Erzähle uns von deinem Kopftuch! - Die fünfte Geschichte
Anmerkung an die Leser: Wer den Hintergund der Artikelserie "Erzähle uns von Deinem Kopftuch" nicht kennt, kann diesen hier in unserem Einladungsschreiben nachlesen. Und jetzt geben wir das Wort einer weiteren Leserin, der wir für die Einsendung ihrer persönlichen Kopftuchgeschichte ganz herzlich danken:
Es ist lange her, dass ich jeden Tag ein Kopftuch tragen musste. Mittlerweile lebe ich in einem demokratischen Land, einem freien Land, in dem das Aussehen keine große Bedeutung hat. Die Menschen kleiden sich nach ihrem Wunsch, Geschmack, Budget und beruflichen Vorgaben. Dass man in der Innenstadt Frauen mit einem Kopftuch begegnet ist eher die Ausnahme, sie fallen nicht auf, da ihre Kopftücher bunt sind. Sie sind je nach Wetter sommerlich gekleidet, auch in bunten Farben. Kurze Röcke über Hosen sind in den heißen Sommermonaten begehrt. Diese Frauen können über ihre Kleidung selbst entscheiden, mit dem kleinen Unterschied, dass die islamischen Vorgaben berücksichtigt werden. Sie sind zum Teil leicht geschminkt und in ihrem Freundeskreis sind Mädchen und Frauen, die ein Kopftuch tragen und wiederum welche die ihre volle Haarpracht zeigen.
Die Mädchen und Frauen besuchen die Schule und dürfen einen Beruf erlernen. Sie sind belesen und intelligent. Sie kennen ihre Rechte und müssen keine Zwangsheirat befürchten. Sie haben das Recht zu klagen, wenn ihnen Unrecht widerfahren ist und der Staat beschützt sie und ihre Kinder. Sie müssen nicht befürchten, dass ihr Mann im Falle einer Scheidung ihnen ihre Kinder für immer und ewig wegnimmt. Ich wünschte mir es wäre überall so wie hier, wie in diesem freien demokratischen Land. Mit Gesetzen in denen für Gleichberechtigung und freies Denken und Handeln gesorgt wird.. Für diese Gleichberechtigung mussten jahrhundertelang Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung kämpfen. Teilweise haben sie mit ihrem Leben bezahlt. Sie haben gekämpft und gekämpft, dass Unrecht, Unterdrückung, Misshandlung und Missachtung ein Ende nahm. Ihnen verdanken wir Frauen heute unsere Freiheit und Gleichstellung in der Gesellschaft.
Ich verdanke ihnen meinen Mut, denn auch ich habe durch meinen Schicksal meinen ganzen Mut gefasst und meinem früheren Leben den Rücken gekehrt. Ein Leben, in dem ich sehr jung zwangsverheiratet wurde. In einem Land, indem ein Mädchen bereits mit 9 Jahren, nach islamischen Recht, volljährig ist und verheiratet werden darf. Mein Mann war viermal so alt.
Wenn ich heute in den Nachrichten Berichte über Vergewaltigung von Kindern höre, zittere ich am ganzen Körper. Hier werden die Kinder aus ihrem Elend gerettet, sie werden psychologisch betreut und in anderen Familien untergebracht. Sie werden beschützt und haben eine Chance….Wo bleibt die Chance für all die anderen Mädchen auf dieser Welt?
Meine Lebensgeschichte ist lang und traurig. Ich habe mich und mein eigenes Leben retten können, ob ich meine Kinder je wieder sehen werde steht in den Sternen geschrieben. Ich kämpfe, dass sie zu mir kommen und für immer in einem freien Land leben können. Es gibt nur einen kleinen Schimmer der Hoffnung.
Was vielleicht die westlichen Frauen bedenken sollten, wenn Sie dem Islam beitreten, ist die Frage, ob sie auch bereit wären alle Regeln zu befolgen. Alle Regeln und Gesetze die in einem heutigen islamischen Land Tag für Tag praktiziert werden. Wären sie bereit ihre Tochter mit 9 Jahren zu verheiraten, zuzusehen, wie ihr Kind, ihr Herz und Blut mit einem alten Mann verheiratet wird?
Zu sehen, dass sie kein Recht haben um ihr Kind davor zu bewahren. Zu erkennen, dass kein Recht existiert, niemand da ist der sie beschützt, sie anhört und sich für sie einsetzt.
Meine Worte sind ein Appell an diese Frauen sich für die Rechte der Kinder, Mädchen und Frauen einzusetzen, die in einem anderen Land keine Rechte haben….



