Not-Aus-Schalter?
Früher, so kann ich mich aus meiner Lehrzeit erinnern, gab es für jede Maschine einen roten Knopf. Der sogenannte oder auch als "Not-Aus" bezeichnete Schalter sollte es beispielsweise ermöglichen, jemandem zumindest den Rest der verbliebenen Atomanhäufung sichern zu können, der sich zuvor versehentlich mit dem Ärmel seines Kittels in einem Dreibackenfutter seiner Drehmaschine verfangen hatte.
Diese Maschinen sind heute noch weltweit im Einsatz und dienen dem Zweck, mittels der Zerspanungstechnik Rundmaterial aller Art in eine andere Form zu bringen. Die fortschreitende Vernetzung von Maschinen führt jedoch dazu, dass die besagten "Not-Aus-Schalter" bereits in der Planung gedanklich vernachlässigt werden.
Die Unfallverhütungsvorschriften sind heute scheinbar derart ausgereift, dass dieser Schalter nach und nach obsolet wird. Mit CNC (Computerized Numerical Control) nahm die Geschichte der Maschinen ihren Lauf ins Computerzeitalter. Ganze Produktionsstraßen werden miteinander verknüpft, Menschen durch Rechner ersetzt. Etwa wie damals bei den Webstühlen. Nur das dieser Vorgang heute als selbstverständlich betrachtet und aufgenommen wird.
Zu Zeiten der Webstühle hatten Köpfe wie Marx und Ricardo schon Ihre Bedenken hinsichtlich der Zukunftstauglichkeit und prognostizierten Dinge wie Massenarbeitslosigkeit. Dieses berührt uns jedoch heute nicht mehr. Zu lange her sind diese Ereignisse. Zu ineffizient war damals das Gedankengut. Denkt man ...
Die Vernetzung der Maschinen hat nur Vorteile. Man wähnt sich sicher. Der Mensch gibt gerne Kontrolle und Verantwortung ab und liest Bildzeitung. Wenn dann ein rotes Lämpchen aufflackert, bedeutet es keinen Armabriss, sondern lediglich, dass Maschine 3 in Gang F in exakt 15 Minuten eine Rolle Widerstände mit 25 Kiloohm benötigt. Maschine 3 wird völlig natürlich vom Intranet des Unternehmens gesteuert und verwaltet. Genauso natürlich die anderen Maschinen 1 bis x-tausend. Der Mensch, welcher heutzutage zur Einkommenssicherung keinen Computer benutzt, wird zur aussterbenden Gattung.
Die meisten Unternehmen sind mittels Datenbanken und deren Verwaltungsprogrammen wie SAP und Konsorten vernetzt und entlassen Daten aus dem eigenen gut geplanten eigenen Intranet ins uns allen bekannte Internet. Und genau ab da wird es spannend. Verschlüsselung hin oder her, zur Datenübertragung im Internet ist ein ISP (Internet Service Provider) erforderlich, über dessen Server die Daten laufen müssen. Keine Sorge, auch dieser Internetdienstanbieter unterhält natürlich sein eigenes Intranet-System.
Das Thema "Gläserner Bürger" ist also nur zweit- oder gar drittrangig von wesentlichem Interesse. Denn wer das weltweite Internet kontrolliert, der hat wirkliche Macht. Ob es China oder der derzeitige Vorsitzende der SPD Sigmar Gabriel ist, welche da schärfere Kontrollen fordern, ist absolut nebensächlich, denn es gibt da noch einen Faktor in dieser Ungleichung, mit dem niemand, aber auch absolut niemand so wirklich kalkulieren will, kann oder ihn aus Unkenntnis der Sachlage außen vor lässt: Die künstliche Intelligenz. Auch als KI oder englisch AI (Artificial Intelligence) bezeichnet.
Ich beobachte diese kleine Ausgeburt unserer multimedialen Welt, welche anfangs als Randerscheinung mangels Rechenleistung milde belächelt wurde, schon seit Anbeginn ihrer Tage und habe mich sogar richtig gefreut, als sie selbstständig Tageszeitungen lesen und verstehen konnte. Ehrlich!
Heute frage ich mich allerdings ernsthaft, ob im Artificial Intelligence Lab - University of Michigan - bei der Erschaffung und Programmierung derselben auch an einen großen roten Knopf gedacht wurde.




