Erzähle uns von deinem Kopftuch! - Die vierte Geschichte
Anmerkung an die Leser: Wer den Hintergund der Artikelserie "Erzähle uns von Deinem Kopftuch" nicht kennt, kann diesen hier in unserem Einladungsschreiben nachlesen. Und jetzt geben wir das Wort einer weiteren Leserin, der wir für die Einsendung ihrer persönlichen Kopftuchgeschichte ganz herzlich danken:
Ich bin Deutsche und das schon immer gewesen und erst mit Mitte 40 zum Islam konvertiert. Aus absoluter Überzeugung, nachdem mein Interesse geweckt wurde und ich mich belesen hatte. Erstmal war das Kopftuch gar kein Thema für mich, aber ich habe meinen Lebensstil umgestellt - ich war immer sehr locker, gemischte Sauna, FKK-Strand - das war für mich selbstverständlich. Der Sinneswandel kam über den Kopf - wenn ich den Koran als göttliche Überlieferung annehme, dann muss ich mich auch danach richten.
Und so hab ich mir das Schamgefühl sozusagen angelernt und finde es heute eher sonderbar, dass ich früher so anders gelebt habe. Ein Jahr nachdem ich konvertiert bin, hab ich mit dem Kopftuchtragen konsequent angefangen. Wobei es ja nicht nur das Kopftuch ist, sondern der ganze Kleidungsstil. Und heute finde ich das sehr angenehm, gerade auch im Umgang mit Männern. Es schafft eine angenehme Distanz und sachliche Atmosphäre. Für mich ist ganz klar, dass der Hijab genau dazu da ist: sich als Frau in der Öffentlichkeit bewegen und engagieren zu können, ohne durch irgendwelche zwischengeschlechtlichen Spielchen beeinträchtigt zu werden. Hijab heißt für mich nicht, dass ich mich verstecken soll und nicht nach draußen gehen, im Gegenteil.
So habe ich den Hijab für mich völlig akzeptiert und seinen Nutzen erkannt und möchte nicht mehr ohne sein. Probleme gab es auch, gerade mit den Menschen die mich so anders kannten und viele Kontakte sind abgebrochen, dafür habe ich andere dazugewonnen.
Natürlich ist der Kleidungsstil nur ein kleiner Teil der islamischen Lebensweise, aber es gehört für mich eben dazu, ich finde die entsprechenden Koranauslegungen eindeutig und weiß, Gott fordert nichts Unsinniges von uns, sondern gibt uns nur auf, was gut für uns ist. Und da gehört der Hijab eben dazu. Aber das muss man akzeptieren und darf natürlich nicht dazu genötigt werden, dann macht es ja keinen Sinn.
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