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Haiti zwei Jahre nach der Erdbebenkatastrophe: Symptombekämpfung statt Konsequenz

praesidentenpalast haiti230.000 Menschen riss das verheerende Beben am 12. Januar 2010 in den Tod, wie viel Menschen in Folge an Cholera, Hunger, Armut starben oder Verbrechen zum Opfer fielen, ist unklar. Da erscheint das Ernährungssicherheitsprogramm, mit dem sich die Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung, kurz USAID, sowie die “Batey Relief Alliance” (BRA) brüstet, weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein: Laut Latina Press werden dieses Jahr, wie schon die vergangenen vier Jahre zuvor, rund 244 Tonnen Nahrungsmittel, finanziert durch die USAID Food for Peace, in den „von Hunger und Armut am stärksten gefährdeten und verarmten städtischen Slums und ländlichen Gemeinden der Dominikanischen Republik und den Dörfern im Südosten der Grenzregionen von Haiti verteilt.“

Doch wie sieht es in den übrigen Regionen aus? Wie weit ist der, nicht nur vom neuen Präsidenten, versprochene Wiederaufbau des Landes gediehen? Bereits wenige Monate nach der Katastrophe zeichneten sich fatale Versäumnisse bezüglich Hygieneaufklärung, Warnung vor verseuchtem Trinkwasser sowie mangelnde Koordination der Hilfsorganisationen ab, was den Ausbruch der seit 200 Jahren ausgerottet geglaubten Cholera begünstigte bzw. überhaupt erst ermöglichte. The Intelligence berichtete darüber.

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Auch heute sind die Trümmer längst nicht alle beseitigt. Die „International Organisation for Migration“ (IOM) spricht von über einer halben Million Menschen, die nach wie vor unter bescheidensten Bedingungen in überfüllten Camps leben. Der Wiederaufbau bzw. die Neueinrichtung ihrer Häuser scheitert am Geld.

Die Zahlen aus dem Büro Bill Clintons, seines Zeichens UN-Sonderbeauftragter für Haiti, sprechen ernüchternde Bände: Für den Wiederaufbau Haitis werden 580 Millionen Euro benötigt. Die Internationale Geberkonferenz sagte kurz nach dem Beben nur 127 Millionen Euro für diesen Zweck zu. Bisher ausbezahlt wurden lediglich ganze 41 Millionen.

Auch der einstige Hoffnungsträger der Haitianer, der im März 2011 zum Präsidenten gewählte und als Karnevalssänger populär gewordene Michel Martelly, schaffte es bisher nicht, Korruption einzudämmen, sowie die Zusammenarbeit und Koordination mit den Hilfsorganisationen wesentlich zu verbessern. Doch anstatt die desaströse Infrastruktur tatkräftig zu verbessern, schmiedet Martelly andere Pläne: Eine haitianische Armee möchte er gründen, zur Sicherheit, wie er verlauten lässt, schließlich werden die UN-Truppen auf 10.500 Soldaten reduziert. 73 Millionen Euro kostet wohl diese neue Armee, 73 von zig Millionen Euro, die in diesem Land an allen Ecken und Enden fehlen.

Doch, selbst wenn die Mittel ausreichen würden, um die Bevölkerung Haitis endlich in Würde und gut versorgt leben lassen zu können, kann sich diese Tragödie selben oder noch größeren Ausmaßes im Nachbarland zu jeder Stunde wiederholen.

Bereits kurz nach dem verheerenden Erdbeben in Japan warnten Experten, dass die Dominikanische Republik durch ein ähnliches Beben wie in Haiti verwüstet werden könnte. Geologen an der Columbia University sprechen von einem erhöhten Risiko eines Bebens der Stärke 8 für das Gebiet um Santiago de los Caballeros. Aller eindringlichen Warnungen zum Trotz hat sich das Erdbebenmanagement der Dom Rep bis heute nicht verbessert, wie Latina Press berichtet. Der Direktor des Seismologischen Instituts an der Universität Santo Domingo bemängelt, dass es keinerlei Risikomanagement bei den Kommunen und keinerlei Leitfaden für die Bevölkerung im Falle eines Bebens und seiner Folgen gäbe. Die Bevölkerung ist sich nicht einmal dieser Gefahr bewusst.

Kommentieren lässt sich dieses Verhalten am besten mit folgendem Sprichwort von Unbekannt:

„Kluge Leute lernen aus den Fehlern anderer, der Durchschnitt aus eigenen Fehlern, der Dumme noch nicht einmal das“.


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  22.05.2012 The Intelligence

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