interaktionen unzähliger einzelner Lebewesen entstanden materielle Welten, um die Bedingungen zum Ausleben des angesammelten „Karmas“ zu schaffen.

Jedes Lebewesen bewegt sich durch einen endlosen Kreislauf von Geburten und Wiedergeburten. Allerdings, durch restloses Verstehen der Zusammenhänge, durch „Erwachen“ oder „Erleuchtung“, soll ein Entrinnen aus diesem Kreislauf möglich sein, ein Verschmelzen mit dem eigentlichen Ursprung allen geistigen Seins.

Den Lehren des Buddhismus zufolge, gibt es 31 (in einigen Fällen werden 33 genannt) Ebenen der Existenz. Die günstigsten Voraussetzungen, um Verständnis zu erlangen, bietet die menschliche Geburt. Als, im Vergleich zum Menschen, niedriger einzustufen wären Dämonen, „hungrige“ oder „rastlose“ Geister, Tiere und Höllenwesen, deren Dasein ausschließlich durch grauenhafte Leiden gezeichnet ist. Allerdings, Hölle in diesem Sinne ist kein Ort für die Ewigkeit. Auch ein „Leben in der Hölle“ endet durch Tod, was wiederum erlaubt, erneut auf höhere Ebenen aufzusteigen.

buddha_statueJenseits des menschlichen Daseins soll es mehr als zwei Dutzend Ebenen von „göttlicher“ oder höherer Existenz geben. Die idealen Voraussetzungen zum Erlangen von Verständnis finden sich deswegen im menschlichen Dasein, weil niedrigeren Wesen der Zugang zu buddhistischen Lehren nicht möglich ist, höhere Wesen hingegen ein konfliktfreies, harmonisches Leben genießen, das keinen Anlass zum Hinterfragen bietet. Gerade das Zusammenspiel von Intelligenz und Konfrontationen mit nicht immer willkommenen Umständen, führt Menschen letztendlich dazu, den Sinn des Seins zu hinterfragen, nach Antworten zu suchen, einschließlich der Möglichkeit, sich bewusst und willentlich zu verändern.

In diesem Sinne lässt sich auch eines der Kernelemente aller buddhistischen Lehren, die sogenannten „vier edlen Wahrheiten“ verstehen.

  1. Es gibt Leiden.
  2. Die Ursache von Leiden liegt im Verfolgen falscher Ziele (Begierde, Habgier, Bindung an materielle Objekte, etc.)
  3. Wenn Leiden eine Ursache hat, so lässt es sich beenden, indem die Ursache aufgehoben wird.
  4. Zum Erkennen der falschen Ziele als solche dient der „achtfache Pfad“.

Dieser achtfache Pfad setzt sich, um es in kurze Worte zu fassen, mit der richtigen Denk- und Lebensweise auseinander.

Einem Grundprinzip des Buddhismus, das besagt, dass sich jeder Mensch nach Glück oder Glücklichsein sehnt, wird wohl niemand widersprechen. Unterliegen wir vorwiegend einer materiell orientierten Denkweise, so erwarten wir, dass dieses Glücksgefühl durch Wohlstand, durch Ansehen, dem Erwerb bestimmter Güter etc. zu erreichen ist. Der buddhistischen Auffassung entsprechend, führt jedoch sowohl das Streben nach den genannten Voraussetzungen oder Dingen zu Leiden als auch das Erreichen dieser Ziele. Sobald Wohlstand einsetzt, das erhoffte Glückgefühl jedoch sehr rasch wieder versiegt, setzt entweder ein Verlangen nach mehr oder die Sorge um die Erhaltung der Errungenschaften ein. Beides bringt neue Leiden mit sich.

Buddhismus im täglichen Leben

dalai_lama_folded_handsSelbstverständlich ist das Leben in einem buddhistischen Kloster strengen Regeln unterworfen. Dazu zählen strikte vegetarische Ernähung, sexuelle Enthaltsamkeit und regelmäßige Übungen, wie Meditation und Gebete. Die überwiegende Mehrzahl von Buddhisten lebt jedoch nicht in Klöstern. Inwieweit Empfehlungen von buddhistischen Laien beachtet werden, bleibt grundsätzlich jedem selbst überlassen. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine Gesellschaft, die von einer bestimmten Denk- oder Lebensweise geprägt ist, auf jedes Mitglied entsprechenden Einfluss ausübt. So schreibt der Dalai Lama in seinem, 1994 veröffentlichten, Buch „The Way to Freedom“ auf Seite 93:

„Würden mehr Menschen an die Gesetzmäßigkeit von Karma glauben, so bräuchten wir vermutlich weder Polizeikräfte noch einen Strafvollzug.“

Wie Heinrich Harrer in seinem Buch „Sieben Jahre in Tibet“ wissen lässt, gab es auch in der dortigen traditionellen Gesellschaft Verbrecher, die meist dazu verurteilt wurden, für eine bestimmte Zeit Fußfesseln zu tragen. Vom Rest der Bevölkerung wurden sie, buddhistischen Konzepten entsprechend, jedoch keineswegs verachtet. Im Gegenteil. Es wurde ihnen Mitgefühl entgegen gebracht und sie wurden auf freiwilliger Basis mit Nahrung versorgt, nachdem sie, der Fesseln wegen, keiner Arbeit nachgehen konnten.

