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R³ - Was wurde aus der Protestbewegung im Iran?

iranWer kann sich daran noch erinnern: Letztes Jahr um die gleiche Zeit, gab es, aufgrund eines angenommenen Wahlbetrugs durch die dortigen Machthaber, große Proteste im Iran. Hauptsächlich in der Hauptstadt Teheran. Die Berichterstattung hier in Deutschland war erbärmlich. Reporter saßen in ihren Hotelzimmern vor den Kameras und erklärten, dass es gefährlich sei, nach draußen zu gehen. Und, dass man es ihnen verboten habe. Journalismus mit Herzblut hatte ich mir bis dahin etwas anders vorgestellt. 

Draußen starben junge Menschen.  Das, was unsere gut bezahlen Reporter nicht berichteten, konnte man jeden Tag bei Youtube ansehen. Gefilmt von iranischen Studenten, die für diese Aufnahmen alles riskierten. Und sie konnten nicht darauf hoffen von einem Anwalt der deutschen Botschaft nach wenigen Stunden wieder aus dem Gefängnis herausgeholt zu werden.

Wollte man sich, von deutscher Seite aus, die wirtschaftlichen und politischen Verbindungen nicht verderben? Das wäre zwar zu verstehen, gäbe einem aber sehr zu denken, hinsichtlich der Idee einer unabhängigen Presse. Die scheint es dann in Deutschland nicht mehr zu geben.

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Und heute? Gibt es die Protestbewegung noch? Was wurde aus den Menschen? Wissen wir überhaupt etwas über den Iran? Irgendwie scheint es da viele schwarz gekleidete Mullahs zu geben und Kopftücher für Frauen. Und sonst? Vielleicht das, was uns im Geschichtsunterricht beigebracht wurde, aus einer Epoche, die zwei Jahrtausende zurückliegt. Und auch dabei kennen wir nur die griechische Sicht. Wir wissen nicht, warum im Iran ein Mann auf die Schulter geküsst wird. Wir wissen nicht, warum eine Frau das Gold nicht mehr haben will, mit dem sie beim europäischen Zoll Schwierigkeiten bekam. Wir wissen nichts vom Alltag im Iran.

wir sind der iran coverWer erfahren möchte, über was man in iranischen Blogs diskutiert, wer erstaunt sein will, betroffen, überrascht und zu Tränen gerührt, sollte vielleicht das Buch „Wir sind der Iran“, von Nasrin Alavi, lesen. In mehreren Handlungssträngen wird hier beschrieben, was in den letzten 100 Jahren im Iran an politischer, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung stattgefunden hat. Gewürzt mit Blog-Einträgen junger Studenten und politischer Aktivisten der letzten Jahre, aus denen man auf einmal eine ganz neue Sicht auf die angebliche Amerika-Feindlichkeit der Iraner erhalten kann. Aus denen man eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem Engagement des Irans in Palästina liest. Aber auch eine große Traurigkeit, hinsichtlich der Unterdrückung von Freiheit, der eigenen Kunst und Musik  und der Sehnsucht nach Gerechtigkeit.

Und nach der Lektüre dieses Buchs, wenn einem die Blogger irgendwie persönlich näher gekommen sind, und man feststellen muss, dass die Mail-Adressen nicht mehr existieren und die Blogs gelöscht wurden, versteht man noch viel weniger, warum die ganze freie, westliche und demokratische Welt der Protestbewegungen im Iran nicht einmal den kleinen Finger gereicht hat. Wir alle, wir ach so freien und demokratischen westlichen Bürger haben ihnen die kalte Schulter gezeigt, als Blut geflossen ist in Teherans Straßen und deutsche Reporter wie kleine Schulbuben in ihren Hotelzimmern saßen.

Zum Abschluss noch ein Hinweis an alle Leser die sich nun fragen, was "R³" in der Überschrift zu bedeuten hat. Es steht für "Rottlers Rigoroses Review" und wird in Zukunft einen unregelmäßigen, aber festen Platz auf The Intelligence einnehmen. An dieser Stelle schon einmal ein Dank an Wilfried Rottler (wr), der uns die Texte exklusiv zur Verfügung stellt.


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