Anne Will - Ein Kommentar
Anne Will. Eine Sendung, deren durchschnittliche Ausstrahlung auf überdurchschnittlicher Scheinheiligkeit beruht. Nehmen wir beispielsweise die Sendung vom vergangenen Sonntag - Titel: Zocken, spekulieren, abkassieren – haben Banker aus der Krise nichts gelernt? Eine Fragestellung, die an Einfältigkeit kaum zu überbieten ist und selbst bei allergrößtem Wohlwollen und dem Zudrücken beider Augen gerade noch als Suggestivfrage durchgehen könnte. Denn natürlich haben Banker aus der Krise gelernt. Und zwar das Zocken, Spekulieren und Abkassieren in der Welt des Kapitalismus die drei Besten, weil es nicht nur die Einträglichsten, sondern auch die an persönlichen Risiken ärmsten Versionen des Leute-Übern-Tisch-Ziehen sind.
Man sollte sich nichts vormachen: solang der Staat nicht eingreift, wird der Banker weiterhin tief und mit beiden Händen in die Pötte greifen, die die Volkswirtschaften weltweit im Schweiße ihrer Arbeitnehmer mit Müh und in Not füllen. Solange die Spielbanken nicht geschlossen werden, solange werden die Damen und Herren weiter ihre Jetons auf Alles oder Nichts setzen, denn egal wo die Kugel auch hinrollt: verlieren können sie dabei ja nicht. Und da können die Politiker bei Anne Will debattieren, sich erregen und medienwirksam Blut und Galle spucken: sie sind doch nur die Puppen, deren Stricke in den Händen von Ackermann und Co. liegen.
Anne Will. Doch können muss man auch.