Vermutlich respektiert jeder Buddhist das Leben von Tieren. Dies bedeutet aber nicht, dass Fleischkonsum kategorisch untersagt ist. Für das Sexualleben gibt es Richtlinien, die jedoch eher der Erhaltung der Harmonie in der Gesellschaft dienen, bestimmte Praktiken ausschließen, doch davon abgesehen weder Enthaltsamkeit noch Monogamie predigen.

Eine buddhistische Gebetsformel lautet: „Ich suche Zuflucht beim Buddha, in der buddhistischen Lehre (Dharma) und in der buddhistischen Gemeinschaft (Shanga). Die Gemeinschaft bietet die Grundlagen für ein relativ konfliktfreies Leben. Die Lehren führen zu einem besseren Verständnis des Sinns im Dasein. Und der Buddha selbst gilt als Beispiel dafür, dass absolutes Verständnis oder Erleuchtung während einer Lebensspanne durchaus erreichbar ist.

Gautama-Buddha hatte den sogenannten „Mittelweg“ gelehrt. Nicht extreme Übungen, Selbstkasteiung und endloses Fasten führen zum Ziel, sondern das Erkennen logischer Zusammenhänge in Verbindung mit einem gemäßigten Lebensstil. Während Streben nach Reichtum oder Macht keineswegs zu Glück oder innerer Zufriedenheit führt, ergibt es gleichzeitig aber auch wenig Sinn, sich durch Verzicht auf die einfachsten Bedürfnisse zu quälen.

Selbstverständlich schließt dieses Konzept ein, dass sich auch die führenden Mitglieder der Gesellschaft von Übertreibungen distanzieren. Mit Sicherheit entspräche es nicht den Grundsätzen der Lehre, die Massen zu Bescheidenheit zu erziehen, während deren Arbeitskraft für den Wohlstand einer Elite ausgenützt wird. Wie überall auf der Welt, mag es auch diesbezüglich seltene Ausnahmen geben, doch grundsätzlich wird, der buddhistischen Denkweise entsprechend, nicht Menschen Respekt entgegen gebracht, die sich großen Reichtums erfreuen, sondern denjenigen, die durch Weisheit und Verständnis glänzen.

Die Lehren von Jesus, löst man sie aus dem Gesamtkonzept der christlichen Religionen heraus, decken sich zu einem nennenswerten Teil mit jenen von Gautama-Buddha. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, nehme ich ein einziges, doch markantes Beispiel heraus: Seine Feinde zu lieben oder zumindest, ihnen nicht mit Hass zu begegnen. Der Buddhismus führt dazu nämlich auch die entsprechende Erklärung an.

Als wohl extremstes Beispiel nehme ich wiederum die Situation Tibets her. Vor einem halben Jahrhundert fielen die kommunistischen Horden über das Land her, ermordeten Hunderttausende, die meisten davon Nonnen und Mönche, und zerstörten ihre Klöster. Wie soll es möglich sein, keinen Hass gegen die Verantwortlichen dieses grausamen Völkermordes zu verspüren?

Auch für praktizierende tibetische Mönche ist es nicht leicht, Aggressionen gegen die Besatzer zu überwinden. Trotzdem, bei den Ausführenden der Massaker und der Unterdrückung handelt es sich um Menschen, die selbst zu Opfern einer politischen Ideologie wurden. Der buddhistischen Lehre entsprechend, wird es keinem einzigen der chinesischen Soldaten und ihren Vorgesetzten, bis hin zu Mao-Tse-Tung, erspart bleiben, zu einem späteren Zeitpunkt beziehungsweise in einem folgenden Leben ähnliches zu erleiden, was sie selbst bewirkt haben. Ungeachtet, ob ihr Verhalten auf Bösartigkeit oder schlicht Ignoranz basiert, die Zukunft – das nächste Leben eingeschlossen – wird sie all jene Leiden erfahren lassen, die sie selbst Anderen angetan haben. Karma wird mit einem abgeschossenen Pfeil verglichen, der durch nichts mehr aufgehalten werden kann, bis er sein Ziel erreicht.

Setzt sich der Unterdrückte durch Gewalt zur Wehr, ist er es selbst, der sich an seinem Peiniger rächt, so hat sich dessen Karma dadurch erfüllt. Allerdings, gleichzeitig lädt das ursprüngliche Opfer neues Karma auf sich. (Matthäus 7; 1: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.“) Es muss gleichzeitig aber auch berücksichtigt werden, dass der Buddhist davon ausgeht, dass jedes Leid, das ihm geschieht, von Haus aus durch sein eigenes Karma bedingt ist. Sein Widersacher ist somit bloß vom Schicksal auserkoren, dieses Karma zu erfüllen.  Bei diesem Zusammenspiel von Aktionen und Gegenaktionen handelt es sich letztendlich um die Bedingungen für den Fortbestand der Ereignisse auf einer bestimmten Seinsebene. Wird eine Epoche von Rücksichtslosigkeit und Egoismus geprägt, so können sich, der Lehre Buddhas zufolge, die Voraussetzungen nur weiter verschlechtern. Bis eines Tages die „Goldene Regel“ wieder mehr Beachtung findet: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.“

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